26.05.2017 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
ZMP
«Emmi gab keinen Zentimeter nach»
Produzenten sagen, sie könnten sie nicht tragen. Der Verarbeiter sagt, er könne sie nicht verkaufen. Dennoch sind die höheren Tierwohl-Standards bei Emmi beschlossene Sache. Ein Tauziehen mit den ZMP zeichnet sich ab.

Emmi und die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) sind sich  punkto strategische Ausrichtung nicht einig.  Beide stimmen zwar darin überein, dass sich auch Caffè Latte oder Kaltbach-Käse künftig bei der Milchproduktion von der Konkurrenz abheben sollen (vgl. Kasten). Wer für den Mehrwert allerdings aufkommen soll, daran scheiden sich derzeit die Zentralschweizer Geister.

«Über Markt abgelten»

Stein des Anstosses ist die durch Emmi beschlossene Nachhaltigkeitsstrategie bei der Milchproduktion und insbesondere die gestellten Produktionsanforderungen  punkto Tierwohl (BTS, Raus bis 2020). Die ZMP stellen sich auf den Standpunkt, dass der daraus ergehende Mehraufwand bei der Tierhaltung durch einen höheren Milchpreis abzugelten ist. Von einem solchen «Tierwohl-Bonus» will aber Emmi vorerst nichts wissen.

ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer schreibt im aktuellen Infoschreiben: «In Bezug auf unsere Forderung, dass die zusätzlichen Nachhaltigkeitsleistungen der Milchlieferanten auch entsprechend entschädigt werden müssen, wurden wir mit Emmi nicht einig. Wir bedauern, dass wir aufgrund der aktuellen Ausgangslage die Verhandlungen als gescheitert ansehen müssen.»

Auf Nachfrage bestätigt der ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer die Uneinigkeit mit Emmi. «Emmi wollte in der Frage keinen Zentimeter nachgeben bzw. ist nicht bereit, einen Mehrpreis für die gestellten Anforderungen zu bezahlen.» Ungeachtet der Beteiligungsverhältnisse bei Emmi hätten er und die ZMP aber am Ende des Tages die Interessen ihrer Produzenten zu wahren. «Im vorliegenden Fall wollen wir unseren Mehraufwand über den Markt abgegolten haben», stellt Furrer unmissverständlich klar.

Solche Misstöne waren aus der Zentralschweiz in der Vergangenheit selten zu vernehmen. Dass Emmi nun anscheinend ausgerechnet  gegenüber den ZMP, also den Hauptlieferanten und Mehrheitsaktionären, ohne Rücksprache verschärfte Lieferbedingungen beschlossen hat.  Auch das Vorgehen scheint für den in der Kommunikation ansonsten souverän agierenden Milchkonzern ungewöhnlich.

«Erst Aufbauarbeit nötig»

Bei Emmi nachgefragt, bleiben die Antworten vage. Man habe rund um die Nachhaltigkeitsstrategie Gespräche mit zahlreichen Anspruchsgruppen geführt. Darunter auch «Vertreter der Milchlieferanten».

Dass man heute nicht versprechen könne, trotz höheren Standards einen besseren Preis zu bezahlen, sei schlicht auf die aktuelle Marktsituation zurückzuführen. «Wir gehen derzeit nicht davon aus, kurzfristig für unsere nachhaltigen Produkte mehr lösen zu können. Vielmehr wird es mehrere Jahre Aufbauarbeit benötigen, bis wir bei unseren Kunden und vor allem bei den Konsumenten glaubhaft einen Ruf als nachhaltiges Unternehmen verankern können», schreibt Emmi. Dies könne nur in Zusammenarbeit mit den Produzenten gelingen.

Emmi-Spitze involvieren

Zwischen Emmi und den ZMP steht Thomas Oehen. Auf der einen Seite als Verwaltungsrat, andererseits als ZMP-Präsident. Gegenüber dem «Schweizer Bauer» erklärt er, dass man die Strategie besser, sprich erst dann hätte kommunizieren sollen, als eine gemeinsame Lösung auf dem Tisch lag. «Die Diskussion sollte  in Zukunft zudem auch bei Emmi von der Unternehmensspitze geführt werden», schlägt Oehen für die Zukunft vor.

Strategie Emmi

Die Nachhaltigkeitsstrategie von Emmi umfasst unter anderem folgende Punkte:
Tierhaltung
Die Milchviehhaltung übertrifft die Anforderungen der Schweizer Tierschutzgesetzgebung
Fütterung
Artgerechte Fütterung auf der Basis einheimischer Futtermittel
Anteil Grundfutter über 80 Prozent
Einsatz von zertifiziertem Soja
Qualität
Top-Milchqualität
GVO-frei
Frei von Antibiotikarückständen
Keine leistungsfördernden Hormone
Milchpreis
Emmi bezahlt einen überdurchschnittlichen Milchpreis

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