8.04.2020 15:37
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: Milchproduktion drosseln
Unter dem Druck der Corona-Krise sucht die französische Milchwirtschaft nach Lösungen, um die Produktionsmenge an die geänderten Verhältnisse anzupassen.

Der Branchenverband (CNIEL) hat in der vergangenen Woche einen mit 10 Mio. Euro ausgestatteten Solidaritätsfonds vorgeschlagen, der Landwirte entschädigen soll, die ihre Erzeugung drosseln.

2% bis 5% verringern

Die Milchbauern seien aufgerufen, ihre Liefermenge im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 2% bis 5% zu verringern, sagte CNIEL-Präsident Thierry Roquefeuil der Nachrichtenagentur AFP. Der gesamte Sektor werde Verantwortung übernehmen, aber jeder Akteur müsse auf seiner Ebene einen Beitrag leisten. Laut CNIEL könnten mit der gemeinsamen Anstrengung die Milchanlieferungen im April um etwa 30 Mio. Kilo sinken.

Der Verband hat zudem die Europäische Union aufgefordert, Beihilfen für die private Lagerhaltung von Milchprodukten freizugeben. Auch der Milcherzeugerverband (FNPL) sieht die Notwendigkeit, die Produktion an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Die Bemühungen müssten vom gesamten Sektor getragen werden.

Milchbauern nicht doppelt bestrafen

Der Verband arbeitet eigenen Angaben zufolge an einem System, dass Einkommensverluste für die Landwirte vermeiden soll. Der Erfolg werde aber auch von den nachgelagerten Akteuren abhängen, die die Erfassung und Verarbeitung der Milch aufrechterhalten müssten. Auf jeden Fall verhindert werden muss dem FNPL zufolge eine doppelte Bestrafung der Milchbauern durch eine Verringerung der Milchmenge bei zugleich sinkenden Erzeugerpreisen. Das sei „inakzeptabel“, betonte der Verband.

Die Situation in der Branche ist derzeit angespannt. Durch die Corona-Pandemie ist der Absatz in der Außer-Haus-Verpflegung weggefallen. Zugleich sind Verarbeitungskanäle wie die Herstellung von Milchpulver bereits ausgelastet, und der Export stockt. Stark verändert hat sich zudem das Einkaufsverhalten der Konsumenten.

Futtermittelhersteller entlasten

Die Notwendigkeit zur Verringerung der Milchmenge sieht auch das Institut für Tierzucht (Idele). Die Wissenschaftler empfehlen, die Erzeugung über die Fütterung zu regulieren und den Anteil an energiereichem Futter zurückzufahren. Diese Massnahme sei leicht umkehrbar und ermögliche somit eine schnelle Rückkehr zur normalen Produktion. Die schwächere Nachfrage nach Kraftfutter würde zudem den logistischen Druck auf die Futtermittelhersteller abschwächen.

Die Experten des Idele rechnen damit, dass der Preis für Magermilchpulver sinken und innerhalb eines Monats möglicherweise unter das Interventionsniveau fallen wird.

Milchmärkte steuern

Der kleinere Landwirtschaftsverband Coordination Rurale (CR) erneuerte derweil seine Forderung nach einem zentralen Instrument zur Steuerung der Milchmärkte. Derzeit reagiere jedes Unternehmen nach eigenem Ermessen. Zugleich gebe es leere Regale in den Supermärkten.

Dem CR zufolge muss der drohenden Milchkrise auf europäischer Ebene begegnet werden, weshalb er die Forderung des European Milk Boards (EMB) nach einem Kriseninstrument für die EU-Milchpolitik unterstützt.

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