2.05.2019 13:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Ja zu Nachhaltigkeitszuschlag
Die Delegierten der Branchenorganisation Milch (BOM) haben am Donnerstag dem Reglement für den Branchenstandard «Nachhaltige Milch» zugestimmt. Am Ende lenkte die Spitze der Käservertreter ein.

Ab 1. September 2019 gibt es damit 3 Rp./kg Nachhaltigkeitszuschlag auf der Molkereimilch im A-Segment. Dazu zählt per Definition die nicht verkäste Milch Inland im A-Segment (weisse Linie, Milch für Konsummilch, Butter, Rahm, Joghurt etc.) und die verkäste Silomilch im A-Segment (Frischkäse, Raclette, St. Pauli, Edamer und andere Weichkäse, Halbhartkäse und Hartkäse). 

Käser unterlagen mit Antrag 

Käse, der in den Export geht (z. B. Grosslochkäse), darf laut BOM-Reglement im B-Segment abgerechnet werden, und auf dem B-Segment muss der Zuschlag nicht bezahlt werden.

Der Käserverband Fromarte hatte beantragt, nur auf der zu Frischkäse (Mozzarella) verarbeiteten Silomilch die 3 Rp./kg Zuschlag auszurichten, die andere verkäste Silomilch wollte er ausnehmen. Bei letzterem ging es um rund 200 Millionen Kilogramm Milch. Fromarte verwies auf die Marktrealitäten und dass es in der Käsebranche Usus sei, dass Preisentscheide in den Sortenorganisationen und zwischen den Marktpartnern getroffen werden. Diesen Antrag lehnten die BOM-Delegierten mit 68 zu 11 Stimmen ab. 

Steht für die Bauer viel auf dem Spiel

Ohne den neuen Branchenstandard sei die Gefahr gross, dass Schweizer Milchprodukte von Importen rechts und links überholt würden, obwohl die Schweizer Standards vorhanden wären, sagte BOM-Präsident Peter Hegglin. Er erachte die Differenzen nicht als so gross, als dass sie nicht überwunden werden könnten.

Ruedi Bigler, Vizepräsident der BOM und Milchproduzent, erklärte, die Milchproduzenten hätten bereits genug nachgegeben. Es stehe für die Bäuerinnen und Bauern zu viel auf dem Spiel, als dass man den Standard scheitern lassen könne. Bereits jetzt seien für Produzenten die Preise nicht mehr deckend und sie seien auf Direktzahlungen angewiesen. 

Aschwanden und Gygax enthielten sich

Damit kam das Reglement zur Abstimmung. Fromarte-Präsident Hans Aschwanden hatte eingangs erklärt, die Käser seien bereit, den Schwarzen Peter zu fassen. Die Käser haben in der Delegiertenversammlung eine Sperrminorität, sie hatten es also in der Hand, den ganzen Branchenstandard scheitern zu lassen. Doch am Ende lenkten sie ein.

Nach einem Time-Out erklärte Hans Aschwanden, sie würden Beschluss nicht blockieren, aus übergeordnetem Interesse und mit Rücksicht auf die Brancheninteressen. So stimmten in der entscheidenden Abstimmung bei den Verarbeitern 31 Vertreter dafür, 4 dagegen. Die Produzentenvertreter stimmten einstimmig dafür.

Unter den Nein-Sagern waren die Fromarte-Mitglieder Andreas Hinterberger von der Berg-Käserei Gais und Christian Oberli von der Käserei Oberli Rislen AG. Doch die Fromarte-Spitze mit Präsident Hans Aschwanden und Direktor Jaques Gygax, die zusammen 3 Stimmen vertraten, und ein weiterer Käservertreter enthielten sich und machten damit den Weg zum Branchenbeschluss frei.

Kommt es zu BOM-Austritten?

Aschwanden erklärte aber, dieser Beschluss werde fromarte-intern zu grossen Turbulenzen führen, er tönte auch einen Austritt der Fromarte aus der BOM an. BOM-Präsident Peter Hegglin und SMP-Präsident Hanspeter Kern begrüssten den Entscheid als wichtiges Signal für die Zukunft. 

In der Gesamtabstimmung wurde der Branchenstandard mit 42 zu 0 Stimmen bei den Produzenten und mit 31 zu 4 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen bei Verarbeitung/Handel angenommen. Hier brauchte es für einen Entscheid eine Dreiviertelmehrheit in beiden Interessengruppierungen (Produktion und Verarbeitung/Handel).

Zwingende 10 Anforderungen für Milchproduzenten

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl

RAUS-BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf.

Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage.

Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden.

Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten.

Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden.

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung 

Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.

Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen 

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resistenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind.

Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.

Name der Kuh und Kalb:
Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetragen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

Zusatzanforderungen (hier muss der Milchproduzent zwei Punkte erfüllen)

RAUS und BTS: Ein Zusatzkriterium gilt als erfüllt, wenn der Milchbauer an den Bundes-Tierwohlprogramme BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (regelmässigen Auslauf) teilnimmt.

Lebetagleistung
Im Talgebiet: Mehr als 8 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.
Im Berggebiet: Mehr als 6 kg Milch als Durchschnitt über die ganze Herde.

Antibiotika
Kein prophylaktischer Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen. Als Beispiel angefügt werden Trockenstellen, Gebärmuttervorfall oder Mortellaro.

Komplementärmedizin

Im Krankheitsfall Anwendung von komplementärmedizinischen Methoden wie Homöopathie oder Phytotherapie.

Soziale Absicherung

Die Entlöhnung von Familienarbeitskräften wird dokumentiert.

Anerkannter Lehrbetrieb

Weiterbildung

Das Betriebspersonal besucht mindestes während einem halben Tag pro Jahr eine Weiterbildung.

SchuB
Der Betrieb bietet mindestens einmal pro Jahr Schule auf dem Bauernhof an.

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