24.07.2017 14:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Fair Milk»: Bekenntnis oder PR-Gag?
Aldi wird bereits in dieser Woche eine «Fair Milk» ins Sortiment aufnehmen. Den Bauern wird ein Milchpreis von 70 Rp./kg garantiert. Die Lancierung der Milch wurde kontrovers diskutiert. Was halten Sie von dieser Milch? Endlich passiert etwas oder PR-Gag? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Die Produzentenpreise für Molkereimilch sind miserabel. Die Bauern können mit dem Milchgeld kaum die Kosten decken. Trotz geringerer Einlieferungen im Inland und steigenden Milchpreisen im Ausland erhalten die Produzenten für ihr Produkt keinen besseren Preis.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) konnte sich im Mai nicht auf eine Erhöhung des Richtpreises für industrielle Molkereimilch im A-Segment (geschützter Inlandmarkt) einigen. In der Folge schoben sich die verschiedenen Akteure gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Die Beschuldigungen und Indiskretionen gipfelten mit dem Austritt der Migros und ihrer Tochter ELSA aus der BOM.

In der Folge gab Detailhändlerin Coop ein Bekenntnis zu einem «fairen Milchpreis» ab. «Coop bezahlt ihren Milchbauern ab 1. Juli 2017 3 Rappen mehr», schrieb Coop in einer Mitteilung im Nachgang an den Entscheid der BOM, den Richtpreis für A-Milch nicht zu erhöhen. Von der verarbeitenden Industrie erwartet Coop, dass diese den Mehrbetrag vollumfänglich an die Bauern weitergibt. Damit ist insbesondere Emmi in der Pflicht. Bereits im Februar 2017 liess Coop verlauten, höhere Produzentenpreise mitzutragen. Im Mai blieb der Coop-Vertreter der BOM-Sitzung fern.

BTS und Raus

Am vergangenen Mittwoch nun gab Aldi Suisse bekannt, eine «Faire Milch» ins Sortiment aufzunehmen. Der Discounter garantiert eine Auszahlung von 70 Rp./kg Milch ohne Abzüge. Die Bauern müssen aber bei den Tierwohlprogrammen «Für besonders tierfreundliche Stallhaltung» (BTS) und «Regelmässigen Auslauf im Freien «(Raus) mitmachen.

Dieser Wert liegt rund 7 Rappen über dem festgelegten Richtpreis für das A-Segment der Branchenorganisation Milch (BOM)», heisst es in einer Mitteilung. Aldi weist also nicht etwa den bei der BOM üblichen Franko-Rampe-Preis aus, sondern den Preis ab Hof. Von daher kommt auch die Aussage, dass die 70 Rp./kg 7 Rp. über dem BOM-Richtpreis von 65 Rp./kg liegen, weil bei Letzterem etwa 2-3 Rp/kg für Transport und Logistik verloren gehen. Liefern wird die Milch die Freiburger Cremo.

Ergänzung des Sortiment

Ab kommenden Donnerstag gibt es die Milch beim Discounter für 1.49 Franken pro Liter zu kaufen. Normale Aldi-Trinkmilch kostet 1.15 Franken pro Liter. Ins Sortiment kommt nur eine Trinkmilch, weitere Artikel sind derzeit nicht geplant. «Die «Fair Milk» ergänzt unser Milch-Sortiment», sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli gegenüber schweizerbauer.ch.

«Die Fair Milk soll nicht nur eine kurzfristige Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen auf dem Schweizer Milchmarkt sein, sondern ein langfristiges Engagement für die Schweizer Milchbauern und ihre Tiere darstellen», betont Aldi. Zu den Mengen schweigt sich Aldi aus.

«Fair Milk» kontrovers diskutiert

Auf schweizerbauer.ch wurde kritisiert, dass es bei der Lancierung vor allem auf einen PR-Gag oder Effekthascherei seitens Aldi handle. «Fakt ist, dass Aldi mit zu den Antreibern der negativen Preisspirale in der EU gehört. UHT-Milch für 57 Cent Ladenpreis habe ich selber im Aldi-Laden gesehen», schreibt Vrenelisgärtli. Man müsse sich fragen, was hinter dieser Aktion stecke.

«Massgebend wird sein, wie gross die Marge dabei ist. Gegen einen Aufschlag beim Ladenpreis ist nichts einzuwenden, wenn er vollumfänglich dem Produzenten zugutekommt», hält Vrenelisgärtli fest.

«Aldi bezahlt auch beim Gemüse am meisten! Aber wenn ihr keinen höheren Milchpreis wollt, dann lasst es sein», schreibt User Ingo. «Die ganze bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland hat Aldi dahingerafft! Ihre Eigentümer sind mehrfache Milliardäre und die Bauern sind verarmt. Und jetzt wollen sie sich als Retter der Schweizer Milchwirtschaft aufspielen», kommentiert ein anderer User.

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