23.06.2017 14:09
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sam
Milchmarkt
Migros verlässt BOM!
Die Migros tritt per Ende Jahr aus der Branchenorganisation Milch (BOM) aus. Damit ist die grösste Schweizer Detailhändlerin und mit ihr Tochterunternehmen Elsa auch nicht mehr am Tisch der Branche. Die Elsa ist der viertgrösste Milchverarbeiter der Schweiz. Man habe gegen den Falschen geschossen, sagen Vertreter der Branche. Die BOM-Führung zeigt sich überrascht.

Die Migros zahle als einziger grosser Verarbeiter konsequent den Richtpreis der BO Milch von 65 Rappen/kg, betont die Zürcher Detailhändlerin. Man habe sich immer an die Regeln gehalten. Einzelne Akteure hätten die Diskussion um den Milchpreis für ihre Partikularinteressen genutzt und sich nicht an Abmachungen gehalten. 

Das genossenschaftlich organisierte Unternehmen mit Sitz in Zürich hält fest, dass man eine enge Partnerschaft mit seinen Produzenten pflege. Diese widerspiegle sich in langjährigen Verträgen und einem überdurchschnittlich hohen Produzentenpreis. Die Migros führt zudem aus, man wolle künftig die Energie dort einbringen, wo sie Wirkung erziele. Ränkespielchen und Profilierungsversuche überlasse sie anderen.

Für Elsa-Lieferanten ändert sich nichts


Die Migros sei sich ihrer Verantwortung gegenüber den Milchbauern bewusst. «Für die Milchlieferanten der Migros ändert sich durch diesen Entscheid nichts. Ihnen wird weiterhin einen Milchpreis bezahlt, der höher ist als der durchschnittlich ausbezahlte Preis für Molkereimilch gemäss der Erhebung des Bundesamtes für Landwirtschaft», streicht die Detailhändlerin hervor. Die Migros wird sich nun nicht mehr am BOM-Richtpreis orientieren.

Die Migros schlägt die Türe nicht ganz zu. So betont sie in ihrem Communiqué von Freitag, dass sie die Entwicklung des Milchmarktes auch ausserhalb der BOM «aufmerksam» verfolge. Mit Akteuren, die an einer positiven Entwicklung der Schweizer Milchwirtschaft interessiert sind, will die Migros weiterhin im Austausch bleiben. 

«Wir möchten unsere Energie künftig lieber direkt für die Bauern und die Konsumenten einsetzen», Stefan Gygli, Leiter Milchprodukte/Eier der Migros, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Einige Mitglieder der BOM hätten sich nicht mehr an die Spielregeln gehalten, etwa indem sie interne Informationen den Medien zugetragen hätten. Die Kritik sei ohnehin unbegründet gewesen. «Die Migros wurde zu Unrecht an den Pranger gestellt.» Sie bezahle einen höheren Milchpreis als der Durchschnitt der Branche und halte sich als einziger der grossen Abnehmer an den A-Milch-Richtpreis der BOM. Die Querelen um den Milchpreis, das Verhalten einzelner BOM-Mitglieder und die Darstellung in den Medien hätten «den Entschluss zum Austritt reifen lassen»

Kritik entstand nach BOM-Sitzung

In Kritik kam die Migros nach der jüngsten Vorstandssitzung der BOM. Der Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment wurde bei 65 Rappen pro Kilo belassen. Gemäss Informationen von des «Schweizer Bauer» haben nur Cremo und Emmi einen Antrag für die Erhöhung des Richtpreises mitgetragen. Der Coop-Vertreter, der offiziell zwar für eine Erhöhung gewesen wäre, fehlte wegen Ferienabwesenheit an der Sitzung.

Auf die Frage, ob die Migros wie Coop nun freiwillig den Milchpreis um 3 Rappen pro kg zu erhöhen bereit sei, teilte die Migros mit: «Die Migros bezahlt über die Elsa heute schon den vollen A-Milch-Richtpreis, ohne dabei ungerechtfertigte Abzüge zu machen. Die Migros hat sich in der Vergangenheit immer zu den Richtpreisen der BOM loyal gezeigt und wird dies auch in der jetzigen Situation und in der Zukunft tun.»

Boykott und Kritik von Mitbewerbern

Die Elsa ist die einzige grosse Molkerei, welche den A-Richtpreis von 65 Rp./kg franko Rampe einhält, während Emmi, Cremo oder Hochdorf teilweise sehr deutlich darunter liegen. Eine Gruppe um Emil Zwingli verschickte nach dem Entscheid der BOM ein SMS, welches dazu aufforderte, die Migros zu boykottieren, weil diese in der BOM gegen eine Richtpreiserhöhung gestimmt habe. 

Auch Emmi-Boss Urs Riedener kritisierte die Migros. In einem Interview mit «20 Minuten» schiebt er die Verantwortung dem Detailhandel zu. Diese würden Preisveränderungen durchsetzen. «Ich finde es sehr gut, dass Coop den Bauern ab Juli mehr bezahlt. Aber erst wenn auch die Migros als grösster Schweizer Milchverkäufer mit eigenem Verarbeitungsbetrieb nachziehen würde, würde es Bewegung geben», so Riedener.

Bigler bedauert Ausstieg - BOM überrascht


Gar keine Freude am Entscheid der Migros hat Ruedi Bigler, in der BOM Wortführer der Milchbauern: «Das ist für die BOM ganz schlecht. Es ist ein grosser Verlust für die Branche.» Es sei wichtig, dass die grossen Player mit am Tisch seien. «Vermutlich hat das Fass zum Überlaufen gebracht, dass man die Migros nach der letzten BOM-Vorstandssitzung dermassen kritisiert hat», vermutet Bigler. Damit habe man aber gegen die Falschen geschossen. Denn die Migros habe ja im Gegensatz zu anderen Akteuren den A-Richtpreis stets eingehalten.

Bei der BOM selber ist man überrascht und bedauert den Entscheid von Migros und Elsa ausserordentlich. «Wie es weitergehen soll, dazu kann ich noch nichts sagen, weil der Entscheid eben so überraschend kam», sagt BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler auf Anfrage von schweizerbauer.ch. 

BOM-Präsident: Ungerechtfertigte Anschuldigungen

Peter Hegglin, der Präsident der BOM, bedauert den Austritt der Migros aus der Branchenorganisation «ausserordentlich», wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. «Die Migros hat für die Branche eine grosse Bedeutung, sowohl als Verarbeiterin als auch im Handel», sagte er. Es sei wichtig, dass in einer Branchenorganisation alle grossen Teilnehmer eingebunden seien und mitdiskutierten.

Zu den Vorwürfen der Migros sagte der Präsident: «Die ungerechtfertigten Anschuldigungen nach dem Vorstandsentscheid gegen einzelne Mitglieder sind unfair gewesen.» Diese Haltung habe der Verband bereits im Mai kommuniziert. Inwiefern es zu Verstössen gegen die Spielregeln gekommen sei, könne er nicht sagen. Er werde auf jeden Fall das Gespräch mit Migros suchen: «Ich hoffe, dass ich sie vom Rücktritt abbringen kann.»

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