3.10.2015 06:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Euro stärker, doch Abzug bleibt
Am 15. Januar hob die Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf. Der Euro wurde 20 Rp./kg billiger. Sofort wurden Abzüge beim Milchpreis eingeführt. Jetzt ist der Euro wieder stärker. Doch die Abzüge bleiben.

Am 15. Januar 2015 wurde der  Mindestkurs von 1.20 Schweizer Franken pro Euro von der Nationalbank aufgehoben. Danach stürzte der Wechselkurs des Euro zum Schweizer Franken sofort ab. Zeitweise lag der Kurs des Euro sogar unter einem Franken. Das verteuerte die Exporte von Schweizer Produkten schlagartig. Flächendeckend wurden von Milchverwertern zusätzliche Euro-Abzüge oder Rückbehalte  eingeführt.

Abzug wird belassen

Seit Anfang Jahr hat sich nun der Euro wieder etwas erholt. Aktuell liegt der Wechselkurs bei 1.09 Franken zu 1 Euro, womit fast die Hälfte des Wechselkursverlusts vom Januar kompensiert ist. Doch trotzdem hat sich der Milchpreis nicht wesentlich erholt. «Aktuell wird kaum eine Organisation in der Schweiz den Rückbehalt zurückzahlen können, sondern diesen höchstens reduzieren», sagt etwa Carol Aschwanden von den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) dazu.

Denn obschon sich die Euro-Problematik abgeschwächt habe, sei das fehlende Geld für den Rohstoffpreisausgleich übers Schoggigesetz knapper geworden. «Eigentlich müsste der Rückbehalt wegen der Schoggigesetz-Lücke sogar leicht höher angesetzt werden. Wir haben aber entschieden, den Rückbehalt bei 2,8 Rappen zu belassen, und hoffen, dass sich der Euro weiter erholt», so Aschwanden.

Argumente gehen aus

Nicht anders tönt es bei Emmi. «Der Abzug für Frankenstärke wird jedoch der leicht verbesserten Wechselkurssituation angepasst. Leider hat sich in den letzten Monaten aber die Lücke beim Schoggigesetz vergrössert, sodass dieser Abzug erhöht werden muss. In der Summe gleichen sich diese beiden Veränderungen aus», erklärt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker.

Und auch bei Hochdorf Nutritec will man nichts von einer Nachzahlung oder einem tieferen Abzug wissen. «Die Hochdorf-Gruppe hat im Januar keinen direkten Rückbehalt wegen der Frankenstärke gemacht. Entsprechend können wir das auch nicht rückgängig machen», sagt Sprecher Christoph Hug. Einzig Cremo hat für August eine Nachzahlung von 1,5 Rappen pro Kilo getätigt. Doch Branchenkenner vermuten, dass hier wohl vor allem die rebellierenden Bauern von Swiss Agri Militant (SAM) die tiefere Ursache gewesen sind.

Langsam, aber sicher dürften den Molkereien die Argumente ausgehen, die Euro-Abzüge beizubehalten. Denn laut der Website der Oberzolldirektion erhöht der Bund rückwirkend auf 1. Oktober den Erstattungsansatz fürs Schoggigesetz von 65 auf 85 Prozent.

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