31.03.2017 08:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Waadt
«Ich kam an meine Grenzen»
Eine Million Kilo Produktion, ein Top-Viehbestand, und doch gibt François Gonin die Milch auf. Ein harter, aber richtiger Entscheid. Wie beurteilen Sie den Entscheid vom Waadtländer Bauern? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

«Es soll kein trauriger Bericht werden.» Dies die letzten Worte von François Gonin nach dem Besuch des «Schweizer Bauer» auf dessen Betrieb in Grandson VD. Nicht traurig, aber zumindest nachdenklich stimmt die Geschichte allerdings schon. François Gonin ist Milchbauer – oder besser gesagt war es.

Von Arbeitsfalle befreien

Ein begeisterter Holsteinzüchter mit 76 Hektaren bestem Land und einer Jahresproduktion von einer Million Kilogramm Milch. Vor eineinhalb Jahren erst installierte man noch einen Melkroboter. «Die Produktion lief nicht zuletzt dank der Firma Lely einwandfrei, und wir hatten mit Elsa einen Partner, mit dem wir stets verhandeln konnten und der uns im Vergleich einen guten Preis zahlte», erklärt Gonin, der aber dennoch aus der Produktion aussteigt.

Vergangenen Freitag räumte ein Viehhändler dessen Stall. Einen Bestand von 126 Holsteinern – Durchschnittsleistung: 11'000kg. Gonin spricht offen und beschönigt nichts. «Mir wurde alles zu viel, und ich kam an meine Grenzen.» Seither fragte er sich, ob er wirklich bis zu Pension so weitermachen wolle. «Ich musste mich von der Arbeitsfalle befreien», fasst der 47-Jährige letztlich den Entscheid zusammen und zog die Notbremse. 

«Gibt immer Alternative»

Mit seinem Gang an die Öffentlichkeit will er aber auch als Waadtländer Milchproduzent zeigen, dass es immer Alternativen gibt. «In meinem Fall hatte ich mich schliesslich zwischen 5 Hektaren Reben oder 126 Kühen zu entscheiden.» Und da ihm niemand sagen konnte, wohin es mit der Schweizer Milchwirtschaft in den nächsten Jahren gehen würde, entschied sich Gonin für Ersteres.

«Ich durfte mich nur als Unternehmer entscheiden und nicht von Gefühlen leiten lassen. Bei 60Rp./kg Milchpreis kannst du bei einer Produktion von einer Million noch etwas verdienen. Aber nicht bei 50 Rp./kg.»

«Je sais pas si je fais juste»

Und so einfach sich der Entscheid rechnerisch begründen lässt, das Herz spreche eben doch eine andere Sprache. «Ich habe geheult. Denn es geht hier nicht nur im mich. Mein Vater hat im Dorf Champagne mit 8 Kühen und 4,5 Hektaren angefangen, und wir haben dies zu einer Herde mit 130 Tieren aufgebaut.» Den Stall habe man mit eigenen Händen laufend erweitert.

«Je sais pas, si je fais juste», kommen ihm schliesslich doch Zweifel, während Viehhändler seine Kühe einschätzen. Wenn es sein müsse, werde er dann schnell wieder mit Melken anfangen. Er werde auch das Land nicht im Rahmen eines langjährigen Pachtvertrages vergeben. Im Moment aber sei es sicher die richtige Wahl. «Jetzt muss ich mich zuerst um das Wichtigste in meinem Leben kümmern, meine Kinder.» 

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