3.04.2014 07:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Lactofama stützt fast bis B-Preis hoch
In einem Schreiben an ihre Direktlieferanten gibt Emmi bekannt, ab April wieder C-Milch einzuführen. Emmi erwartet, aus der Stützung der neu gegründeten Lactofama 18,60 Rappen pro Kilo C-Milch zu erhalten.

Die grösste Schweizer Molkerei Emmi hat bekanntermassen eine wertschöpfungsstarke Produktepalette mit Caffè latte als Flaggschiff. Trotzdem sind bei den Zentralschweizern nun die Butterlager aus dem Ruder gelaufen, wie einem Schreiben an die Direktlieferanten zu entnehmen ist. «Die Milcheingänge sind seit Monaten hoch. Der Verkauf von Milchprotein läuft gut. Es entsteht jedoch ein Fettüberschuss, welcher zu überhöhten Butterlagern führt», heisst es darin.

B-Preis minus 3 Rappen

Damit nun ein Preisdruck im A-Segment verhindert werden könne, will Emmi den Inlandmarkt entlasten und ab April wieder C-Milch einführen. «Dauer der Massnahme und Höhe des C-Milch-Preises sind abhängig von den Instrumenten von Lactofama.» (Siehe Kasten.)

Durch die Stützung des C-Milch-Preises durch Lactofama sei der negative Einfluss auf den Milchpreis wesentlich tiefer. Gemäss dem Emmi-Brief wird eine Stützung von 18,60 Rp./kg von Lactofama erwartet, was bei einem aktuellen C-Milch-Preis von 37Rp./kg den gestützten Preis von 55,60 Rp./kg ergibt. Damit kommt der C-Preis nur gerade 3 Rappen unter den B-Preis von 58,60 Rp./kg zu liegen. Als A-Preis wird für April 65,60 Rp./kg genannt.

Zwangsfreiwillig

Zwar sei die Lieferung von C-Milch grundsätzlich freiwillig. Doch trotzdem ergreift Emmi Sanktionen gegen Bauern, welche nicht bereit sind, C-Milch zu liefern. «Wer verzichtet, kann ab sofort für 2014 keine Vertragsmenge mehr mieten oder kaufen», heisst es.

Setzt eine so hohe Stützung auf die Höhe nahezu des B-Preises nicht falsche Anreize, welche die Produktion nur noch zusätzlich anheizen könnten? Stefan Hagenbuch, stellvertretender Direktor der Schweizer Milchproduzenten und damit auch befasst mit der Stützung durch die Lactofama, will inhaltlich nicht Stellung zu dieser Frage nehmen. Hagenbuch will auch die von Emmi kommunizierte Höhe der Stützung des C-Preises von 18,60 Rp./kg durch Lactofama nicht kommentieren.

Auch bei der Aaremilch

Der Abbau der Butterlager hat auch bei der Aaremilch Folgen, wie deren Geschäftsführer Donat Schneider bestätigt: «Wir senken den B-Milch-Preis und werden auch C-Milch gegenüber den Produzenten ausweisen.» Wie hoch der C-Milch-Preis ausfallen wird, kann Schneider momentan noch nicht sagen. «Ich bin noch am Kalkulieren», begründet er.

Lactofama

Zehn regionale Milchvermarktungs- und Produzentenorganisationen haben mit den SMP die Exportvermarktungsfirma Lactofama AG gegründet. Das Ziel der Firma ist gemäss eigenen Angaben, saisonale Ungleichgewichte auf dem Markt abzufedern. Zu diesem Zweck kann Lactofama unter anderem Milch zu Regulierprodukten für den Export verarbeiten lassen. Finanziert wird die Abräumung vorerst durch Rückstellungen des früheren Milchstützungsfonds. sam

Rückbehalt bei den ZMP

Einen anderen Ansatz wählen die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) als Mehrheitsaktionär der Emmi. «Um die Butterlager möglichst rasch zu entlasten, müssen wir per 1.April 2014 einen Rückbehalt von einem Rappen auf die Milch Suisse Garantie einführen», heisst es im neusten ZMP-Info. Dieser bleibe so lange bestehen, bis sich die Situation wieder normalisiert habe.

Saisonal oder nicht?

Auch letzte Woche stiegen übrigens die Butterlager wieder. Neu betragen sie 4048 t gegenüber 3812 t in der Vorwoche. Ein Teil des Effekts ist sicher saisonal bedingt. Die neu gegründete Lactofama AG geht sogar davon aus, dass die Butterüberproduktion ausschliesslich saisonal ist.
Anders sieht man das bei der Basisorganisation BIG-M. «Der aktuelle Butterberg ist das Resultat zu hoher Milchanlieferungen», schreibt BIG-M im Newsletter.

Wenn in vergangenen Jahren die Butterlager Ende Mai, also kurz bevor die Kühe auf die Alpen gehen, nicht grösser gewesen seien als 4000 Tonnen, dann seien die Lager bis im Winter wieder bei null gelegen. «Wenn nun aber die Butterlager wie dieses Jahr schon Ende März bei 4000 Tonnen liegen, dann sind das keine saisonalen Überschüsse mehr.» Sondern es sei das Ergebnis einer Überproduktion, die es bei funktionierender Segmentierung eigentlich gar nicht geben dürfte.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE