3.12.2019 19:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Migros verkauft EU-Butter
In der Schweiz wurde in den vergangenen Wochen zu wenig Butter produziert. Die Migros führt in ihren Regalen derzeit aus der EU importierte Kochbutter. Der Grund ist mangelnde Planung.

Die Milchbranche beklagt immer wieder, dass Marktanteile im Inland und damit auch A-Milch-Menge mit besserer Wertschöpfung verloren gehen. 

Bauern hätten A-Milch liefern können

Zum A-Segment gehört auch Butter für das Inland. Da steht die Kochbutter aus der EU, welche die Migros derzeit in ihren Regalen führt, quer in der Landschaft. Die Migros hat mit der Elsa eine eigene Molkerei, die sich ihrer überdurchschnittlichen Milchpreise rühmt, und die Milchproduzenten in der Schweiz hätten noch so gerne A-Milch für zusätzliche Butter statt billige B-Milch geliefert. Der Verband Schweizer Milchproduzenten (SMP) kommentiert die EU-Butter auf Twitter denn auch wie folgt: «Früh geplant und mit richtigen Preisen hätte ausreichend Butter gefunden werden können.» 

Die Migros teilt auf Anfrage mit, die importierte Butter konkurrenziere die einheimischen Produkte nicht. «Sie füllt lediglich die Lücke, welche sich leider aktuell in diesem Segment aufgetan hat.» Denn es herrsche momentan ein Milch- und folglich auch ein Rahmmangel, so die Migros. Sobald wieder genug Schweizer Rohstoff vorhanden sei, werde es in den Regalen auch wieder die Schweizer statt die europäische Butter geben, versichert die Migros. 

100 Tonnen Butter importiert

Laut Marktkennern hat die Migros sich bei der bestellten Rahmmenge verkalkuliert. Sie sei davon ausgegangen, dass wie in anderen Jahren kurzfristig billigerer Rahm verfügbar wird. Dieser Darstellung widerspricht die Migros: «Die Elsa hatte ihren Rahmbedarf korrekt geplant, wurde aber aufgrund der Milchknappheit nicht im vorgesehenen Umfang beliefert. Zudem sind die Butterlager leer. Die Branche hat nach einer solidarischen Lösung gesucht und diese mit den Coupons gefunden.»

Die Importcoupons gehen auf das alte Schoggigesetz zurück und sind von der Branchenorganisation Butter (BOB) gekommen, wie deren Geschäftsführer Peter Ryser bestätigt. Die BOB war es denn auch, die den Import ausführte. Die Migros betont, es würden nur rund 100 Tonnen Butter aus der EU importiert. Für deren Herstellung in der Schweiz hätte es gut 2 Millionen Kilogramm Milch gebraucht. Gesamthaft werden in der Schweiz pro Jahr knapp 45'000 Tonnen Butter hergestellt. 

Will Migros provozieren?

Dass die Migros auf der Verpackung offensiv von «Rohstoffmangel» spricht, wird deshalb in der Branche teilweise als Provokation aufgefasst. Vielleicht will die Migros damit auch die Branchenorganisation Milch (BOM), die sie verlassen hat, der Unfähigkeit bezichtigen. Die Elsa geht auch sonst einen eigenen Weg. Sie bezahlt für ihre «nachhaltige Milch» keinen Zuschlag von 3 Rp./kg, sondern hat diesen per Anfang 2019 eingepreist. 

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