25.07.2017 15:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
«Fair Milk» täuscht Konsumenten»
Ab Donnerstag wird Aldi eine «Faire Milch» in ihren Regalen zum Verkauf anbieten. Der Discounter garantiert den Bauern einen Milchpreis von 70 Rappen je Kilo. BIG-M begrüsst, dass für Milch ein höherer Preis verlangt wird. Die Bezeichnung «Fair Milk» weist BIG-M als Täuschung zurück.

Am vergangenen Mittwoch gab Aldi Suisse bekannt, eine «Faire Milch» ins Sortiment aufzunehmen. Der Discounter garantiert dem Produzenten eine Auszahlung von 70 Rp./kg Milch ohne Abzüge. Die Bauern müssen aber bei den Tierwohlprogrammen «Für besonders tierfreundliche Stallhaltung» (BTS) und «Regelmässigen Auslauf im Freien» (Raus) mitmachen.

Ergänzung des Sortiments

«Die 70 Rp/kg liegen rund 7 Rappen über dem festgelegten Richtpreis für das A-Segment der Branchenorganisation Milch (BOM)», heisst es in einer Mitteilung. Aldi weist also nicht etwa den bei der BOM üblichen Franko-Rampe-Preis aus, sondern den Preis ab Hof. Liefern wird die Milch die Freiburger Cremo.

Ab kommenden Donnerstag gibt es die Milch beim Discounter für 1.49 Franken pro Liter zu kaufen. Normale Aldi-Trinkmilch kostet 1.15 Franken pro Liter. Ins Sortiment kommt nur eine Trinkmilch, weitere Artikel sind derzeit nicht geplant. «Die «Fair Milk» ergänzt unser Milch-Sortiment», sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli gegenüber schweizerbauer.ch.

Grundkosten bei weitem nicht gedeckt

Die Organisation BIG-M begrüsst den Schritt von Aldi, Milch nicht mehr als Ramschware zu verkaufen. «Dies ist ein längst überfälliger Schritt in Richtung nachhaltige Milchwirtschaft. Es ist zu hoffen, dass sich weitere Handelsketten in diese Richtung bewegen», heisst es im Communiqué.

Die Organisation kritisiert, dass bei der Ausarbeitung Projekt keine Bauern mit von der Partie waren. Die Bezeichnung «Fair Milk» sei zudem eine Täuschung. Dies deshalb, weil nur der Discounter definiere, was fair sein soll. «Die Grundkosten der Milchproduktion werden durch 70 Rappen Milchpreis bei weitem nicht gedeckt», hält BIG-M fest. Die 7 Rappen Mehrpreis würden «bestenfalls» die bei den in diesem Projekt geforderten höheren Anforderungen an tierfreundliche Laufstallhaltung, einen grossen Anteil Grasfütterung und Weidegang decken.

Ignoriert unhaltbare Einkommenslage

Gemäss BIG-M entfallen im Talgebiet auf ein Kilo Milch 65 Rappen Fremdkosten, ohne Entlöhnung der eigenen Arbeit. Trotz Direktzahlungen sei unmöglich, die Kosten zu decken. Deshalb fordert BIG-M den Discounter auf, die Konsumenten mit der «Fair Milk» nicht zu täuschen. «Die Marke Fair Milk ist in diesem Fall unangebracht, denn mit 70 Rappen für eine Produktion, bei der auch noch zusätzliche Anforderungen zum Tierwohl erfüllt sein müssen, kann kein Bauer auf Dauer überleben», macht die Organisation deutlich.

Da die verkauften Mengen an «Fair Milk» klein ausfallen dürften, befürchtet BIG-M, dass der «miserable» Grundpreis der Cremo-Lieferanten nur geringfügig verbessert wird. Cremo kam bei einem Milchpreis-Ranking des Schweizer Bauernverbandes (SBV) unter Druck. Bei der Schätzung belegte Cremo mit 50 Rp./kg den letzten Platz der vier grossen Schweizer Milchverarbeiter. «Die neue «Fair Milk» von Aldi ignoriert die seit Monaten völlig unhaltbare Einkommenslage der Milchviehbetriebe», hält BIG-M in ihrem Communiqué denn auch fest.  

BIG-M will eigene faire Milch lancieren

Inhaltlich sei es zwar zu begrüssen, dass sich nach Coop nun auch Aldi zu einem etwas höheren Milchpreis bekenne. «Nur leider sind 70 Rp./kg noch immer kein kostendeckender Milchpreis. Dieser liegt bei 80 Rp./kg, wie aktuelle Berechnungen auch von offizieller Seite zeigen», sagte BIG-M-Präsident Martin Haab gegenüber schweizerbauer.ch. BIG-M sei selber ebenfalls daran, auf regionaler Ebene eine «Faire Milch» zu lancieren.

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