18.04.2018 13:18
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Verbände
«Für Landwirtschaft ein Skandal»
An der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) von Mittwoch in Bern warf Präsident Hanspeter Kern einen Blick zurück und in die Zukunft. Für jüngere Milchbauern müssten umgehend bessere Perspektiven geschaffen werden, so Kerns Forderung.

In seiner Eröffnungsrede auf dem Messegelände Bern-Wankdorf ging SMP-Präsident Hanspeter Kern auch auf die Produzentenpreise ein. «Die Richtpreiserhöhung für das letzte Quartal 2017 hat funktioniert: Der Ladenpreis ging rauf und Mehrerlös wurde grossmehrheitlich an die Produzenten weitergegeben», sagte der aus dem Kanton Schaffhausen stammende Milchbauer.

Korrekturen bei der Agrarpolitik unabdingbar

Bei der Butter hingegen habe dies nicht geklappt. «Da landete der Mehrerlös nicht bei den Bauern, sondern bei vielen Butterprodukten wurde die Situation gar für eine Margenverbesserung genutzt», kritisiert Kern. Nun ging der Präsident auf die Agrarpolitik über. Bei der Schoggigesetz-Nachfolgelösung, bei den Direktzahlungen und bei den Mitteln für die Milchprüfung habe man im letzten Jahr politische Erfolge erzielt, fuhr er fort.

Unter der Agrarpolitik 2014-17 würden die Milchproduzenten immer noch leiden. «Korrekturen der Agrarpolitik sind unbedingt nötig. In der derzeitigen Situation sehen sehr viele junge Bäuerinnen und Bauern in der Milchproduktion keine Perspektive mehr. Das ist für den wirtschaftlich bedeutendsten Sektor der Landwirtschaft ein Skandal», so die deutlichen Worte von Kern.

Deshalb fordern die SMP eine bessere Abgeltung der Arbeitsleistung, ein zweistufiges Raus-Programm (mit zusätzlicher Abgeltung für Kühe auf der Weide) sowie eine Anpassung beim GMF-Programm (Mais nicht beteiligen). «Früher oder später wird es eine neue Agrarpolitik in Kraft treten. Dann darf die Milchproduktion nicht wieder die Kosten tragen», macht Kern klar. Weiter erwarten die Milchproduzenten vom Bund, dass die neue Zulage für Verkehrsmilch, welche per 1. Januar 2019 kommen wird, auf 5 Rappen je Kilogramm festgelegt wird. Dabei zählen die SMP auf die Unterstützung vom Schweizer Bauernverband.

Kerns Vision

Der SMP-Präsident warf auch einen Blick in die Zukunft. Die Differenzierung gegenüber dem Ausland werde das dominierende Thema sein. Das entsprechende neue Marketing mit den TV-Spots und Plakaten seien angelaufen. «Die Rückmeldungen sind positiv», so Kern.

Kerns Vision ist ein Nachhaltigkeitsstandard, den die Milchproduzenten selbst festlegen und in der Branche festigen. «Der Wildwuchs in den vertikalen Anforderungen bringt der Gesamtheit der Milchproduktion nichts ausser eine zunehmende Abhängigkeit einzelner Produzenten von «ihren» Milchkäufern», warnt er. Erfreut zeigt er sich über die Angebotsbündelungen wie beispielsweise zwischen Prolait und Mooh, Biomilchpool-Emmi bzw. Biomilchpool-mooh. «Solche Bewegungen müssten von unten kommen, können nicht von oben angeordnet werden», betont Kern.

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