11.01.2014 14:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Jetzt hören auch Grosse auf
Der Strukturwandel in der Milchwirtschaft hält an. Neu ist, dass nicht mehr nur kleinere, sondern auch grosse Milchbauern aufgeben. So hat 2013 einer der grössten Schweizer Betriebe mit über 1 Mio. Kilo Milch aufgehört.

Am 3. Juni 2013 stellte Dominique Laville aus Chevenez JU seine zwei Melkroboter für immer ab.  Er molk bis zu diesem Zeitpunkt auf seinem 180 Hektar grossen Betrieb  mehr als 1 Mio. Kilo Milch pro Jahr.  Der Stalldurchschnitt betrug über 12000 kg pro Kuh, womit er in der Top-Liste des Holsteinverbandes auf Rang 3 kam.

60 Rappen reichten nicht

Doch trotz diesen beeindruckenden Zahlen konnte der Miba-Lieferant nicht mehr kostendeckend Milch produzieren. «Mit meinem Milchpreis von unter 60 Rp./kg verlor ich jeden Tag Geld. Ich habe mich deshalb auf die neue Agrarpolitik ausgerichtet», sagt Laville. Er mästet seit letzten Sommer Rinder aus, die er zukauft, betreibt Ackerbau und macht jetzt auf 30ha ökologische Ausgleichsfläche. «Es war ein Glück, dass ich aufgehört habe zu melken», sagt er ein halbes Jahr später.

Kein Einzelfall

Laville ist im Jurabogen kein Einzelfall. Innerhalb der Miba haben im Jahr 2013 insgesamt acht Betriebe mit mehr als 200000 kg die Milchproduktion aufgegeben, davon ein weiterer mit über 1 Mio. Kilo. «Wir haben aber auch weitere Betriebe in dieser Grössenklasse, die weiter wachsen», betont Miba-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler.

Milchproduzent und Viehhändler Pierre Oppliger aus Sonceboz BE erzählt, seit fünfzehn Jahren schon finde er es «verrückt», wie viele mit Melken aufhören. Doch jetzt habe der Trend einen neuen Höhepunkt erreicht. «Seit dem 20. Dezember habe ich sechs Tierbestände von Milchbetrieben gekauft. Drei davon hatten zwischen 45 und 70 Kühen», berichtet er. Darunter seien nicht nur Industrie-, sondern auch Käsereimilchbetriebe.

Bei ZMP hören viele Grosse auf

Es gibt weitere Belege, dass zunehmend auch grosse Betriebe das Melken aufgeben. Die Hebelwirkung auf die Milchmenge ist dementsprechend gross. «Mengenmässig verlieren wir bei den grossen Betrieben (mehr als 200000 kg) mehr Milch als bei den kleineren Betrieben (weniger als 50000 kg).» Das steht im aktuellen Newsletter der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) für das Jahr  2012. Bei den Milchproduzenten Mittelland (MPM) liegen schon Zahlen für 2013 vor.  Hier war der Rückgang bei den Betrieben mit einer Jahresmilchmenge von über 200000 kg Milch sogar über alle Kategorien am grössten. Die vier Betriebe, welche in dieser Kategorie aufgaben, molken zuvor im Schnitt 335000 kg. Sicher ist, dass das Management von grossen Betrieben sehr anspruchsvoll ist.

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