8.03.2017 10:04
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Jetzt reicht’s» - Junglandwirte fordern Trendumkehr
«Jetzt reicht’s»: So lautet der Aufruf der Schweizer Junglandwirte zur derzeitigen Situation auf dem heimischen Milchmarkt. Sie fordern deshalb alle Personen auf, die sich für einen gerechteren Milchpreis einsetzen wollen, einen Brief zu unterzeichnen. Damit wollen sie ein Zeichen. Wie beurteilen Sie das Vorgehen der Junglandwirte? Diskutieren SIe mit und stimmen Sie ab

Die Produzentenpreise für Milch in der Schweiz sind im vergangenen Jahr erneut gesunken. Gemäss dem Marktbericht Milch des Bundesamts für Landwirtschaft lag der durchschnittlich gesamtschweizerische Preis für Molkereimilch im Jahr 2016 noch bei 54.51 Rp./kg. Dieser Wert gilt ab Hof oder Sammelstelle. Für die Bauern sind solche Preise nicht kostendeckend.

Weniger Milch…

In den vergangenen Monaten hat sich die Produktion in der Schweiz zurückgebildet. Diese bildete sich um 1,5 Prozent auf insgesamt 3'433'975 Tonnen zurück. Gemäss TSM ist der zweite Rückgang in Folge. Die Produktion liegt somit ungefähr auf dem Niveau von 2010. Besonders stark ist die Produktion mit -6 Prozent im Dezember 2016 und Januar 2017 gesunken.

…weniger Milchproduzenten…


Im vergangenen Jahr sind in der Schweiz 778 Betriebe aus der Milchproduktion ausgestiegen. Das entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent oder 778 Milchviehbetrieben. Damit gab es Ende 2016 in der Schweiz noch 20'987 Milchproduzenten. Noch im Jahr 2010 zählte die Schweiz 26'000 Milchbauern. 2015 haben 832 Betriebe die Produktion aufgegeben.

Der Schweizer Milchmarkt wird stark geprägt durch die Preise in Europa. Gemäss der Preiserhebung des niederländischen Bauernverbandes sind in der EU 2016 die Produzentenpreise um über 9 Prozent gesunken. Der durchschnittliche Produzentenpreis lag noch bei 27.9 Cent/kg (30.7 Rp./kg). Im zweiten Halbjahr haben die Preise aber deutlich zugelegt. Im Dezember lagen die Produzentenpreise um 1.23 Cent höher als im November. Gegenüber dem Vorjahresniveau wurde ein Plus von 2,9 Cent oder 10% verzeichnet. Der durchschnittliche Preis kam auf 32.09 Cent (34.7 Rp.) zu liegen. 

…und keine höheren Preise

In der Schweiz hat der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) über den Richtpreis für Molkereimilch im A-Segment entschieden. Im Vorfeld rechnete Detailhändler Coop mit steigenden Preisen. Der Preis wurde bei 65 Rp./kg belassen. BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler sagte damals gegenüber schweizerbauer.ch, die Verhandlungen seien sehr intensiv, aber ohne Ergebnis geblieben.

Auch dass nun milchstarke Monate bevorstünden, hätte dazu geführt, dass der Antrag der Produzenten nach einem Aufschlag keine Mehrheit fand. In diesem Fall gilt der aus dem Durchschnitt der BLW-Molkereimilchpreisindizes der letzten drei Monate berechnete Preis als Richtpreis. Dieser liegt derzeit bei 64,97 Rp./kg, weshalb es beim bestehenden Richtpreis von 65 Rp. bleibt.

«Nur gemeinsam erreichen wir etwas»

Für die Junglandwirte «reicht es» nun, wie sie auf ihrer Website verkünden. «Alle, die an einer nachhaltigen Landwirtschaft interessiert sind, können jetzt ein Zeichen setzen», halten sie fest. Milchbauern und alle Personen, welche sich für einen gerechteren Milchpreis einsetzen wollen, werden aufgefordert, einen Brief zu unterschreiben. Dieser soll an Emmi, Hochdorf, Migros, Coop und Cremo eingesandt werden. Eine Vorlage steht auf der Website der Junglandwirte bereit.

«Nur gemeinsam und mit möglichst vielen Teilnehmenden erreichen wir etwas», betonen sie. Es brauche eine Trendumkehr hin zu einer fairen Verteilung der Wertschöpfung im Milchbereich, halten sie fest. Und bringen auch sogleich Fakten, die ihre Forderung untermauern:

- Die Schweizer Milchpreise sind im Keller und steigen trotz deutlich gesunkener Menge und höheren internationalen Rohstoffpreisen nicht.

- Schweizer Milch hat ihren Wert: höchste Tierwohl- und Qualitätsstandards werden eingehalten. Für die Landwirte ist dies eine Selbstverständlichkeit, Qualität hat aber auch ihren Preis.

- Jedes Jahr steigen 800 Landwirte aus der Milchproduktion aus, es verbleiben noch knapp 21'000 Milchbetriebe.

- Die Produktion ist rückläufig, die Butterlager sind aktuell 40 Prozent tiefer als im Vorjahr, zudem liegt Butter-, Rahm- und Milchpulverproduktion deutlich unter dem Vorjahreswert.

Mit dieser Aktion wollen die Jungbauern die Milchverarbeiter und Detailhändler an ihre Verantwortung erinnern. Denn es liegt auch an ihnen, dass die künftige Generation von Milchbauern eine Perspektive hat.

Hier geht’s zum Brief

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