22.05.2016 07:30
Quelle: schweizerbauer.ch - rab
Milchpreis
Fast alle schreiben rote Zahlen
Wer die Produktionskosten gedeckt haben und sich einen Stundenlohn von 28Fr. zugestehen will, ist als Milchbauer gefordert. Eine Analyse von 152 Betrieben zeigt, dass dies bei 55 Rp./kg Milch nur etwa 5Prozent erreichen.

Der Schweizer Bauernverband, die Schweizer Milchproduzenten und die Branchenorganisation Milch organisieren gemeinsam den Milchgipfel. Relevante Marktakteure werden am nächsten Freitag in Bern Massnahmen zur Verbesserung des Schweizer Milchmarkts diskutieren und Rahmenbedingungen festlegen, um Wege aus der Milchkrise zu finden.

Kostendeckende Produktion unmöglich

Dass der Markt  für Molkereimilch seit mehr als einem Jahr sehr schwierig ist und  die gesunkenen Preise viele Betriebe in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedrohen, ist nichts Neues. «Eine kostendeckende Molkereimilchproduktion ist auf praktisch keinem Schweizer Betrieb mehr möglich», schreiben  die Organisatoren des Milchgipfels.

Diese Einschätzung untermauert ein Blick in Buchhaltungszahlen. Eine Auswertung durch Markus Höltschi und Thomas Haas vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain LU gibt Aufschluss über sehr grosse Unterschiede  bei den Produktionskosten und den wirtschaftlichen Ergebnissen.

 Die Analyse von 152 Vollkostenrechnungen von Talbetrieben mit durchschnittlich 29 ha Nutzfläche und  36 Kühen ergab, dass in den Jahren 2012 bis 2014  noch ein Viertel der Betriebe einen  Arbeitsverdienst von mindestens 28 Fr./h erreicht hatte. Dies aber bei einem durchschnittlichen Milchpreis von 64 Rappen. Während die Preise inzwischen weiter gesunken sind, tut sich auf der Kostenseite kaum etwas.

Produktionskosten von 98 Rp./kg

Konkret wiesen die 152 Talbetriebe von 2012 bis 2014 im Schnitt Produktionskosten von 98 Rappen pro Kilo Milch aus.  Höltschi und Haas gehen davon aus, dass im Talgebiet von den Direktzahlungen 21 Rappen der Milchproduktion gutgeschrieben werden können. Aus diesen Zahlen folgt, dass der Milchpreis  für den Durchschnitt der 152 Betriebe bei 77 Rappen je Kilo liegen müsste, damit diese auf einen Stundenlohn von 28 Franken kämen.

Mit jedem weiteren Rappen Preisabschlag ist in der Zwischenzeit   der damalige Anteil rentabler Milchviehbetriebe von einem Viertel weiter gesunken.

Für die 152 analysierten Talbetriebe bedeutet dies laut den Verfassern der Studie, dass zwischenzeitlich bei einem Milchpreis von 55 Rp./kg  nur noch rund 5 Prozent dieser Betriebe in der Gewinnzone produzieren können.

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