9.07.2018 06:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Im Stall wird Geld vernichtet»
Im Sommer nehmen die Milcheinlieferungen aus saisonalen Gründen ab, der Milchmarkt wird entlastet. Dass trotz Milchmangel im Biosegment Abzüge gemacht werden und Bauern B-Milch liefern müssen, kritisiert die Bauernorganisation BIG-M scharf. Den Produzenten fehle es an Perspektiven.

Im Sommer sinken aus saisonalen Gründen die Milcheinlieferungen – zehntausende Kühe sind auf der Alp und die Sommerhitze schmälert die Milchleistungen der Tiere im Talgebiet. Kehrt somit eine Entspannung bei den Milchpreisen ein?

Deklassierungsabzug und B-Milch

Mitnichten, kritisiert BIG-M. «Obwohl Biomilch derzeit so rar ist, dass die Molkerei Züger Biomilch importiert, macht Emmi im Juli bei den Biomilchbauern noch immer einen Deklassierungsabzug von 3 Rappen pro Kilo», beanstandet die Organisation in ihrem jüngsten Newsletter.

Auch die konventionellen Milchproduzenten müssen mit Mindereinnahmen rechnen. «Bei der Mooh ist jeder Lieferant gezwungen, B-Milch zu einem Preis von 34 Rappen pro Kilo abzuliefern. Bei den Emmi Direktlieferanten liegt der ausbezahlte B-Preis im Juli bei 38 Rappen. Der Richtpreis für B Milch liegt offiziell aber bei 46,8 Rappen», bemängelt BIG-M. Die Milchlieferbedingungen seien für die Produzenten frustrierend. «Wer keine Gratismitarbeiter hat, vernichtet täglich Geld im Stall», so die unmissverständliche Botschaft von BIG-M.

Wofür erhalten Vorstände Lohn

Hart kritisiert werden Verbände und Organisationen. Die Bauern bräuchten wirtschaftliche Perspektiven. «BIG-M fragt sich, wofür eigentlich all die Vorstände in den unzähligen Organisationen, die mit Milch zu tun haben, ihren Lohn beziehen», heisst es im Newsletter. «Ernsthafte» Massnahmen seien Fehlanzeige. Vorschläge wie die Mehrwertstrategien würden nur den Verarbeitern und Handel dienen. «Bei den Bauern bleiben Krümelchen. Um diese zu erhalten, müssen sie investieren oder Mehrarbeit leisten», heisst es weiter.

BIG-M verlangt den sofortigen Stopp der Überproduktion im In- und Ausland. Die Organisation fordert die Verbände auf, dem European Milkboard (EMB) beizutreten. «Seit Jahren setzt sich das EMB in Brüssel dafür ein, dass im Milchmarkt Regelungen getroffen werden, um Milchkrisen als Folge von Überproduktion zu vermeiden», betont BIG-M. Es sei die einzige Organisation, die die Interessen der Milchbauern vertrete.

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