30.05.2013 12:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
SMP-Präsidium
Hanspeter Kern ist neuer Präsident der Schweizer Milchproduzenten
Die Delegierten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben den Schaffhauser Hanspeter Kern zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Die Delegierten zogen ihm dem Freiburger Fritz Glauser vor. schweizerbauer.ch berichtet live von der DV.

Die Ausgangslage für die heutige Wahl des SMP ist klar: Am 31. Januar dieses Jahres gaben SMP-Präsident Peter Gfeller und SMP-Direktor Albert Rösti gemeinsam ihren Rücktritt bekannt. Sie kritisierten die bisherige Praxis im SMP-Vorstand, dass die meisten Vorstandsmitglieder zu viele Hüte auf hätten, sprich, dass siue gleichzeitig Mandate in Milchverbänden, Molkereien, Milchhandelsorganisationen inne hielten. Durch die sich daraus ergebenden Zielkonflikte sei die Interessenvertretung der Produzenten im SMP-Vorstand nicht immer gewährleistet.

Die von Gfeller und Rösti geforderte Trennung der Interessenvertretungen wurde bisher nur schwach diskutiert und noch weniger umgesetzt. Nicht nur von ihrer Seite her gab es allerdings Kritik an den verkrusteten Strukturen. Auch beispielsweise die Thurgauer Milchproduzenten (TMP) forderten zunächst eine Auslegeordnung über die Aufgaben des SMP, bevor zur Wahl des neuen Präsidenten geschritten werde. Sogar eine externe Beratung wurde von den TMP gefordert.

Nichtdestotrotz wird heute ein neuer Präsident gewählt. Offizielle Kandidaten sind der Freiburger Fritz Glauser und der Schaffhauser Hanspeter Kern. Gemäss Statuten ist es allerdings möglich, dass heute an der DV selber noch weitere Kandidaten vorgeschlagen werden.

09.05 Uhr

Die heutige DV ist in einem grösseren Saal, als üblich. Offenbar wird ein Grossaufmarsch an Delegierten erwartet. Doch der Saal ist noch weitgehend leer. Die Lobag hält noch eine Vorsitzung ab und will sich danach für einen Kandidaten entscheiden.

09.10 Uhr

Schon da sind der abtretende Präsident Peter Gfeller und der ebenfalls im Sommer zurück tretende Direktor Albert Rösti.

09.25 Uhr

Jetzt treffen immer mehr Delegierte ein. Andreas Hitz, Präsident der Mimo, will sich nicht über die Parole der Emmi-Direktlieferanten äussern. Die Haltung sei nicht einheitlich, lässt er sich dann doch entlocken.

09.44 Uhr

Bald geht die DV los. Offenbar haben diverse grosse POs wie namentlich die ZMP und die Lobag Stimmfreigabe beschlossen.

09.45 Uhr

Die Delegierten am Nachbartisch beklagen sich, dass es überhaupt keine Milchgetränke gebe. Nicht einmal Milchkaffe könne man bestellen.

09.52 Uhr

Die Delegiertenversammlung hätte um 09.45 Uhr starten sollen. Doch noch immer sind nicht alle Delegierten im Saal.

09.55 Uhr

SMP-Präsident Peter Gfeller eröffnet seine letzte DV.

Hier ein Auszug aus seinen Begrüssungsworten: "Wir stehen alle am Anfang einer neuen Epoche der Schweizer Milchwirtschaft. Eines bleibt jedoch konstant: Die ungenügende Wirtschaftlichkeit auf einer Vielzahl von Milchproduktionsbetrieben. Für diese Herausforderung braucht es  im neuen Umfeld neue Ansätze für die wirksame Interessenvertretung von uns Milchbauern. Deshalb ist auch der richtige Zeitpunkt, dass Sie, geschätzte Delegierte und Vorstandsmitglieder, heute mit der Wahl Ihres neuen SMP-Präsidenten Ihre Verantwortung wahrnehmen. Sie dürfen heute entscheiden, welcher Persönlichkeit Sie das Vertrauen schenken, die bestmögliche Strategie für die Interessenvertretung von uns Milchbauern zu finden und umzusetzen."

