2.04.2020 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Europäischer Milchmarkt
EU: Milchpreis leicht tiefer
Die EU-Produzentenpreise sind im Februar 2020 geringfügig gesunken. Führende europäische Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Mittel 34,23 Cent (36,18 Rp.) netto/kg Rohmilch.

Das entspricht im Vergleich mit dem Vormonat einem Minus von 0,09 Cent (0,1 Rp.). Gegenüber dem Vorjahresniveau ergab sich ein leichter Anstieg um 0,3%. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervor. 

Der LTO-Durchschnittswert wird bekanntlich monatlich auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 marktführenden Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss errechnet. Der Durchschnittspreis beruht auf einer jährlichen Anlieferung von 1 Mio. kg. 

Erzeugerpreise vorerst stabil 

Die Hälfte der im LTO-Vergleich erfassten Molkereien hat im Februar 2020 keine Preisänderungen vorgenommen. Eine höhere Auszahlung meldeten die irische Molkerei Kerry (+1 Cent), FrieslandCampina in den Niederlanden (+0,7 Cent) sowie der französische Verarbeiter Sodial (+0,4 Cent). Dem standen Verringerungen zwischen 0,5 und 1 Cent in den Molkereien Milcobel (Belgien), Dairygold und Glanbia (beide Irland) sowie SaputoDairy in Großbritannien gegenüber. 

Für die Monate März und April 2020 zeichnen sich laut LTO derzeit noch stabile Tendenzen ab: So hat der dänische Molkereiriese Arla für März eine Anhebung um 1 Cent und für April eine unveränderte Auszahlung gemeldet. Der deutsche Marktführer DMK erhöhte im März den Milchpreis um 0,5 Cent. Auf der anderen Seite verzeichneten die Verarbeiter FrieslandCampina (Niederlande), Savencia und Lactalis (beide Frankreich) sowie SaputoDairy moderate Preissenkungen zwischen 0,2 und 0,6 Cent. 

Die Produzentenmilchpreise tendieren in der EU normalerweise im Frühjahr, dem saisonalen Verlauf folgend, nach unten und erreichen im Mai (zum Höhepunkt der Milchanlieferung) ihre Talsohle. Dann zeigt die Preiskurve üblicherweise bis Herbst wieder nach oben. 

Unsicherheitsfaktor Coronavirus 

Die weitere Milchpreisentwicklung wird nach Ansicht der Experten vor allem auch davon abhängen, wie sehr und wie lange die Auswirkungen der Corona-Krise direkt und indirekt auf dem Markt spürbar sind und wie das globale Milchangebot an diese Situation angepasst werden kann. 

In Ländern wie Deutschland und Österreich beispielsweise ordern die Supermärkte und Discounter verstärkt Produkte wie H-Milch, Kondensmilch, Butter oder Käse. Gleichzeitig ist die Nachfrage vonseiten der Gastronomie faktisch zum Erliegen gekommen. Auch das Auslandsgeschäft mit Molkereiprodukten gestaltet sich zum Teil sehr schwierig. Dazu kommen Probleme durch Personalausfälle und die Knappheit bei Verpackungsmaterial. 

Preisrückgang noch moderat

Der Rückgang bei den Notierungen für Milchprodukte fällt international im Vergleich mit anderen Rohstoffmärkten noch relativ moderat aus, wobei er bei eiweissreichen Waren (Magermilchpulver) stärker ausgeprägt ist als bei fettreicheren wie Butter und Vollmilchpulver.

China hat offenbar weiterhin einen relativ hohen Importbedarf bei Standardprodukten wie Milchpulver. Die EU-Produzenten treffen hier aber auf harte Konkurrenz durch die USA, die Magermilchpulver deutlich billiger anbieten, und durch Neuseeland, das bei Vollmilchpulver Preisführer ist. Bei Butter und Cheddar-Käse wiederum können die EU-Exporteure mit günstigen Preisen gegenüber Ozeanien punkten. 

Milchanlieferung steigt insgesamt 

Ein wichtiger Einflussfaktor am globalen Milchmarkt ist das Angebot. In der EU lag die Milchanlieferung im Januar 2020 in Summe um 1,7% über dem Vorjahresniveau. Seit August 2019 wird in der Union mehr Rohmilch von den Molkereien übernommen als im Vorjahreszeitraum, wobei die Entwicklung in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich verläuft. Die Niederlande, Italien, Frankreich, Polen und Deutschland wiesen im Januar in absoluten Zahlen die grössten Steigerungen auf, während die Anlieferung in Irland seit Oktober rückläufig ist. 

Was die anderen großen Milchexporteure betrifft, so meldete Neuseeland für Januar 2020 einen Rückgang der Anlieferung um 0,7%, während Australien nach einem langen, witterungsbedingten Einbruch wieder ein Plus von 0,5% verzeichnete. In den USA kam es im Januar zu einem Anstieg um 0,9% gegenüber dem Vorjahresmonat und in Argentinien dürfte sich die Produktion wieder erholt haben, immerhin wurde hier von einer Steigerung um 5% berichtet. Laut LTO-Berechnungen haben die wichtigsten Milchexporteure am Weltmarkt im Januar 2020 in Summe um rund 1% mehr Milch erzeugt als im Vorjahresmonat. 

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