2.06.2013 06:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
SMP
«In der BOM mit einer Stimme sprechen»
Hanspeter Kern wurde am Donnerstag zum neuen Präsidenten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) gewählt. Er sagt, dass die Mehrfachmandate im SMP-Vorstand zumindest teilweise unumgänglich seien.

«Schweizer Bauer»: Was sind Ihre kurzfristigen Ziele als SMP-Präsident?
Hanspeter Kern: Die kurzfristigen Ziele liegen auf der Hand. Ich werde das Amt übernehmen. Dann werde ich die Grundlagen für die Strategiesitzung des Vorstandes vorbereiten. Anschliessend mit dem Vorstand die Strategie ausarbeiten und auch durchsetzen.

Und  Ihre langfristigen Ziele?
Langfristig ist eine der grössten Herausforderungen, die Milchproduktion in der Schweiz sicherzustellen. Dass uns nicht zu viele Leute davonlaufen, ist eine der Hauptvoraussetzungen, um die Milchproduktion zu halten. Das zweite Ziel, dem wir in den letzten Jahren immer nachgelebt haben, ist, eine möglichst gute Wertschöpfung aus dem Produkt Milch zu holen.

Gerade bei der Wertschöpfung ist der Wurm drin. Gemäss einer kürzlich publizierten Isopublic-Studie wollen 40% der Milchbauern in den nächsten zehn Jahren wegen des schlechten Milchpreises aufhören. Wie kann man wieder mehr Wertschöpfung holen?
Ich habe das anders gelesen. Die hören nicht nur wegen des schlechten Milchpreises auf, sondern auch wegen des Generationenwechsels. Ich kenne das aus meiner Region. Es gibt viele, die beim Generationenwechsel  Alternativen wählen. Die Direktzahlungen gehen heute in die Richtung, dass man mit weniger Aufwand mindestens so viel verdient wie heute mit grossem Aufwand in der Milchproduktion.

Die Direktzahlungsreform wird den Strukturwandel noch beschleunigen. Schon befürchten Molkereien, dass sie zu wenig Milch bekommen. Haben wir strukturell bald zu wenig Milch?
Es wird so weit kommen, dass die Molkereien froh sind, wenn wir noch Milch produzieren.

Schon jetzt ist die Milch saisonal knapp. Doch die Milchpreise ziehen nur langsam an. Sollte es an der Milchpreisfront jetzt nicht auch noch einen Ruck nach oben geben?
Die Preise steigen so an, wie wir es in der Branchenorganisation Milch (BOM) erwartet haben.  Alle Abnehmer haben ihre Verträge. Und die müssen sie erfüllen. Wenn man sieht, was die Marktorganisationen machen und wie der Preis jetzt hinaufgeht, dann läuft es unter Produzenten und Marktorganisationen punkto Zusammenarbeit besser als auch schon.

Die Rolle der SMP im Marktgeschehen ist seit Jahren umstritten.  Soll der SMP noch Druck auf bessere Bedingungen machen, oder soll er sich da heraushalten?
Die SMP haben  die Analyse zu machen, wo sie im Markt stehen. Was haben wir zu erwarten? Dann haben die SMP eine gewisse Koordinationsaufgabe wahrzunehmen. Das hat man bisher zu wenig gemacht. Die SMP haben bisher immer voller Stolz von der gut funktionierenden Käsereimilchkommission geschwärmt. In der Industriemilch gibt es das nicht. Die sitzen nicht zusammen. Ich finde, man müsste unter der Leitung der SMP zusammensitzen und gewisse Absprachen machen, um etwa  im BOM-Vorstand mit einer Stimme sprechen zu können. Hier haben die SMP unter den Produzenten eine neutrale Führungsaufgabe zu übernehmen.

Der abtretende Präsident Peter Gfeller hat die doppelten und dreifachen Mandate von SMP-Vorständen kritisiert, die auch noch in Milchhandelsorganisationen oder sogar auch noch in Molkereien in Verwaltungsräten Einsitz nehmen. Wollen Sie das angehen?
Grundsätzlich sind die SMP demokratisch und föderalistisch aufgestellt. In meiner bisherigen Funktion als VMMO-Präsident habe ich nicht den Bernern oder den Waadtländern dreinzureden, wen sie in den SMP-Vorstand delegierten wollten. Machen wir doch aus dem Problem der Regionen nicht ein Problem der nationalen Stufe. Die Ostschweizer haben es anders gelöst, die Berner haben es anders gelöst. Andere Regionen lösen es wieder auf ihre Art. Das muss man akzeptieren. Aber eines ist für mich auch ganz klar: Ohne bäuerliche Marktteilnehmer, welche wissen, wie es funktioniert am Markt, fehlen die entsprechenden Informationen in den nationalen Gremien. Das ist in anderen nationalen Verbänden nicht anders. Man könnte vielleicht etwas klarer aufzeigen, woher die Leute kommen, aber völlig auseinandernehmen kann man das nicht.

Zur Person

Der neue SMP-Präsident Hanspeter Kern  bewirtschaftet in Buchberg SH einen Betrieb mit 30 ha, wo er Milchwirtschaft, Viehzucht und Rebbau betreibt. Der 59-Jährige ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern. Kern war bisher Mitglied des SMP-Vorstands, Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) sowie Mitglied des Verwaltungsrats der Nordostmilch AG. Seit Herbst 2012 vertritt er die SMP im BOM-Vorstand. Mit Übernahme des SMP-Präsidiums wird er aus dem Verwaltungsrat der Nordostmilch zurücktreten. Auch das Präsidium der VMMO gibt er baldmöglichst ab.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE