25.03.2014 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Es geht uns um die Wertschöpfung»
Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), ist auch Präsident des Verwaltungsrats der neuen Lactofama AG. Diese will die saisonalen Milchüberschüsse aufkaufen und exportieren.

Schweizer Bauer»: Am vergangenen Mittwoch hat der SMP-Vorstand der Gründung der Lactofama AG zugestimmt. Sie sind wohl erleichtert, dass unter Führung der SMP unter hohem Zeitdruck doch noch eine Lösung für die C-Milch zustande gekommen ist?
Hanspeter Kern: Das bin ich. Ich möchte aber festhalten, dass es keine Lösung der SMP ist, sondern eine der Milchvermarktungsorganisationen. Wir von der SMP übernehmen die Koordination. Das Wesentliche ist, dass wir die Handelsorganisationen zusammengebracht haben, dass es eine gemeinsame Lösung ist. Wir suchen auch die Zusammenarbeit mit unseren Milchverarbeitern.

Warum räumt die Lactofama AG unter Führung der SMP die überschüssige C-Milch ab?
Das Ziel ist, saisonale Überschüsse gezielt zu exportieren. Wir haben in den vergangenen Strategiediskussionen immer betont, dass wir versuchen werden, zukünftige saisonale Überschüsse abzuräumen. Das ist nur möglich in Zusammenarbeit mit den Marktorganisationen.

Was ist der Vorteil der Lactofama AG gegenüber vertikalen Lösungen, wie sie die Emmi bereits geplant hatte?
Es geht um die Wertschöpfung. In eine vertikale Lösung sind immer nur die Lieferanten eines Verarbeiters eingebunden, bei dem die C-Milch anfällt. Nicht nur Emmi, auch die anderen Verarbeiter machten sich Gedanken zu solchen Lösungen. Es ist besser, wenn wir von den Schweizer Milchproduzenten zusammen mit den Vermarktungsorganisationen, die ja alle bäuerlich kontrolliert sind, eine zentrale Lösung haben.

Die C-Milch wird von der Lactofama AG gekauft, sie lässt sie im Lohn verarbeiten und bestimmt auch den Zeitpunkt des Verkaufs der Butter auf den Exportmärkten?
Richtig. Wir kaufen aber nur saisonale Überschüsse. Eine kurze Zeit zu viel Milch auf dem Markt kann uns den Milchpreis das ganze Jahr über hinunterziehen. Ist der Preis mal gesunken, ist es sehr schwierig, ihn wieder hochzubringen. Wir reden ganz klar nicht von strukturellen, systemischen Überschüssen.

Wo liegen die grössten Herausforderungen in der Umsetzung? Diese dürfte ja anspruchsvoll werden. 
Ich kann Ihnen bestätigen: Das ist sehr anspruchsvoll. Es kann in Zukunft auch noch die eine oder andere Überraschung geben. Wichtig ist das Bekenntnis aller Handelsorganisationen, die bei der Lactofama AG unterschrieben haben. Sie sind überzeugt, dass diese Abräumung funktionieren wird.

Finanziert wird der Export aus dem Milchstützungsfonds der SMP. Woher stammt dieses Geld?
Ursprünglich von den Milchproduzenten. Das ist der Saldo des Fonds, mit dem früher der Milchpreis gestützt wurde.

Wie weit reicht denn das Geld in diesem Fonds? Ist das Jahr 2014 sicher abgedeckt?
Das kann ich so nicht sagen. Für den Start der Lactofama AG haben wir von den SMP aus dem Milchstützungsfonds ausreichend finanzielle Mittel freigegegeben. Jetzt ist der Verwaltungsrat der Lactofama AG am Zug. Der Einschuss von weiteren Mitteln aus dem Milchstützungsfonds würde natürlich mit dem SMP-Vorstand koordiniert. Der Verwaltungsrat wird auch andere Finanzierungslösungen prüfen.

Die SMP werden doch wohl ihre «Kriegskasse» nicht bis auf den letzten Rappen leeren wollen?
Nein, das machen wir sicher nicht.

Wie könnte denn in Zukunft Geld für eine Abräumung in Produzentenhand eingetrieben werden?
«Eintreiben» ist vielleicht das falsche Wort. Wenn wir etwas auf die Beine stellen, ist jedem klar, dass es etwas kostet. Ohne Geld läuft nichts. Bei anderen Produkten haben wir die entsprechenden Systeme, wie man zu Geld kommt. Der Verwaltungsrat der Lactofama AG und der Vorstand der Schweizer Milchproduzenten werden über zukünftige Finanzierungslösungen diskutieren.

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