11.12.2013 08:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Für das nächste Tief bereit stehen»
Der Marktkampf steht bei der Bäuerlichen Interessengemeinschaft für Preis- und Marktkampf (BIG-M) zwar momentan nicht im Vordergrund. Doch trotz einem Anstieg seien die Schweizer Preise im Vergleich zum Ausland zu tief.

«Wohl für jeden im Saal ist der Milchpreis in den letzten anderthalb Jahren um 10 Rp./kg gestiegen», sagte Martin Haab zu den rund achtzig BIG-M-Mitgliedern, die sich vergangene Woche im BBZN Hohenrain LU versammelt hatten. So war denn die Stimmung auch spürbar besser als vor einem Jahr an gleicher Stätte.

«Marktmacht bleibt»

Für viele sei dies ein Silberstreifen am Horizont nach langer Durststrecke. Aber wer in die Zukunft schaue, sehe auch dunkle Wolken aufziehen. In der EU werde 2015, wenn die Quoten aufgehoben würden, wohl das Gleiche passieren wie in der Schweiz nach der Aufhebung der Kontingentierung. «Das wird uns unweigerlich auch treffen», betonte Haab. Er und BIG-M-Sekretär Werner Locher hätten auch letztes Jahr in den Nachbarländern in zahlreichen Vorträgen aufgezeigt, was «in der Schweiz seit 2006 abgegangen ist».

Hinzu kommt laut Haab die Agrarpolitik 2014—2017, welche die produzierende Landwirtschaft schwäche. «Viele merken erst jetzt, dass auch sie nicht zu den Gewinnern zählen.» Und in der Branchenorganisation Milch (BOM) spielten die Verarbeiter und der Detailhandel nach wie vor ihre Marktmacht aus – zuletzt, als sie eine Richtpreiserhöhung um 3 Rp./kg per 1. Januar verhindert hätten. Locher erklärte: «In Deutschland wurde kürzlich die 40-Euro-Cent-Grenze geknackt. Als der Preis in Deutschland letztmals dort stand, hatten wir in der Schweiz 76 bis 80 Rappen.» Vor diesem Hintergrund seien die Schweizer Preise nach wie vor eindeutig zu tief.

«Viele wollen aufhören»

Und im letzten BIG-M-Newsletter stand: «Jeden Tag schliessen mehr als drei Bauernhöfe die Stalltüren für immer, und seit 14 Monaten geht die Zahl der Milchkühe stetig zurück. Und dies trotz der umstrittenen Versuche der Molkereien, die Milchmenge wieder anzukurbeln.» Dass über 80% der Schweizer Milchbauern mit ihrer Einkommen unzufrieden sind und 40% gar ans Aufhören denken, hatte eine repräsentative Umfrage ergeben, die BIG-M  im Mai publiziert hatte. 

Locher umriss die Aufgabe von BIG-M mit folgendem Bild: «Versuchen Sie mal, in einem Raum zu schlafen, in dem es eine Mücke hat.» Aus der Versammlung erhielt der Vorstand viel Lob für sein Engagement, besonders für den BIG-M-Newsletter.

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