20.03.2017 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchpreis
Melken für 4 Franken pro Stunde
4050 Stunden arbeitet die Bauernfamilie auf dem Betrieb. Im Büro wären das mehr als zwei Vollzeitstellen. Abgegolten wird dies aber mit nur 18147 Franken. Das ist die Realität auf einem Milchviehbetrieb in der Zentralschweiz.

Es ist ein Betrieb, wie er von Molkereien und Detailhandel in der Werbung als Beispiel eingesetzt werden könnte – diese wollen nämlich weniger die  grossen Schweizer Betriebe im Talgebiet mit 120 oder mehr Kühen zeigen, sondern betonen gerne die tiefe Kuhzahl pro Betrieb und die schöne Alpenwelt.

Ohne Direktzahlungen kollabiert

Der gepflegte Milchwirtschaft-Familienbetrieb, der gegenüber dem «Schweizer Bauer» seine Buchhaltung geöffnet hat, hat 14 Milchkühe im Stall, deren Namen man in der Familie alle kennt. Er liegt in der Bergzone I und hat überdurchschnittlich viele wertvolle Biodiversitätsflächen und Hanglagen. Die Familie hält generationenübergreifend zusammen.

Doch die Buchhaltung stimmt nachdenklich. Die von der Familie eingesetzten Arbeitsstunden (inkl. der Stunden der Eltern des Betriebsleiters) sind lediglich mit gut 4 Franken pro Stunde abgegolten. Ohne Direktzahlungen (deren Aufschlüsselung zeigt, wie viele gemeinwirtschaftliche Leistungen der Betrieb erbringt!) würde der Betrieb sofort kollabieren.

Milchpreis von 1.71 Fr./kg nötig

Die Betriebsleiterfamilie kommt finanziell nur deshalb über die Runden, weil die Eltern des Betriebsleiters sich mit einem tiefen Entgelt zufrieden geben und der Betriebsleiter einem Nebenerwerb ausserhalb des Hofs nachgeht. Der netto ausbezahlte Milchpreis lag im Untersuchungsjahr 2015 bei 52,8 Rp./kg. Im Februar 2017 lag er mit 47,0 Rp./kg noch tiefer.

Damit auf dem Beispielbetrieb unter Berücksichtigung der Direktzahlungen die eingesetzte Arbeit mit 28 Fr./h abgegolten werden könnte, wäre unter den aktuellen Gegebenheiten ein Milchpreis von 1.71 Fr./kg nötig. Es wird klar: Wenn die effektiv ausbezahlten Milchpreise nicht sehr bald markant steigen, haben Betriebe wie der hier dargestellte keine Perspektive in der Molkereimilchproduktion.

Lesen Sie den ganzen Artikel mit sämtlichen Tabellen und Auswertungen im Schweizer Bauer vom Samstag, 18. März oder im E-Paper.

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