4.04.2016 13:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Italien
I: Milchbauern demonstrieren mit Kühen
Am vergangenen Samstagvormittag haben tausende Milchbauern im norditalienischen Udine gegen sinkende Preise und den Wegfall der EU-Milchquoten protestiert. Die Politik ziele darauf ab, die einheimischen Bauern zu zerstören, betonten die Bauern.

Die Milchbauern in der EU und in der Schweiz leiden unter den tiefen Produzentenpreisen. Viele haben die Produktion bereits aufgegeben. Vergangene Woche haben in Wien österreichische Milchbauern auf die desaströse Lage aufmerksam gemacht. Am vergangenen Samstag taten es ihre italienischen Berufskollegen gleich.

Preis auf 33 Cent gesunken

Mit Kühen und Traktoren versammelten sie sich in Udine. Die Stadt wurde nicht zufällig ausgewählt. Die Grenze zu Österreich liegt nur rund 100 Kilometer entfernt. „Die Grenze ist das Tor für die Einfuhr Hunderter Millionen Kilo ausländischer Milch in Form bereits halbverarbeiteter Milchprodukte. Diese Milch dient unter anderem zur Produktion von Käse, der als italienisches Produkt verkauft wird“, kritisierte Roberto Moncalvo, Chef vom italienischen Landwirtschaftsverbandes Coldiretti, vor der versammelten Menge.

Die Bauern erhalten in Italien gemäss Südtirol Online noch 33 Cent pro Kilo (36 Rp.) Milch. Das entspricht dem Preisniveau aus dem Jahr 2000. Die tiefen Produzentenpreise decken gemäss dem Verband aber nicht einmal die Kosten für die Fütterung.

Von 180‘000 auf 33‘000 Betriebe

Das tiefe Preisniveau hatte dramatische Folgen für die Milchbauern. Seit der Aufhebung der EU-Milchquoten vor einem Jahr haben 1‘500 Bauern die Produktion aufgegeben. Die meisten davon waren in den Berggebieten angesiedelt. Damit ist die Anzahl Milchviehbetriebe mit 33'000 auf ein Rekordtief gesunken. 1984, bei der Einführung des Quotensystems, wurde noch auf 180‘000 Betrieben gemolken.

Der Landwirtschaftsverband hegt einen schweren Verdacht. Moncalvo warnte, dass es eine Strategie sei, mit billigen Importen die einheimischen Milchproduzenten zu zerstören. Konsumenten zahlen trotz  der niedrigen Produzentenpreise im Laden für einen Liter Milch 1,50 Euro (1,65 Fr.). Frische Milch sei in Italien 30 Prozent teurer, doch die Bauern würden davon nicht profitieren, so Moncalvo.

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