10.01 Uhr

Gfeller blickt in der für ihn gewohnten scharfen, aber fundierten Analyse auf die 9 Jahre seiner Amtsszeit als SMP-Präsident zurück.

Hier ein Auszug: "Wenn unter diesen Preis- und Einkommensvoraussetzung die Milchproduktion nur noch am Leben erhalten werden kann, wenn die Betriebsleiterfamilie von aussen Geld hineinpumpt und mit Nebenerwerb den Lebensunterhalt finanziert, dann ist irgend wann die Grenze des Erträglichen überschritten."

10.12 Uhr

Gfeller macht eine weitreichende Analyse über die Fehler, welche von Politik, Milchwirtschaft, Milchverbänden aber auch vom SMP selber begangen wurde. Vor allem kritisierte er auch die politischen Rahmenbedingungen. "Aufgrund der Übungsanlage durch die Ausstiegsverordnungg sassen mit den PO und PMO strategisch udn kommerziell zwei völlig unterschiedliche Konzepte am SMP-Vorstandstisch. Ich bin überzeugt, dass genau hier des Pudels Kern liegt, warum sich der SMP-Vorstand seit viel zu langer Zeit mit sich selber beschäftigt, und - was die Einflussnahme am Markt anbelangt - in die Bedeutungslosigkeit gedrängt werden konnte."

10.18 Uhr

Gfellers Rede ist zu Ende. Der Applaus der Delegierten ist höflich, aber nicht allzu lange.

10.27 Uhr

Die Stimmenzähler werden gewählt. 173 Delegierte sind anwesen. Das ergibt ein einfaches Mehr von 87 Stimmen und 116 für ein Zweidrittel-Mehr.

10.31 Uhr

Jetzt spricht SMP-Direktor Albert Rösti, der ebenfalls im Sommer abtritt. Rösti verspricht, sich auch nach seinem Rücktritt als SMP-Direktor namentlich als Nationalrat weiterhin für die Landwirtschaft im Allgemeinen und die Milchproduzenten im Speziellen einsetzen werde.

Rösti kritisiert die Agrarpolitik 2014-2017 (AP 2017) recht scharf. Es sei deutlich geworden, dass die Agrarpolitik längst nicht mehr in erster Linie ein landwirtschaftliches Geschäft sei. Zwar sei es gelungen, die Zulagen für verkäste Milch zu sichern. In wichtigen Punkten hätten aber die notwendigenn Mehrheiten nicht gefunden werden könne. "Aus Sicht der Milchproduzenten sind dies insbesondere die fehlende Abstufung der Versorgungssicherheitsbeiträge für das Grünland nach Tierbesatz, die Vorgaben für die Milchkaufverträge und die gesetzlichen Grundlagen für die Erteilung der Allgemeinverbindlichkeit von Massnahmen im Bereich von Angebot und Nachfrage", so Rösti wörtlich.

10.43 Uhr

Die Berichterstattung über das Milchmarketing ist zwar interaktiv und durchaus unterhaltsam. Doch die Spannung liegt in der Luft. Man merkt. Die Delegierten sind unruhig und möchen zur Wahl schreiten.

10.48 Uhr

Jetzt spricht Rösti vom Milchmarkt. Sofort steigt die Aufmerksamkeit der Delegierten wieder. "Die SMP darf sich nicht abkoppeln von klaren Forderungen im Marktbereich", fordert er. Er sei nicht sicher, ob die Zahlungsbereitschaft für die anderen Aktivitäten noch vorhanden wäre, wenn sich die SMP sich hier völlig zurück ziehen würden. Druck zu machen, wenn die Milchproduzenten vierlieren würden, das sei Sache der Schweizer Milchproduzenten.

Trotz Aufschwung am weltweiten Milchmarkt dauere es lange, bis die Schweizer Milchbauern von steigenden Preisen profitieren könnten. "Der Markt verlangt täglicches und intensives Engagement, damit die Milchproduzenten ihren Anteil erhalten. Freiwillig gibt es nichts", sagt Rösti.

