16.04.2015 06:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Milchmarkt
Es bleibt möglich, nur A-Milch zu liefern
Die Milchproduzenten der Mittelland-Molkerei lehnten eine Änderung des Milchmengen-Reglements ab. Hingegen stimmten die Mitglieder einer Verkleinerung der Delegiertenversammlung und des Vorstandes zu.

Die Delegierten der Milchproduzenten Mittelland (MPM) sowie der Produzenten-Milchverwerter-Organisation (PMO) um die Mittelland Molkerei erlebten in Lenzburg ein Wechselbad der Gefühle. Die MPM-Genossenschaft ist die Nachfolgerin des Aargauer Milchverbandes und mit 40 Prozent an der Emmi Mitteland Molkerei AG in Suhr beteiligt. Der Verein PMO MIMO wurde gegründet, um den Milchproduzenten 2006 den vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung zu ermöglichen.

Düster und hell

Die aktuelle Bilanz fiel für die Delegierten zweischneidig aus. Sie beklagten einerseits ihre schwierige eigene Situation mit dem tiefsten Milchpreis seit 50 Jahren. Auch Präsident Andreas Hitz ging in der  Begrüssungsansprache mit Sorge darauf ein und zeigte sich zusätzlich über die, wie er sich ausdrückte, «Fehlkonstruktion Agrarpolitik 2014–2017» frustriert. Sehr viele Milchproduzenten seien nebst den katastrophalen Milchpreisen noch von beträchtlichen Kürzungen bei den Direktzahlungen betroffen.

Anderseits nahmen die Delegierten zur Kenntnis, dass die Jahresrechnung der MPM-Genossenschaft mit 3,39 Mio. Franken Gewinn abschloss. Sie profitierte von Immobilienerträgen sowie der Dividende aus einem ansprechenden Geschäftsergebnis der Mittelland Molkerei mit 536 Mio. Franken Umsatz (+1,7 Prozent) und 34,6 Mio. Franken Gewinn (–0,7 Mio. Fr.), was zu einem deutlich erhöhten Eigenkapital von 28,86 Mio. Franken führte.

Fokus auf Export

Der stellvertretende CEO von Emmi, Robert Muri, zeigte den Produzenten die Absatzmärkte des grössten Milchkonzerns auf – und deutete damit die zunehmenden Verflechtungen im internationalen Milchmarkt an. 55 Prozent des Gesamtumsatzes von 3,4 Mrd. Franken erzielte Emmi in der Schweiz, 25 Prozent in Amerika, 15 Prozent in Europa und 5 Prozent im Welthandel. Der Marktanteil in der Schweiz sank, der Export stieg. Die künftigen Wachstumsmärkte werden klar im Ausland, vor allem in Amerika, gesehen.

2015 rechne man mit ungefähr gleichen Produktionsmengen wie 2014, aber mit weniger Gewinn, erklärte Muri. Aus der Frankenstärke drohten Einbussen von 60 Mio. Franken; man versuche sie im nachrevidierten Budget mit Sparmassnahmen und subtilen Preisanpassungen im Ausland aufzufangen. Der Buttervorrat liege etwas höher als in der Vergleichsperiode des Vorjahres, es müssten wohl wieder etwa 2000 Tonnen exportiert werden. Aus der Versammlungsmitte wurde gerügt, die Milchpreissenkung «von einer Stunde auf die andere» wegen der Aufhebung der Wechselkursgrenze sei schlecht kommuniziert worden.

B-Milch weiter abwählbar

Als Pièce de résistance erwies sich eine Änderung des Milchmengen-Reglements. Emmi meldete letzten Herbst einen zusätzlichen Bedarf an günstiger B-Milch an, um sie für konkurrenzfähige Exportprodukte einzusetzen. Im Sinne einer Absatzförderung und um Ungleichheiten zu vermeiden, teilte der MPM allen Produzenten 5 Prozent B-Milch zu. Bisher konnten sich die Produzenten entscheiden, einzelne Segmente nicht oder teilweise zu liefern.

Nach neuer Lesart sollten sie nur noch auf die Lieferung von C-Milch verzichten können. Der MPM-Vorstand ging davon aus, dass Emmi aufgrund ihrer Absatzmärkte im In- und Ausland immer A-Milch und B-Milch einkaufen werde, und sich die B-Milch-Menge nötigenfalls bei Händlern beschaffe, wenn sie nicht von MPM-Partnern beziehbar sei. Darin sah man die Gefahr, dass letztlich auch die Vertragsmenge in den besseren Segmenten sinken könnte.

Weniger Delegierte

Den Widerstand gegen die neue Regelung führten die Milchringe Dielsdorf-Umgebung und Limmattal-Furttal an. Sie wollten, dass das Wahlsystem im A-, B- und C-Segment bestehen  bleibe. Darüber entspann sich eine lebhafte, aber faire Diskussion, die dem unbefangenen Beobachter die unsägliche Komplexität der Milchmarkt-Steuerung vor Augen führte. Der Antrag des Vorstandes fiel durch, er verfehlte die Zweidrittelsmehrheit.

Unbestrittener als das Milchmengen-Reglement waren Anpassungen der Statuten. Es wurde beschlossen, die Delegiertenversammlung von rund 150 auf 100 Mitglieder zu reduzieren, indem ein Abgeordneter künftig 1,5 Mio. statt 1,0 Mio. kg Milch vertreten soll. Im gleichen Zug versuchte ein Spontanantrag, auch den 11-köpfigen Vorstand zu verkleinern. Das Begehren wurde verworfen, zumal die Zahl bereits flexibel auf 6 bis 11 Mitglieder festgelegt ist. Hingegen verlängerte man die Amtszeit von drei auf vier Jahre.

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