6.08.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Europäischer Milchmarkt
EU-Milchpreise leicht höher
Die EU-Produzentenmilchpreise stiegen im Juni 2019 geringfügig an. Führende europäische Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Mittel 36,32 Rappen (33,29 Cent) netto/kg Rohmilch.

Das bedeutet gegenüber dem Vormonat ein kleines Plus von 0,098 Rappen (0,09) Cent. Im Vergleich mit dem Vorjahresniveau ergab sich ein Anstieg um 0,72 Rappen (0,66 Cent) oder 2%. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervor.

Zum Vergleich: In Österreich waren die Produzentenmilchpreise im Juni leicht rückläufig (0-0.7 Rappen/-0,64 Cent). Die Molkereien zahlten im Schnitt für GVO-freie Qualitätsmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss 40,27 Rappen (36,91 Cent) netto je kg, also mehr als im EU-Mittel. 

Einmal im Monat erhoben

Der LTO-Durchschnittswert wird bekanntlich monatlich auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 marktführenden Milchverarbeitern in Nord- wie auch Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss errechnet. Der Durchschnittspreis beruht auf einer jährlichen Anlieferung von 1 Mio. kg.

Eine Änderung ergibt sich bei den teilnehmenden Milchverarbeitern: Das britische Unternehmen Dairy Crest, das meist am unteren Ende des LTO-Rankings lag, wurde im Juli 2019 vom kanadischen Milchriesen Saputo (achtgrösste Molkerei der Welt) übernommen und firmiert jetzt unter "Saputo Dairy UK". 

Stabile Preisphase 

Die LTO-Experten weisen in ihrem jüngsten Report darauf hin, dass die Preiskurve in diesem Jahr bemerkenswert flach ausfällt. Üblicherweise geben die Produzentenpreise in der EU ab Jahresbeginn deutlich nach und erreichen im Mai - dem Höhepunkt der saisonalen Anlieferungen - ihren tiefsten Wert.

Danach führen sinkenden Mengen zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Preise. So kam es im Vorjahr von Januar bis Mai in der EU zu einer Verringerung der durchschnittlichen Milcherlöse von  38,73 Rappen (35,50 Cent) auf rund 34,91 Rappen (32 Cent). Danach erholten sich die Produzentenpreise und erreichten im November mit knapp 38,19 Rappen (35 Cent) annähernd wieder das Januar-Niveau. Heuer lag im ersten Halbjahr die Differenz zwischen höchstem und tiefstem Wert bei 0,65 Rappen (0,6 Cent). 

Nur Frankreich erhöht Preise leicht

Die niederländischen Marktexperten gehen davon aus, dass sich an der stabilen Situation - wenn keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreten - vorerst nicht viel ändern wird. Von den 16 am LTO-Vergleich teilnehmenden Molkereien haben 13 im Juni 2019 ihre Milchgeldauszahlung unverändert gelassen. Nur drei französische Verarbeiter nahmen leichte Erhöhungen vor. 

Für Juli 2019 haben der dänische Molkereiriese Arla (-0,11 Rappen/-0,1 Cent) und der niederländische Verarbeiter FrieslandCampina (-0,76 Rappen/-0,7 Cent) kleine Verringerungen gemeldet, im August bleibt ihr Milchpreis gleich.

Keine grösseren Preiserhöhungen erwartet

Der deutsche Marktführer DMK hat im Juli den Produzentenpreis auf dem Vormonatsniveau belassen. Auf der anderen Seite hat Savencia in Frankreich im Juli um 1,09 Rappen (1 Cent/kg)mehr gezahlt sowie für August und September unveränderte Preise angekündigt. Lactalis meldete für Juli ein Plus von 0,22 Rappen (0,2 Cent). Saputo Dairy UK wird eigenen Angaben zufolge bis August keine Preisänderung vornehmen, im Juli gab es eine leichte Erhöhung durch den Wegfall eines Saison-Abzugs. 

Gegen kurzfristig grössere Produzentenpreis-Bewegungen spricht laut LTO auch die internationale Milchmarktsituation. Seit Mai 2019 seien die europäischen Butter-Notierungen aufgrund einer schwächeren Nachfrage und nennenswerter Lagerbestände rückläufig, das dürfte den Anstieg der Rohmilch-Erlöse bremsen, wird betont. Gleichzeitig seien aber die Notierungen für Milchpulver und Käse relativ fest. 

Milchangebot in Summe stabil 

Was das Rohmilchangebot betrifft, so lag die kumulierte Anlieferung in der EU von Januar bis Mai 2019 um 0,3% über der Vorjahreslinie. Im Mai wurde allerdings im Vergleich mit dem Vorjahreswert ein leichtes Minus von 0,1% gemeldet, wobei die Entwicklung in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich verlief: Die irischen Farmer steigerten die Menge um fast 11%, während es in den Niederlanden zu einem Rückgang der Erzeugung um 2,5% kam. 

In den global wichtigen Milchexportländern war die Anlieferung im Mai 2019 rückläufig. Dies gilt insbesondere für Australien und Uruguay, aber auch für die USA, während in Neuseeland das Angebot relativ stabil blieb. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres lag das Rohmilchaufkommen in den wichtigsten Exportnationen in Summe leicht (-0,4%) unter dem Vorjahreswert. Insgesamt dominieren derzeit also eher jene Signale, die auf Stabilität auf den internationalen Milchmärkten hinweisen. Sondereinflüsse wie der Brexit sorgen allerdings für eine gewisse Verunsicherung.

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