Rösti ruft dazu auf, nach dem Wechsel von Präsident und Direktor nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden dürfe. "Denn das trotz massivem Marktaufschwung bis jetzt nicht mehr bei den Milchproduzenten angekommen ist, zeigt, dass ihre Vertreter auf dem Markt nicht mit ausreichender Stärke zu agieren vermögen", so Rösti. Eine starke Interessenvertretung durch die SMP sei deshalb nötiger denn je.

10.55 Uhr

Rösti dankt dem Vorstand und im Speziellen dem Präsidenten für die Zusammenarbeit. Und er vergisst auch seine Mitarbeiter nicht. Als er seine Direktionssekretärin Beatrix Besio lobend erwähnt, gerät seine Stimme leicht ins Stocken. "Tragt Sorge um eure Mitarbeitenden", schliesst er sein Referat. Rösti ist sichtlich gerührt in dem Moment.

10.58 Uhr

Peter Gfeller verdankt die Verdienste des abtretenden Direktors Albert Rösti. Mit seiner Wahl in den Nationalrat hätten die Milchbauern einen verlässlichen Vertreter im Parlament verhalten. Sein Führungsstil sei zielorientiert, kooperativ und geprägt von einer ausgeprägten Sozialkompetenz gewesen. Albert habe sich gegenüber den SMP-Gremien immer loyal. "Wir tickten immer gleich, was die milchpolitischen Fragen betrifft", sagt Gfeller. "Aubärt, merci viu ma", schliesst Gfeller seinen Dank.

11.00 Uhr

Noch immer kommt nicht die sehnlichst erwartete Wahl des neuen Präsidenten. Zuerst ist noch die Rechnung dran. Finanzchef Robert Scherz ist am Rednerpult.

11.09 Uhr

Sowohl die Jahresrechnung, die Rechnung des Marketingfonds wie auch des Milchstützungsfonds werden einstimmig genehmigt. Der Geräuschpegel ist wieder eher gestiegen.

11.20 Uhr

Jetzt wird noch über die Jahresbeiträge abgestimmt. Danach sollte es aber mit der Wahl des neuen Präsidenten weiter gehen.

11.29 Uhr

Traktandum 6 ist abgehakt. Nun gehts los mit der Wahl des neuen SMP-Präsidenten.

11.30 Uhr

Gfeller wiederholt, dass Hanspeter Kern von den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost und Fritz Glauser von der Prolait offiziell nominiert worden seien.

Die Kandidaten haben Zeit, sich während je 7 Minuten selber vorzustellen. Darauf folgt ein Unterstützungsvotum und Fragen an die Kandidaten. Die Wahl erfolgt geheim. Zur Wahl ist das absolute Mehr erforderlich. Chef des Wahlbüros ist Finanzchef Robert Scherz.

11.32 Uhr

Hanspeter Kern stellt sich als erster Kandidat vor. Er sei in Buchberg, dem südlichsten und schönsten Dorf des Kantons Schaffhausen aufgewachsen. Er resumiert seinen Werdegang. "Ich möchte auf eine Einigung innerhalb der SMP hinarbeiten", so Kern. Der SMP habe sich mit den Grabenkämpfen der letzten Jahre keinen Gefallen getan. Die Rolle der SMP am Markt müsse verbessert werden. Die SMP kaufe und verkaufe selber keine Milch. Sie müsse aber die Handelsorganisationen mit den notwendigen Informationen versorgen.

Zum Schluss spricht Kern noch französisch. Er habe die Westschweiz vor allem im Militär kennen gelernt.

11.40 Uhr

Jetzt ist Fritz Glauser an der Reihe. Er beginnt auf französisch. Er sei mit der Milchproduktion aufgewachsen. Seine Zweisprachigkeit erstrecke sich nicht nur auf die Sprache. Er kenne auch die Landwirtschaft hüben und drüben. Damit er genügend Zeit für das SMP-Präsidium hätte, würde er sein Amt als Präsident der Schweizer Getreideproduzenten abgeben. Er habe sich in den vergangenen 28 Jahren ein grosses Netzwerk aufbauen können.

