30.09.2018 10:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Im August weniger als 50 Rp./kg
Ein Milchproduzent aus dem Emmental legt sein Milchgeld offen. Er fordert, dass für 80% der Milch 75 Rp./kg gelten.

In den letzten Wochen war viel von «nachhaltiger Milch» und von einem stabilen Richtpreis für industriell verarbeitete Molkereimilch im A-Segment von 68 Rp./kg franko Rampe die Rede. Das kann den Blick auf die tatsächlichen Bedingungen auf dem Schweizer Molkereimilchmarkt bisweilen verstellen. 

Bei Meisterlandwirt Heinz Siegenthaler aus Fankhaus (Trub) BE etwa landeten für 7'213 kg im Monat August abgelieferte Milch lediglich 3'538,25 Franken auf dem Konto. Das ergibt einen ausbezahlten Mischpreis für A- und B-Milch von nicht einmal 50 Rp./kg, genau  sind es 49,0 Rp./kg. 

Spezialtransport kostet

Zustande kommt dieser Milchpreis in der Bergzone II bei Fankhauser wie folgt. Die Milchhandelsorganisation Aaremilch bezahlte im August sowohl für Milch innerhalb der Monatsvertragsmenge als auch ausserhalb derjenigen 56 Rp./kg. Im August wurde ein Saisonalitätszuschlag von 3 Rp./kg verrechnet. Davon werden jetzt aber abgezählt: 272 Franken Ladehaltpauschale (an 16 Tagen wurde auf dem Hof mit dem Lastwagen Milch abgeholt, was jeweils 17 Fr. kostet), eine Transportkostenbeteiligung von 0,5 Rp./kg, ein Transportbeitrag Spezialtransporte (für einen schmaleren Lastwagen mit kürzerem Radstand) von 2 Rp./kg, sogenannte Branchenbeiträge in der Höhe von 0,895 Rp./kg (Milch- und Käsemarketing, SMP etc.). 

Weiter musste Siegenthaler Abzüge für schlechte Gehaltswerte hinnehmen: –1,2 Rp./kg beim Fett, –1,58 Rp./kg beim Eiweiss. Siegenthaler sagt, er habe wegen der anhaltenden Trockenheit teilweise älteres Gras verfüttern müssen und sei auch gezwungen gewesen, eher knapp zu füttern. Weitere Kosten werden ihm entstehen, weil er wegen der Trockenheit für seine 14 Swiss-Fleckvieh-Kühe einige Siloballen Mais zusätzlich wird kaufen müssen. 

Für die Motion Nicolet


Verarbeiter und Detailhändler blockten Mitte August im Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) eine Richtpreiserhöhung ab Oktober ab. Die Aaremilch schreibt, dass sie mit ihren Abnehmern bilateral Preisgespräche führe. Doch «ohne Richtpreiserhöhung im Rücken gestalten sich diese sehr schwierig», heisst es. 

Für Siegenthaler ist deshalb die Motion von Nationalrat Jacques Nicolet (SVP, VD) zentral, für die er derzeit als Präsident des Bäuerlichen Zentrums Schweiz (BZS) bei Politikern am Sondieren ist. Die Motion verlangt, dass der Bundesrat für 80% der gesamten Milchproduktion einen Interventionspreis von 75 Rp./kg Industriemilch einführt. 

Das würde die Rahmenbedingungen endlich verbessern, das gesamte Preisniveau spürbar heben und im geschützten und gestützten Teil des Molkereimilchmarktes endlich wieder auch für den Milchproduzenten eine Wertschöpfung ermöglichen, so Siegenthaler. Die 2 Rp./kg Nachhaltigkeitszuschlag, die es ab Juli 2019 geben soll, sind für ihn zu wenig. Sich mit der Bezeichnung «nachhaltige Milch» schmücken dürfen sollten laut ihm nur Verarbeiter, die für die A-Milch mindestens den BOM-Richtpreis bezahlen. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE