6.08.2018 12:40
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Milch
Leistungsstarke Kühe bestraft
Aaremilch ist für den Handel von klimafreundlicher Milch bereit. Bei Kühen mit hoher Milchleistung will sie die Lebtagesleistung mit einer maximal anrechenbaren Jahresmilchleistung nach unten korrigieren.

«Klimafreundliche Milch» ist in aller Munde, spätestens seit Nestlé in einer Projektpartnerschaft mit der Milchhandelsorganisation Aaremilch Ende Juni das gleichnamige Pilotprojekt vorgestellt hat. Kühe, die länger leben und länger Milch produzierten, würden pro Kilogramm Milch rund 5 Prozent weniger Treibhausgase ausstossen, heisst es.

Nachteil für Hochleistung

Mit weiteren Massnahmen wie einer optimierten Kälberaufzucht könnten die Emissionen gar um 10 bis 20 Prozent reduziert werden. Das sei ein wichtiger Beitrag gegen die globale Klimaerwärmung, schätzt Nestlé ein. Ein Förderbereich ist die Lebtagesleistung, das heisst geleistete Milchmenge durch Anzahl Lebtage. Doch was sind deren Zielwerte? Andreas Stämpfli von Aaremilch, der sich während mehr als zwei Jahren intensiv um diese Thematik gekümmert hat, klärt auf.

Bezüglich Lebtagesleistung werde das Talgebiet vom Berggebiet unterschieden, hält Stämpfli fest. Als Zielwert gelte im Talgebiet 13,8 kg Milch pro Lebtag und im Berggebiet 11,7 kg Milch. Der Unterschied habe mit der weniger intensiven Haltung im Berggebiet zu tun. Bei Aaremilch ist die Lebtagesleistung nicht gleich Lebtagesleistung. Diese wird auf Talbetrieben mit maximal einer  durchschnittlichen Jahresmilchleistung pro Kuh von 8000 kg Milch und im Berggebiet von maximal 7000 kg Milch berechnet (siehe PDF).

Lebdauer erhöhen

Weshalb hat man sich auf diese Basismengen geeinigt? «Grundsätzlich soll die Lebdauer und nicht die Milchleistung pro Jahr erhöht werden», begründet Stämpfli. Er ist sich bewusst, dass über hohe Laktationsleistungen die Lebtagesleistung stärker beeinflusst werden kann als über die Langlebigkeit. Doch die raufutterbasierte Kuh stehe im Zentrum, und die Basismilchleistung sei eine Anlehnung an eine graslandbasierte Milchproduktion. 

Die durchschnittliche Lebtagesleistung der Herde werde via die Tierverkehrsdatenbank (TVD) bereitgestellt. Das sei ein grosser Fortschritt, sagt er.

Tierverkauf berücksichtigt

Doch was ist mit Betrieben, die viele Jungkühe verkaufen und deshalb eine unterdurchschnittliche Lebtagesleistung aufweisen? Die Lösung sei, dass via die TVD ausgewertet und analysiert wird, wie hoch der Anteil Nutztierverkäufe ist und ob eine verkaufte Kuh als Nutzviehabgang zählt oder nicht. Stämpfli erklärt: «Wenn ein Tier nach einem Verkauf länger als 150 Tage bei der TVD registriert ist, gilt das als Nutzviehabgang.»

Das bedeutet: «Je höher der Anteil Nutzviehabgänge ist, umso weniger muss ein Betrieb die Ziele erreichen.» Wenn ein Betrieb über 40 Prozent Nutzviehabgänge habe, könne er entweder über einen überdurchschnittlichen Index Fitness (IFF) oder über die Lebtagesleistung die Prämie holen.

Aaremilch ist bereit

Laut Stämpfli könne die Methode nun breit angewendet werden. Aaremilch sei bereit, etwas für die Klimaziele oder zumindest zu deren Messung beizutragen. Am liebsten würde man die gesamte Aaremilch unter Berücksichtigung der Zielwerte verkaufen. Wann Nestlé als wichtiger Milchabnehmer bei der Aaremilch über das Pilotprojekt mit 46 Betrieben und einem Mehrpreis von 3 Rp./kg hinaus auf das Boot der klimafreundlichen Milch aufsteigen wird, sei Stand der Verhandlungen. Stämpfli ist der Meinung, dass der Milchproduzent für klimafreundliche Milch mindestens zwei Rappen mehr erhalten müsse.   

Elsa fordert 8 kg

Die Migros-Tochter Elsa setzt seit diesem Jahr ihr Nachhaltigkeitsprogramm um, wie sie im Februar bekannt gab.  Ein Nachhaltigkeitsmerkmal ist ebenfalls die Lebtagesleistung, deren Grundanforderung bei acht Kilogramm Milch liegt.  Die Landwirte können via Online-Tool die verschiedenen Kriterien erfassen. Im Tool können die Lebtage der Herde via die TVD übernommen werden. Wenn ein Betrieb diese Anforderung nicht erfülle, werde individuell im Gespräch mit dem Betriebsleiter über das weitere Vorgehen entschieden, erklärt Lukas Barth, Leiter Agrarpolitik und Milchbeschaffung bei der Elsa, und macht ein Beispiel: «Für einen Betrieb, der viele Jungkühe verkauft und das Ziel aus diesem Grund nicht erreicht, kann eine Ausnahmebewilligung erteilt werden.»  hal

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