Das oberste Ziel namentlich in der ganzen Branche sei nicht aus den Augen zu verlieren: "Alle Branchenpartner müssen ein ausreichendes Einkommen erreichen."

Die Milchproduktion sei der wichtigste Zweig der Schweizer Landwirtschaft. Korrekte Preise seien notwendig. "Wir müssen eine gerechte Anerkennung unserer Arbeit erhalten", schliesst Glauser

11.46 Uhr

Hanspeter Egli, Vizepräsident der VMMO, spricht zur Unterstützung des Kandidaten Hanspeter Kern. Es sei das Verdienst von Hanspeter Kern gewesen, die VMMO zu einer funktionierenden Organisation zu machen. Kern sei entscheidungsfreudig, kommunikativ und ausgleichend.

11.49 Uhr

Das Unterstützungsvotum für Fritz Glauser hält Marc Benoît, Präsident der Prolait. Er beginnt auf deutsch. Leider spreche er nicht so gut deutsch, wie Fritz Glauser. Dieser spreche dazu noch gut englisch, was ihn zum heimlichen Aussenminister des Schweizer Bauernverbandes mache. Als Präsident der Getreideproduzenten wisse er, wie man einen Verband führe.

11.53 Uhr

Das Mikrofon ist offen für Wortmeldungen.

Der Freiburger René Vonlanthen meldet sich zu Wort. Er gibt die Unterstützung der Freiburger für Glauser bekannt. Glauser könne sowohl deutsch wie französisch, was unabdingbar sei, um einen nationalen Verband zu führen.

11.56 Uhr

Gfeller schliesst die Diskussion und eröffnet das Wahlverfahren.

12.00 Uhr

Die Stimmzettel werden eingesammelt. Es gibt eine Pause von 15 Minuten.

12.21 Uhr

Die Sitzung wird wieder aufgenommen. Wer ist wohl gewählt?

12.22 Uhr

Peter Gfeller gibt das Resultat des ersten Wahlgangs bekannt.

Ausgeteilte Stimmzettel: 173

Leer und ungültig: 1

Gültig: 172

Absolutes Mehr: 87

Hanspeter Kern: 95 (Kern ist gewählt)

Fritz Glauser: 77

12.23 Uhr

Hanspeter Kern ist also neuer Präsident der Schweizer Milchproduzenten. Kern hält seine erste Rede als SMP-Präsident. Es brauche in der Milchwirtschaft einen starken SMP. Er werde sich bemühen, das, was er anfasse, mit Vehemenz und Tatkraft zu machen. Er erklärt Annahme der Wahl.

12.37 Uhr

Der nichtgewählte Fritz Glauser gratuliert seinem Kontrahenten Hanspeter Kern und wünscht ihm alles Gute in seinem Amt.

12.38 Uhr

André Aeby, Vizepräsident der SMP, ergreift auch noch das Wort. Er dankt dem ehemaligen Präsidenten Peter Gfeller. Gfeller möge die schönen, braunen Kühe. Viele Milchproduzenten würden seinen Rücktritt bedauern.

12.44 Uhr

Der abtretende Präsident Gfeller spricht zum letzten Mal. Er sei stolz, dass er die Verantwortung habe tragen können. Heute sei er aber auch froh, dass er die Verantwortung auf neue, jüngere Schultern übergeben dürfe. Er dankt allen Mitarbeitern, welche ihre Aufgaben pflichtbewusst erfüllt hätten. Auch die Kadermitarbeiter werden von ihm einzeln verdankt.

12.49 Uhr

Gfeller schliesst seine letzte Delegiertenversammlung. Und auch wir verabschieden uns für den Moment von Ihnen, liebe Leser. Mehr über die SMP-Präsidiumswahlen können Sie in der Samstagsausgabe des Schweizer Bauer vom 1. Juni lesen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE