26.04.2018 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Stefan Kohler
Marktkommentar
Herausforderndes Milch-Frühjahr
Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM), äussert sich in einem Marktkommentar zu aktuellen Situation auf den schweizerischen Milchmarkt.

Seit dem Sommer 2017 bewegen sich die monatlichen Milcheinlieferungen auf sehr hohem Niveau. Zwischen November 2017 und Februar 2018 wurde stets zwischen 4,5% und 6,6% mehr Milch angeliefert, immer im Vergleich gegenüber dem Monat des Vorjahrs. 

Der Grund dafür: Die Kühe bekamen qualitativ besseres Winterfutter vorgesetzt. Dies wirkte sich auch auf die Gehalte aus. Im Februar 2018 war der durchschnittliche Fettgehalt 2,1% höher als im Februar 2017. Das führt zu einer zusätzlichen Menge Milchfett im Umfang von 240 t, was nochmals 50% der Menge ausmacht, welche aufgrund der höheren Milchproduktion anfällt. Die höhere Milchproduktion scheint sich jetzt etwas abzuflachen.

Die grosse Herausforderung für den Milchmarkt war, dass es trotz Mehrproduktion zumindest bis März noch fast keine C-Milch gab. Das System der Segmentierung sieht vor, dass bei saisonal oder temporär auftretenden Überschüssen C-Milch gehandelt wird, damit kein Druck auf die wertschöpfungsstärkeren Bereiche im A- und im B-Segment entsteht. Mit C-Milch haben alle Marktakteure die Garantie, dass diese Milch wirklich nur für Exporte nach Übersee verwendet wird. Die Ankündigung von einzelnen Verarbeitern und ihrer Lieferanten, im April eine grössere Menge C-Milch zu vereinbaren, ist vor diesem Hintergrund verantwortungsvoll. Denn damit werden die von der Branche vereinbarten Instrumente angewendet. 

Wer diesen Entscheid kritisiert, handelt verantwortungslos: Erstens ist die Mehrproduktion wie oben erwähnt durch das gute Futter bedingt und hat nichts mit strukturellen Überschüssen zu tun. Zweitens gilt für die C-Milch das Prinzip der Freiwilligkeit. Nur wer von Freiheiten bezüglich der Milchablieferung profitieren will, darf zu C-Milch in der Milchgeldabrechnung verpflichtet werden. Für alle anderen gilt: Wer nicht überliefert, muss keine C-Milch akzeptieren.

Zürcher Bauernverband gelangt wegen Emmi an Weko

Mitte April gab der Zürcher Bauernverband (ZBV) bekannt, dass er wegen Emmi an die Wettbewerbskommission (Weko) gelangt. Grund: Missbrauch der Marktstellung. Der Milchverarbeiter hingegen sagt, dass die Lieferanten der Lieferung von C-Milch freiwillig zugestimmt haben. Das Problem der Überschüsse sei nicht gelöst, betonte Emmi. 

Emmi fordere für die Monate April bis Juni 2018 von seinen Milchlieferanten einen Anteil C-Milch von 20 Prozent, unabhängig vom System des Erstmilchkäufers, heisst im Schreiben der ZBV an die Weko. «Dies bedeutet, dass jeder, der Emmi beliefern will oder muss, einen Teil seiner Milch zu einem unvorteilhaften C-Milchpreis liefern muss, obwohl er mit seinen Produzenten ein System hat, das eigentlich gar keinen C-Milchanteil zur Folge hätte», hält der Verband in seiner Beanstandung fest. Für die Produzenten habe dieses System mit tieferen Produzentenpreisen direkte Auswirkungen.

Emmi sagte auf Anfrage von schweizerbauer.ch, dass aufgrund der rekordhohen Milcheinlieferungen des ersten Quartals (Januar +6.6% gegenüber Vorjahresmonat und Februar +4.8%) die Butter- und Milchpulverlager rasch angestiegen sind. Deshalb müssten die Überschüsse rasch «entlastet» werden.
Dies sei sämtlichen Marktakteuren bewusst, teilte der grösste Schweizer Milchverarbeiter weiter mit. «Emmi und ihre Lieferanten haben deshalb für April die Lieferung von 20 Prozent C-Milch vereinbart. C-Milch wird nur von denjenigen Milchlieferanten geliefert, die dem freiwillig zugestimmt haben», machte Emmi deutlich. Der Milchverarbeiter beteiligt sich an der Marktabräumung mit 1 Million Franken.

«Der einzig andere Weg wäre eine Limitierung der von Emmi angenommenen Milchmenge. Dies würde aber zu einem Chaos auf dem Schweizer Milchmarkt führen», mahnte Emmi. blu

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