28.09.2015 10:07
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
EU-Milchmarkt: Ist Tiefpunkt erreicht?
Am Milchmarkt scheint das Schlimmste vorbei zu sein, „aber niemand würde darauf wetten, dass die in den vergangenen Wochen bemerkten leichten Erholungszeichen bereits eine anhaltend positive Entwicklung ankündigen“. Dieses Fazit zog die Europäische Kommission nach dem jüngsten Treffen der EU-Beobachtungsstelle für den Milchmarkt am vergangenen Mittwoch.

Während das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage fortbestehe, habe sich die Marktstimmung verbessert. Die Brüsseler Behörde gibt den Produzentenpreis für Milch im EU-Durchschnitt für Juli mit 29,7 Cent/l (32,4 Rp./l) an. Er lag damit um 12 Prozent unter dem fünfjährigen Mittel. Für August wird ein weiterer Rückgang um 0,9 % erwartet, während die Meinungen über die Preisentwicklung ab September geteilt sind.

Geringfügig bessere Margen

Laut Kommission rechnenmanche Experten mit zusätzlichen Abschlägen, während andere von stabilen Preisen ausgehen, auch vor dem Hintergrund der zuletzt festeren Notierungen am Weltmarkt. Einigkeit bestand darüber, dass Biomilch weitere bessere Erlöse bot. Gesunkene Futtermittelkosten sorgten nach Angabe der Behörde für geringfügig bessere Margen im zweiten Quartal 2015. Allerdings herrschten weiter kurzfristige Liquiditätsprobleme vor.

In der Woche zum 20. September dienten die europäischen Molkereien der öffentlichen Intervention 2'141 t Magermilchpulver an, darunter 48 t aus
Deutschland. Mit mehr als 900 t machten die Litauer von dieser Möglichkeit diesmal am meisten Gebrauch. Insgesamt wurden damit seit Anfang Juli 19'735 t Trockenmilch an die Kommission verkauft. Die Anträge für eine Beihilfe zur privaten Lagerhaltung von Magermilchpulver beliefen sich in der Woche zum 20. September auf 1'241 t, darunter ebenfalls 48 t aus Deutschland. Ferner gingen Beihilfeanfragen für 2'032 t Butter ein, einschliesslich 66 t deutscher Ware.

Mit dem Rücken zur Wand

Unterdessen mahnte der Deutsche Bauernverband (DBV) gegenüber der Europäischen Kommission schnelle Massnahmen zur Abmilderung der schwierigen Situation auf den Agrarmärkten an, insbesondere bei Milch und Schweinfleisch. „Die EU-Kommission muss handeln, um den Kurs der Marktorientierung nicht zu gefährden“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied vergangene Woche gegenüber dem Leiter der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Jerzy Plewa.

Viele Landwirte stünden wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Rukwied forderte die Brüsseler Behörde auf, die Risiko- und Kriseninstrumente zu verstärken, die europäische Absatzförderung auf potentiellen Drittmärkten auszubauen und die Agrarpolitik, insbesondere im Bereich des Greenings, deutlich zu vereinfachen. Der DBV stehe grundsätzlich zur Marktorientierung. Diese müsse allerdings durch intelligente politische Instrumente begleitet werden.

Vorsichtiger Optimismus

In Reaktion auf die Kritik, dass das jüngst vereinbarte Hilfspaket über 500 Mio. Euro (545 Mio. Fr.) unzureichend sei, betonte Plewa, EU-Agrarkommissar Phil Hogan habe das Bündel vor dem Hintergrund finanzieller Engpässe nurmit einem enormen Kraftakt gegenüber dem Rest der Kommission durchgesetzt. Ferner verwies er auf den vorsichtigen Optimismus während der jüngsten Sitzung der EU-Beobachtungsstelle für den Milchmarkt.

In Bezug auf die Vereinfachung der EU-Agrarpolitik unterstrich Plewa die intensiven Arbeiten der Kommission. In drei Bereichen werde an Vorschlägen zur Vereinfachung gearbeitet. Dies seien Antragsverfahren für die Direktzahlungen, die Gestaltung des Greenings und die Vereinfachung der Kontrollen. Der Generaldirektor versicherte, dass die Vorschläge des Berufsstandes berücksichtigt würden.

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