15.09.2020 16:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Importbutter: Zu wenig Zeit für neue Marke
Der Buttermangel wird mit Einfuhren behoben. Diese Ware wird in derselben Verpackung verkauft wie Schweizer Butter. Mehrere Parlamentarier wollten vom Bundesrat wissen, ob er etwas dagegen unternehmen wird. Die Landesregierung winkt ab.

In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft. Derzeit gibt es aber zu wenig Schweizer Butter. Deshalb hat die Branche beschlossen, die Lücken mit Importen zu schliessen. Insgesamt wurden beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Butterimporte in der Höhe von rund 3000 Tonnen beantragt. Die Kontingente wurden auch bewilligt.

«Hergestellt in der Schweiz»

Mit den rund 3000 Tonnen Butterimporten sei die Versorgung gewährleistet, versichert die Branchenorganisation Milch (BOM). In den vergangenen Wochen und Tagen tauchte die erste Importbutter aus der EU in den Regalen des Detailhandels auf. Dass diese Butter in derselben Verpackung verkauft wie jene der Marke «Die Butter», sorgt für viel Wirbel und für Verärgerung. 

Denn den meisten Konsumenten dürfte nicht bewusst sein, dass in der Verpackung ausländische Butter steckt. Zwar fehlt das Schweizer Kreuz auf der Vorderseite. Auf der Rückseite der Butterverpackung ist zwar der Aufdruck «Herkunft EU» aufgedruckt. Doch die Aufschrift «Hergestellt in der Schweiz» wird gleichzeitig weiterverwendet. Und die Butter wird zum Aktionspreis feilgeboten, unter anderem bei der Migros.

Die EU-Butter kommt laut Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter, hauptsächlich aus Deutschland, Belgien und Irland. Beim Geschmack gebe es praktisch keine Unterschiede, sagte er zu «20 Minuten». Die Importbutter sei für die Detailhändler nicht günstiger, sagt ein Migros-Sprecher zu «20 Minuten». Man zahle den Herstellern denselben Preis wie für Schweizer Ware. Es mutet aber seltsam an, dass die Migros den Verkaufspreis um 15 Rappen je 250-Gramm-Mödeli gesenkt hat.

«Detailhandel hat das Sagen»

Die Bauernorganisation BIG-M tat ihren Ärger über die Importe in ihrem jüngsten Newsletter kund. «Wir Milchbauern sind empört. Im Detailhandel wird neuerdings Importbutter in der gleichen Verpackung wie «Die Butter» verkauft. Diese Marke war bisher ein Garant für Schweizer Butter», hiess es dort. 

BIG-M ist über das Vorgehen entrüstet. Beim Beschluss, die Importe zu beantragen, habe noch Einigkeit geherrscht, dass die Importbutter nicht unter dieser Marke verkauft werde. «Der Detailhandel stellt jetzt aber klar, wer im Milchmarkt das Sagen hat», schreibt BIG-M. Die Organisation sieht die Marke «Die Butter» durch dieses Vorgehen arg in Mitleidenschaft gezogen. Leidtragende seien die Milchproduzenten. Sorglos werde Importbutter in einer «Schweizerischen» Verpackung verkauft. Die Importbutter werde aber unter ganz anderen Bedingungen produziert. 

Nationalräte sprechen von Täuschung

Die Verpackung rund um die Importbutter hat auch Bundesbern erreicht. Drei Nationalräte gelangten in der Fragestunde an die Landesregierung. Nationalrat und Milchproduzent Jacques Nicolet (SVP/VD) die Verpackung als irreführend. Nicolet wollte vom Bundesrat wissen, ob dieser beabsichtigt, eine getrennte Verpackung zu verlangen, auf der der Herstellungsort der importierten Butter klar angegeben ist. 

Milchproduzent und Nationalrat Martin Haab (SVP/ZH) hält fest, dass Konsumenten wegen dieser Verpackung irritiert seien. «Liegt hier gar eine Täuschung des Konsumenten vor», fragte er die Landesregierung. Und er will auch wissen, weshalb Importbutter keine eigene Verpackung hat.

Auch an die Regierung wendet sich Marcel Dettling (SVP/SZ). Der Nationalrat und Landwirt, will wissen, ob der Bundesrat es duldet, dass Abmachungen nicht eingehalten werden. Und auch will wissen, ob hier nicht eine Täuschung vorliegen.

In der vergangenen Wochen haben wir die Leserinnen und Leser von schweizerbauer.ch befragt, ob die Importbutter in einer anderen Verpackung werden sollte. Das Resultat fiel eindeutig aus. 88 Prozent votierten für eine separate Verpackung. Für lediglich 9 Prozent würde dies zu weit gehen. 3 Prozent waren unentschlossen. An der nicht repräsentativen Umfrage haben 872 Personen teilgenommen.

Zu wenig Zeit, um Marke zu schaffen

Der Bundesrat hat die Fragen beantwortet. Der Buttermangel sei auf die höhere Käseproduktion zurückzuführen. Deshalb habe das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Anfrage der Branchenorganisation Milch (BOM) für eine Erhöhung des Importkontingent für Butter ab dem 1. Juni 2020 zugestimmt, heisst es in der Antwort.

Die Empfehlung der BOM, diese Importbutter nicht unter bestehenden Marken zu vermarkten, wurde von der Butterindustrie nicht umgesetzt. Gemäss Bundesrat liegt das daran, dass die Umstellung auf Importbutter sehr kurzfristig erfolgen musste. Die Zeit reichte der Branche nicht, eine neue Marke zu schaffen. «In diese brancheninternen Abmachungen war der Bund nicht involviert», heisst es weiter. 

Verpackung korrekt

Der Bundesrat hält fest, dass die Verpackung der importierten Butter, wie sie zurzeit erhältlich ist, korrekt gekennzeichnet ist. «Bei verarbeiteten Lebensmitteln darf anstelle des Produktionslands ein übergeordneter geographischer Raum angegeben werden. Damit ist die Angabe «Hergestellt in der EU» korrekt und informiert die Konsumenten klar über deren Herkunft», macht die Regierung deutlich.

Dass die Importbutter nicht in de Verarbeitung floss, liegt an der Swissness-Regel. «Die Lebensmittelindustrie kann den notwendigen Anteil an Schweizer Rohstoffen für ihre unter vermarkteten Lebensmittel sonst nicht erreichen», hält der Bundesrat fest.

Schweizer Butter ab Oktober

Auf der Website diebutter.ch heisst es, dass Butter dieser Marke ausschliesslich aus Schweizer Kuhmilch hergestellt und keinerlei Zusatzstoffe enthält. Nun wurde ein Hinweis platziert: «Aktuell wird Die Butter für kurze Zeit aus Importbutter hergestellt. Die momentan produzierte Menge an Schweizer Butter reicht nicht aus, um die Nachfrage decken zu können. Dies ist auf die saisonal tiefe Butterproduktion, den in den letzten Monaten gestiegenen Butterabsatz (Leute haben sich vermehrt zu Hause verpflegt) und den reduzierten Einkaufstourismus zurückzuführen.» Ab Oktober werde Die Butter voraussichtlich wieder aus Schweizer Produktion stammen, heisst auf der Website.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE