31.01.2017 08:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
«Jeder Bauer muss auf C-Milch verzichten können»
Bei der Prolait ist die Lieferung von C-Milch nach wie vor nicht freiwillig. Die Prolait sagt aber, dass das ganze Reglement Segmentierung eine Heuchelei sei. BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler widerspricht entschieden. Was halten Sie von den Aussagen von Stefan Kohler. Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

«Schweizer Bauer»: Die PO Prolait weist für Februar nur A- und B-Milch aus, aber keine C-Milch. Der Preis für B-Milch liegt aber bei nur 32 Rp./kg und damit kaum über dem C-Richtpreis von 30,5 Rp./kg. Ist damit das Reglement Segmentierung aus Ihrer Sicht eingehalten?
Stefan Kohler: Wenn korrekt eingekauft und weiterverkauft wird, sind die Bestimmungen des Reglements eingehalten. Der Preis ist Sache der Vertragspartner. Allerdings läuten bei einem B-Preis von nur 32 Rp./kg bei mir schon die Alarmglocken. Das riecht tatsächlich nach einem Mischpreis entweder von zu hohen A-Preisen, die mit billiger B-Milch kompensiert werden oder von B-und C-Milch. Im zweiten Fall kann die Freiwilligkeit der Lieferung von C-Milch umgangen werden. Wenn das der Fall ist, werden wir intervenieren.

Prolait-Geschäftsführer Eric Jordan sagt, dass er nicht bereit sei, den Schwarzen Peter zu nehmen, da sich andere Milchhändler auch nicht an das Reglement hielten. Dieses sei toter Buchstabe.
Mit dem Ausdruck «Toter Buchstabe» wird ein lebendiger Organismus beerdigt. Wenn Prolait die von ihr allenfalls verkaufte C-Milch im Einkauf nicht sauber ausweisen sollte und so den Bauern die Wahlfreiheit nicht lässt, würde sie gegen das Reglement verstossen. Die Prolait kann dafür aber nicht das System schlechtreden.

Was sagen Sie aber zur Aussage von Jordan, dass sich viele andere Milchhändler ebenfalls nicht an die Regeln der Segmentierung hielten?

Die Aussage, dass sich die anderen nicht daran halten, ist nicht korrekt. Wir kontrollieren bei allen die Freiwilligkeit der Lieferung von C-Milch. Und wenn sich jemand nicht an die Reglemente hält, dann intervenieren wir. Sogar grosse Milchkäufer mussten im vergangenen Jahr ihr System anpassen. Ich hatte letztes Jahr auch bei der Prolait interveniert und ihr noch mal Zeit gegeben, bis 1. Januar 2017 ihr System in Ordnung zu bringen. Die Segmentierung ist viel mehr als toter Buchstabe. Sie ist und bleibt ein Instrument, um die Wertschöpfung zu erhalten.

Trotzdem bleibt die Tatsache, dass die Menge der C-Milch beim Erst- und beim Zweitmilchkauf nicht übereinstimmt. Was passiert da zwischen Milchhändlern und Molkereien?
Es ist korrekt, dass vom Januar bis November 2016 rund 10% mehr C-Milch verarbeitet wurde, als im Erstmilchkauf eingekauft wurde. Es geht um eine Differenz von 9,274 Mio. kg Milch, die im Verlauf der Wertschöpfungskette vom Bauer bis zum Verarbeiter entsteht. Der grösste Teil dieser Milch ist vermutlich Milch, welche Käsereien bei ihren Bauern als A-Milch einkaufen, aber über die Einschränkungsmilch und Tunnellösung als C-Milch weiterverkaufen. Im Grunde genommen findet auf Stufe Käserei eine Deklassierung der Milch statt.

Und das tolerieren Sie einfach?

Nein. 2015 haben wir es noch toleriert. Seit dem Januar 2016 greifen wir aber durch, die Situation hat sich massiv verbessert. Die Bilanz für 2016 muss für jeden Erstmilchkäufer auch auf Stufe Käserei stimmen. Wenn der Kauf und der Verkauf von C-Milch nicht stimmen, werden wir gegen diese Käsereien oder andere fehlbare Milchkäufer vorgehen. Fakt ist, dass die Bilanz von C-Milch im Erst- und Zweitmilchkauf für das Kalenderjahr stimmen muss. Die Zahlen für das ganze Jahr 2016 werden aber erst etwa in zwei Wochen vorliegen. Wir gehen dann jedem Fall, bei dem es eine Diskrepanz gibt, nach.

Trotzdem ist es eine Tatsache, dass viele Milchbauern mit Monatslieferrechten auf ihren Rechnungen keine C-Milch haben und diese infolgedessen auch nicht abwählen können. Können Sie garantieren, dass bei diesen Bauern wirklich keine C-Milch einfliesst?
Jeder Bauer in der Schweiz muss auf C-Milch verzichten können, wenn er will. Dafür setze ich mich mit aller Kraft ein. Das gängige Modell bei vielen Milchhändlern ist ja eigentlich, dass sich der Bauer Anfang Jahr für eines von zwei Modellen entscheidet. Das eine Modell bedeutet, dass der Milchbauer sich für eine fixe, aber tiefere Menge ohne C-Milch entscheidet. Wenn er darüber liefert, kann es als C-Milch abgeliefert werden. Beim anderen Modell kann der Bauer so viel Milch bringen, wie er will. Aber dann kann er auf die Lieferung eines Anteils C-Milch nicht verzichten. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen erfüllt sind. So muss der Bauer jedes Jahr neu die Wahl haben, sich für das eine oder andere Modell entscheiden. Das Modell darf die Bauern, welche keine C-Milch liefern wollen, in den A- und B-Mengen und -Preisen gegenüber einem anderen Bauern, der C-Milch liefert, nicht benachteiligen. Ein Beispiel: Ich möchte auf C-Milch verzichten. Mein Verarbeiter sagt mir, wir bezahlen dir aber nur 50 Rappen. Der andere, der C-Milch akzeptiert, würde 60 Rappen erhalten. Das wäre verboten. Auch eine Lieferrechtskürzung für das nächste Jahr, wenn einer auf C-Milch verzichtet, ist verboten.

Welche Möglichkeiten haben nun die Prolait-Lieferanten? Können Sie beispielsweise gegen ihren Milchkäufer klagen?
Das muss über uns laufen. Wir packen das sofort an. Wir von der BOM sind zuständig, dass das Reglement eingehalten wird.

Zwang zu C-Milch

Eric Jordan, Geschäftsführer der Produzentenorganisation Prolait (PO), stellt nicht in Abrede, dass seine Produzenten die C-Milch nicht abwählen können. «Aber bei welcher PO können die Produzenten auf die Lieferung von C-Milch verzichten?», stellte er die Gegenfrage. Wir haben deshalb BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler mit dieser Frage konfrontiert. sam

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