6.06.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Europäischer Milchmarkt
EU-Milchpreis sinkt minim
Die EU-Produzentenpreise tendierten nach dem Rückgang im März 2019 auch im April leicht nach unten. Führende europäische Molkereien zahlten ihren Produzenten im Mittel 33,21 Cent (37.06 Rp.) netto/kg Rohmilch. Das bedeutet gegenüber dem Vormonat ein Minus von 0,30 Cent (0.33 Rp.). Der Rückgang ist saisonal bedingt.

Im Vergleich mit dem Vorjahresniveau ergab sich ein Anstieg um 0,85 Cent (0.95 Rp.) oder knapp 3%. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervor.

Preiskurve flacher als im Vorjahr

Der seit Anfang 2019 verzeichnete Rückgang der EU-Produzentenmilchpreise fällt in Summe relativ gering aus und ist laut LTO vor allem auf saisonale Einflüsse zurückzuführen. Von Jahresbeginn bis zur saisonalen Lieferspitze im April/Mai ist normalerweise immer eine fallende Preistendenz zu beobachten, danach folgt meist wieder ein Anstieg. Heuer verlaufe die Preiskurve von Januar bis April flacher, was eher auf stabile Tendenzen hinweise, so die LTO-Experten.

Von den im LTO-Vergleich erfassten Molkereien nahm im April 2019 die britische Molkerei Dairy Crest die stärkste Reduzierung des Produzentenpreises vor (-2,7 Cent/kg; -3 Rp.), gefolgt vom französischen Verarbeiter Sodiaal (-1 Cent, 1.13 Rp.). Beide Unternehmen begründeten den Abschlag mit saisonalen Abschlägen. Während Milcobel in Belgien ebenfalls um 1 Cent weniger auszahlte, nahm die italienische Grossmolkerei Granarolo im selben Umfang eine Preiserhöhung vor. In Summe senkten im April 2019 acht Molkereien die Milchpreise, fünf liessen sie unverändert und drei hoben sie an. 

Der LTO-Durchschnittswert wird, wie berichtet, monatlich auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 marktführenden Milchverarbeitern in Nord- wie auch Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss errechnet. Der Durchschnittspreis beruht auf einer jährlichen Anlieferung von 1 Mio. kg.

EU-Kommission sieht stabile Verhältnisse 

Für die kommenden Monate rechnen LTO-Experten mit eher stabilen Produzentenpreisen in der EU. Als Beispiele nennen sie den dänischen Molkereiriesen Arla, den französischen Verarbeiter Savencia und Granarolo in Italien, die alle ihre Auszahlung im Mai und Juni unverändert lassen. Einige Molkereien wie Danone und Lactalis haben im Mai gleich viel ausgezahlt wie im Vormonat; FrieslandCampina in den Niederlanden wird den leichten Rückgang im Mai (-0,7 Cent) mit einem Plus von 0,5 Cent im Juni annähernd wieder kompensieren.

Auch die Europäische Kommission hat ihre jüngste Milchpreisstatistik veröffentlicht. Sie weist für April 2019 ebenfalls einen geringen Rückgang der durchschnittlichen Erzeugerpreise in den Mitgliedsländern aus, und zwar gegenüber dem Vormonat März von 34,4 auf 34,3 Cent (38.28 Rp.) je kg. Dieser Wert basiert aber auf dem natürlichen Fett- und Eiweissgehalt. Auch die von der Brüsseler Behörde gezeichnete Preiskurve fällt von Januar bis April 2019 relativ flach aus und sieht für Mai eine Fortschreibung dieses Trends vor.

Anlieferung in der EU steigt

Einen deutlichen Einfluss auf die weitere Preisentwicklung wird das Anlieferverhalten der Milchbauern haben. In der EU lag die Rohmilchmenge im März 2019 nach Angaben der Kommission mit +1,2% erstmals seit sechs Monaten wieder über dem Vorjahresniveau. Im ersten Quartal 2019 war die Menge minimal geringer (-0,1%) als im Vergleichszeitraum 2018.

Was die Nachfrage betrifft, so hoffen die europäischen Milchverarbeiter vor allem, dass der gestiegene Bedarf im asiatischen Raum aufrecht bleibt. China, der weltweit grösste Abnehmer, hat im ersten Quartal 2019 um fast 30% mehr Mager- und Vollmilchpulver sowie auch etwas mehr Käse (+3%) importiert. 

In Australien fällt die Milchproduktion in der Saison 2018/19 bisher (von Juli bis März) aufgrund von Witterungsproblemen um 6,8% geringer als im Vorjahreszeitraum aus. In Neuseeland wurde dagegen von Juni 2018 bis März 2019 ein Plus von 3,2% gemeldet, wobei allerdings im März ein wetterbedingter "Durchhänger" verzeichnet wurde. In den USA blieb die Erzeugung von Januar bis März 2019 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. 

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