23.10.2018 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Australien
Knatsch wegen Milchabgabe
In Australien haben einige Ketten des Detailhandels ihre Verkaufspreise für den Liter Trinkmilchum 10 Cent (7 Rp.) auf 1,10 AUD (77 Rp.) angehoben, um mit dieser „Solidaritätsabgabe“ dürregeschädigte Milchbauern zu unterstützen. Das klingt zunächst gut, stösst aber auf immer schärfere Kritik.

Nach wie vor seien die Milchpreise für die Farmer völlig unzureichend, monierte der Präsident des Nationalen Verbandes der Milcherzeuger (ADF), Terry Richardson. 

Auch Landwirtschaftsminister David Littleproud sprach zuletzt von „medienwirksamen Marketingtricks“. Namentlich nannte er die Supermarktkette Coles, die die Abgabe lediglich bei ihren 3-Liter-Packungen der Eigenmarke eingeführt habe. Das betreffe nur einen sehr kleinen Teil der verkauften Ware in den Geschäften. Darüber hinaus fliesse das Geld in einen Dürrefonds von Coles, bei dem die Milchbauern bürokratisch die Hilfen beantragen müssten und nicht sichergestellt sei, dass diese an die wirklich betroffenen Farmer flössen. 

Littleproud zeigte sich ausserdem enttäuscht, dass auch Woolworth den Zuschlag lediglich für seine Eigenmilchmarke in der 1-Liter-Verpackung erhebt. Immerhin werde dieser Betrag aber direkt über die Molkereien an die Bauern weitergeleitet. „Die ursprüngliche Idee einer Milchabgabe war, dass sie auf alle Milchmarken angewandt wird und die 10 Cent über die Verarbeiter an die Bauern ausgezahlt werden, und zwar für ihre tatsächlich gelieferte Milch“, erläuterte der Minister. 

Am schärfsten ins Gericht ging Littleproud mit Aldi, weil sich der Discounter einfach abgewendet und gar nicht an der Hilfsaktion teilgenommen habe. Aldi selbst erklärte dazu, dass es die Bauern während der Dürrezeit unterstütze, indem es Preiserhöhungen der Verarbeiter akzeptiert habe, ohne dies an die Konsumenten weiterzugeben. Ohne einen transparenten, fairen und prüffähigen Prozess der Geldsammlung und -verteilung sei es unverantwortlich, die Konsumenten beim Kauf von Milch mit einer Abgabe zu belasten, so Aldi. 

Der Vizepräsident der Milcherzeuger in Queensland, Matthew Traces, warf indes Coles und Woolworth vor, die Dürre zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen, indem diese die Solidaritätsabgabe nur auf ihre eigenen Handelsmarken anwendeten.

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