8.01.2016 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
EU: Milchpreise erholen sich erst mittelfristig
Die deutsche Milchwirtschaft muss auch 2016 noch einige Zeit mit niedrigen Preisen rechnen. Der globale Verbrauch von Milchprodukten wird 2016 nach Einschätzung zunehmen. Frühestens ab Mitte Jahr wird mit einer Erhöhung der Milchpreise gerechnet. Davon geht das Institut für Ernährungswirtschaft (ife) aus.

Das Angebot werde in der Europäischen Union voraussichtlich erst im Frühjahr 2016 langsamer wachsen und im weiteren Verlauf auch sinken, heisst es in einem Bericht zum Milchmarkt 2016, den das ife kurz vor Weihnachten veröffentlicht hat.

Anstieg des globalen Verbrauchs

Entscheidend sei jedoch, wann die Nachfrage am internationalen Markt wieder das über den Bedarf des EU-Binnenmarktes hinausgehende Angebot aufnehmen könne. Nach diesem zeitlich nicht genauer eingegrenzten Wendepunkt werden sich die Preise dem Institut zufolge „mit unterschiedlichem Tempo in den einzelnen Marktsegmenten erholen“. Ausschlaggebend für die deutsche Milchwirtschaft sei die mit nahezu 50% der erzeugten Milchmengen starke Orientierung an der Belieferung des EU-Marktes.

Gleichzeitig hänge der Druck am Binnenmarkt vom „Exportventil“ ab. Auf den aussereuropäischen Wachstumsmärkten gehe es mit der Wirtschaft dabei zwar langsamer als in den Vorjahren, verglichen mit der EU aber immer noch kräftig aufwärts. Trotz abgeschwächten Wachstums sei ein weiterer Anstieg des globalen Verbrauchs und des Handels mit Milchprodukten zu erwarten.

Rechtzeitige Auszahlung der Direktzahlungen

Optimistisch blickt das ife auch auf die Wirtschaftslage in Deutschland, die sich unter dem Strich weiterhin „günstig“ entwickle. Für eine Reihe anderer EU-Länder treffe das allerdings nicht zu. Auch der Anstieg der Verbraucherzahlen durch die Zuwanderung werde den unter Angebotsdruck stehenden Milchmarkt kaum entlasten.

Das Institut sieht die deutsche und europäische Politik deshalb gefordert, der Liquidität der Erzeugerbetriebe, beispielsweise durch eine rechtzeitige Auszahlung der Direktzahlungen, Rechnung zu tragen. Gleichzeitig dürften die notwendigen Marktanpassungsprozesse nicht durch vorschnelle politische Massnahmen verhindert werden.

Preiswende im Mai möglich

Die Folgen der im Zuge niedriger Milchpreise erfolgten Produktionsdrosselung werden den Kieler Wirtschaftsforschern zufolge erst ab Ende März sichtbar und messbar sein. Bis zu diesem Zeitpunkt würden diese Effekte von Zuwächsen überlagert, die sich unter anderem durch höhere Leistungen der Kühe als Folge winterlicher Stallfütterung ergeben könnten.

Ende Mai werde voraussichtlich mit dem saisonalen auch ein zyklischer Rückgang der Milchmengen in der EU einsetzen. Erst dann könne auch ein nur noch kaum wachsendes oder sogar sinkendes Angebot bei gleichzeitig wachsender Nachfrage ein verändertes Marktgleichgewicht und festere Preise mit sich bringen. Falls es dazu kommt, werden die Folgen nach der Vorhersage des Instituts am schnellsten bei den Preisen für Butter und Magermilchpulver zu spüren sein, auch in der EU.

Tiefere Lagerbestände

Die langfristige Erholung des Milchmarktes sei indes auch ohne eine Rückkehr Russlands auf den EU-Markt denkbar. Allerdings sei auch bei einer baldigen Aufhebung des Embargos von einer deutlich gedämpften russischen Nachfrage gegenüber der Zeit vor dessen Inkrafttreten auszugehen. Dafür, dass sich 2016 die Marktlage insgesamt drehen könnte, sprechen laut ife auch die Daten über die Bestände.

Vergleiche man die Lagermengen an Butter und Magermilchpulver in der EU und den USA, so seien diese deutlich niedriger als im Jahr 2009, mit dem die derzeitige Marktlage oft verglichen werde.

Verzerrter Vorjahresvergleich

Der nicht zur Nachfrageentwicklung passende zeitweilige Anstieg der Milcherzeugung im vergangenen Jahr ist nach Angaben des ife auf ein Zusammenspiel mehrerer Ursachen zurückzuführen, angefangen mit den zum Jahresbeginn 2015 noch hohen Preisen. Das fast synchron in Europa, Nordamerika und Ozeanien beschleunigte Wachstum sei zudem durch das seltene Phänomen der in fast allen Gebieten zur selben Zeit vorherrschenden, relativ günstigen klimatischen Bedingungen gefördert worden.

Kurz vor dem Ende des letzten Quotenjahres im März 2015 hätten noch viele Milchlieferanten mit Bremsmanövern versucht, eine Überlieferung möglichst klein zu halten. Dadurch sei die „natürliche Saisonalität der Milcherzeugung stark nach unten verzerrt“ worden, so das ife. Die zuletzt verzeichneten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr seien vor diesem Hintergrund wenig überraschend.

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