19.06.2016 06:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Keiner will den Schwarzen Peter
Die effektiv ausbezahlten Milchpreise liegen zum Teil massiv unter den Richtpreisen der Branchenorganisation Milch (BOM). Dies trotz klarem Bekenntnis von Migros, Coop und Aldi, die Richtpreise bezahlen zu wollen.

65 Rp./kg franko Rampe beträgt der A-Richtpreis. Zum Teil liegen jedoch die Milchpreise bis um die 10 Rp./kg tiefer (etwa bei Hochdorf) – und da sind die Transportkosten, welche beim Franko-Rampe-Preis anfallen, noch gar nicht berücksichtigt.

Migros bekennt sich zu Richtpreisen

Immer wieder hört man munkeln, dass die Detailhändler nicht bereit seien, den A-Richtpreis zu bezahlen. Doch die weisen die Kritik von sich. Die Migros bekenne sich zur Einhaltung des Milchrichtpreises sowie zur Segmentierung der BOM, sagt Sprecherin Martina Bosshard. Migros beziehe den grössten Teil ihrer Molkereiprodukte über ihre eigene Molkerei Elsa und kenne die Vergütungen an ihre Produzenten: «Bei Sortimenten, die von weiteren Lieferanten ausserhalb der Migros-Eigenindustrie stammen, fordert die Migros die Einhaltung der Richtpreise aktiv ein und kontrolliert dies so weit wie möglich.» Die Migros beziehe Produkte grundsätzlich nur von BOM-Mitgliedern und fordere die Einhaltung der Richtpreise bei Ausschreibungen als grundsätzlichen Anspruch ein.

Auch Coop und Aldi stehen hinter Richtpreis

Ähnlich tönt es bei Coop. «Coop steht klar hinter den festgelegten Richtpreisen. Wir zahlen allen Lieferanten Produktepreise, die die Segmentierung der BOM entsprechend berücksichtigen», sagt Coop-Sprecherin Nadja Ruch. Und auch Aldi Suisse — seit Kurzem BOM-Mitglied — bekennt sich zum A-Richtpreis. «Unsere Geschäftspartner bestätigen uns, dass sie sich an das Reglement der Segmentierung halten», so Sprecher Philippe Vetterli.

Doch wo klemmt es, wenn nicht bei den Detailhändlern? Etwa doch bei den Molkereien? Diese weisen jedoch die Kritik zurück. «Wir stellen fest, dass die Richtpreise so nicht auf dem Markt realisiert werden können. Das ist nicht ein Cremo-Problem, sondern ein generelles der ganzen Branche», sagt Andreas Wegmüller von Cremo.

Anpassungsphase


Zwar funktioniere die Anpassung der realisierten Milchpreise bei Anpassung der Richtpreise grundsätzlich nicht schlecht. «Hingegen muss man sagen, dass in einer solchen Anpassungsphase bei Ausschreibungen die Marktkräfte wirken, und in einem Umfeld, in dem eher zu viel Milch auf dem Markt ist, kommt dann die A-Milch eher unter Druck», fügt er an.

Auch Emmi könne nicht die vollen 65 Rp./kg franko Rampe auf Produkte aus dem A-Segment an die Detailhändler überwälzen, bestätigt Sprecherin Sibylle Umiker. «Aktuell betragen die Abzüge bei Emmi 2,2 Rp. Der ausbezahlte Milchpreis franko Rampe beträgt somit 62,8 Rp.», fügt sie an. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE