10.04.2018 06:35
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
EU-Milchpreise sinken deutlich
Mehrere Molkereien in der Europäischen Union haben im Februar 2018 ihre Auszahlungsleistungen deutlich verringert und für März und April weitere Kürzungen des Milchgeldes angekündigt. Die Auszahlungspreise von EU-Molkereien sinken im Februar im Schnitt um mehr als 1 Cent auf 34,39 Cent (40.5 Rp.) je Kilogramm

Dies geht aus dem aktuellen Milchpreisvergleich des niederländischen Bauernverbandes (LTO) für 17 Molkereiunternehmen in Nord- und Mitteleuropa hervor.

Auf Niveau von 2017

Demnach wurden im Februar für eine Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4 % Eiweiss durchschnittlich 34,39 Cent/kg (40.5 Rp.) gezahlt, das waren 1,07 Cent/kg oder 3,0% weniger als im Vormonat. Damit hat sich das Preisniveau der Vorjahreslinie stark angenähert. Die Produzenten bekamen ihre Rohmilch im Vergleich zum Februar 2017 noch um 0,82 Cent/kg besser vergütet. Lediglich eine der insgesamt 17 betrachteten Molkereien hat laut LTO die Auszahlungsleistung im Februar gegenüber dem Vormonat angehoben. 

Bei der irischen Glanbia stieg das Milchgeld aufgrund eines Saisonzuschlags um 1,29 Cent auf 37,31 Cent/kg (43.95 Rp.). Bei fünf Unternehmen bekamen die Lieferanten ihren Rohstoff im Vergleich zum Januar unverändert vergütet. Dazu zählten neben der deutschen Hochwald, der finnischen Valio und der italienischen Granarolo auch die französischen Molkereien Savenvia und Lactalis. Zudem senkten Danone und Sodiaal sowie die belgischen Milcobel ihren Milchankaufspreis nur unterdurchschnittlich. 

Ganz anders sah das beim Deutschen Milchkontor (DMK) mit einem Minus von 4,0 Cent auf 30,79 Cent/kg (36.27 Rp.) und bei der Müllermilch mit einem Abschlag von 3,50 Cent auf 31,13 Cent/kg (36.67 Rp.) aus. Damit fielen die deutschen Unternehmen wieder auf die hinteren Plätze im EU-Ranking zurück. Preiseinbussen mussten im Februar auch die Lieferanten von Arla und FrieslandCampina hinnehmen. Bei der dänischen Molkereigenossenschaft sank der Milchpreis um 2,0 Cent auf 33,15 Cent/kg (39.05 Rp.), beim niederländischen Wettbewerber um 1,7 Cent auf 35,09 Cent/kg (41.33 Rp.).

Weitere Kürzungen des Milchgeldes angekündigt

Verschiedene Molkereikonzerne haben laut LTO angekündigt, weniger Geld für die Anlieferungsmilch im März und April zu zahlen. So müssen sich die Lieferanten von Arla auf einen Abschlag von 2,5 Cent/kg (2.94 Rp.) für die Märzmilch einstellen. Im April soll die Vergütung um weitere 0,2 Cent/kg sinken. Bei FrieslandCampina wurde für März eine Milchpreissenkung von 0,2 Cent/kg verkündet, dem ein Abschlag von 1,0 Cent/kg (1.18 Rp.) im April folgen soll. 

Wird die Auszahlungsleistung der Molkereien im Vergleich zum Vorjahr betrachtet, dann ergeben sich im LTO-Vergleich grosse Unterschiede. Im Mittel aller Unternehmen lag das Milchgeld noch um 2,4 % über dem Niveau von Februar 2017. Den Kalkulationen des niederländischen Bauernverbandes zufolge zahlten elf Molkereien einen höheren Preis als im Vorjahresmonat. An der Spitze rangierte dabei die Hochwald Milch mit einem Zuschlag von 15,6%. Auch bei den französischen und niederländischen Milchverarbeitern war das Auszahlungsniveau noch höher als zwölf Monate zuvor. Bei der DMK und der Arla bekamen die Lieferanten dagegen laut LTO 3,4 % beziehungsweise 3,9 % weniger Geld für ihre Milch als im Februar 2017. Schlusslicht in diesem Ranking war die belgische Milcobel mit einem Minus von 12,3 %.

Vorerst mehr Milch in der EU

Gründe für die seit November 2017 nachgebenden Milchpreise sind die fallenden Produktpreise und höhere Rohmilchanlieferungen in der EU sowie in anderen Regionen der Welt. Nach Angaben der Brüsseler Kommission übertraf der Milcheingang bei den EU-Molkereien im Januar 2018 das vergleichbare Vorjahresniveau um 500'000 t oder 4%. Beim jüngsten Treffen der Milchmarktbeobachtungsstelle Ende März gingen die Experten davon aus, dass der Vorsprung gegenüber der Vorjahreslinie im Jahresverlauf zwar abnehmen wird, aber wohl erst im vierten Quartal 2018 gleichviel oder weniger Milch verarbeitet werden dürfte als im Vorjahr. 

Insgesamt erwarten die Analysten für 2018 einen Anstieg des EU-Milchaufkommens um 1,4% gegenüber 2017, wobei in Irland, Bulgarien und Polen die expansivsten Tendenzen der Milcherzeugung erfolgen sollen. Ein Teil des zusätzlichen Rohstoffs wird laut Prognose in die Erzeugung von Butter und Magermilch fliessen, deren Produktion gegenüber 2017 um jeweils mehr als 2% zunehmen dürfte. Die Herstellungsmengen von Käse, Vollmilchpulver und Rahm sollen jeweils im Bereich von 2% zulegen, während die Erzeugung von Frischprodukten und Trinkmilch - wie bereits 2017 - rückläufig sein dürfte. Für den Verbrauch von Milchprodukten in der EU erwartet die Kommission für 2018 einen relativ starken Anstieg um 0,9% und rechnet zudem bei den Exporten mit einem Plus von 4% gegenüber dem Vorjahr. 

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