29.04.2013 06:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
SMP-Präsidium (2/2)
«Erneuerung in nützlicher Frist»
Hanspeter Kern, Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO), will Präsident der Schweizer Milchproduzenten(SMP) werden. Im Interview erläutert er, wie er dazu kommt und was er verändern will.

«Schweizer Bauer»: Warum wollen Sie SMP-Präsident werden?
Hanspeter Kern: Ich konnte grosse Erfahrungen in der Führung von milchwirtschaftlichen Organisationen sammeln. Bei der Fusion von zwei Milchverbänden ist es mir gelungen, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen zu einer Einheit zusammenzubringen.  Es ist wichtig, dass der Vorstand SMP wieder zielgerichtet arbeiten kann. Ich bin bereit dazu, meinen Beitrag zu leisten.

Der abtretende SMP-Präsident Peter Gfeller kritisiert, dass zu viele Vorstandsmitglieder zu viele Hüte tragen. Was sagen Sie dazu?
Grundsätzlich ist es in erster Linie Sache der Mitgliedorganisationen, ihre Delegation im Vorstand der SMP zu bestimmen. Erfolgreiche Verbände in der übrigen Wirtschaft legen bei der Besetzung von Führungsaufgaben Wert auf eine möglichst gute Vernetzung. Da die Vorstandsmitglieder der SMP sehr unterschiedlich vernetzt sind, müsste noch definiert werden welche Hüte nicht akzeptierbar sind.

Die Milchbranche kommt seit dem Ausstieg aus der Milchkontingentierung nicht zur Ruhe. An was liegt das?
Die Hauptursache für die Probleme liegt in den falschen Erwartungshaltungen. Die Kontingentierung hat zu einem Mengen-Vakuum geführt. Die Erwartungen an die unternehmerische Freiheit und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Mengensteigerung waren bei vielen Milchproduzenten hoch. Die gute Situation auf dem Milchmarkt während der Ausstiegsphase hat die Hoffnungen auf ein Mengenwachstum beflügelt. Der anschliessende Preissturz hat zur Ernüchterung geführt. Auch die Erwartungen, dass der Staat die Fehlentwicklungen des Marktes wieder korrigieren würde, waren unrealistisch.

Die einen finden, die SMP sollen nur ein reiner Dienstleister sein. Die andern fordern eine gewerkschaftliche Standesvertretung. Was wollen Sie?
Die von den SMP erbrachten Dienstleistungen sind hervorragend und müssen weitergeführt werden. Dies gilt auch für die politische Interessenvertretung. Als selbstständige Unternehmer brauchen wir nicht eine Gewerkschaft, sondern eine Berufsorganisation, die im Bereich Markt eine koordinierende Funktion wahrnehmen muss. Der Milchhandel erfolgt aber zwischen Marktorganisationen und Milchverwertern.

Die Thurgauer Milchproduzenten fordern, dass zuerst die Strategie der SMP geklärt sein muss, bevor ein neuer Präsident gewählt wird...
Die Erneuerung der Führung muss innert nützlicher Frist erfolgen und darf nicht durch monatelange Strategieberatungen blockiert werden. Die Strategieentwicklung ist ein Prozess, welcher sorgfältig und ohne Zeitdruck abgewickelt werden muss.

Sie sind VMMO-Präsident und Vorstandsmitglied der Nordostmilch AG. Wollen Sie alle diese Ämter behalten?
Ich habe bereits  kommuniziert, dass ich bei einer Wahl als SMP-Präsident mein Verwaltungsratsmandat bei der Nordostmilch AG sofort zur Verfügung stellen werde. Das VMMO-Präsidium würde ich bei nächster Gelegenheit ebenfalls abgeben.

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