19.07.2017 16:01
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Milch: Aldi will 70 Rp./kg bezahlen
Es kommt Bewegung in den Milchmarkt. Bereits Ende Juli soll erstmals Milch mit dem Label «Fair Milk» in den Verkauf gelangen, berichtet die «Handelszeitung» in einem Vorabbericht.

Die Stimmung am Milchmarkt ist gelinde gesagt angespannt. Die Bauern kämpfen seit Monaten mit den Auswirkungen der tiefen Produzentenpreisen. Mit dem ausbezahlten Milchgeld für Molkereimilch können die Bauern kaum ihre Kosten decken.

Bei der letzten Richtpreisfestlegung kam es zum Eklat. Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) konnte sich nicht auf eine Richtpreiserhöhung einigen. Der Preis wurde für das 3. Quartal bei 65 Rp./kg belassen. Die verschiedenen Akteure (Händler/Verarbeiter) schoben sich die Schuld in die Schuhe.

Das Ganze gipfelte in der Folge mit Ankündigung der Migros, die BOM Ende Jahr zu verlassen. Damit ist die grösste Schweizer Detailhändlerin und mit ihr Tochterunternehmen Elsa nicht mehr am Tisch der Branche. Man habe sich immer an die Regeln gehalten. Einzelne Akteure hätten die Diskussion um den Milchpreis für ihre Partikularinteressen genutzt und sich nicht an Abmachungen gehalten, so die Migros. Für ihre Milchlieferanten ändere sich durch diesen Entscheid nichts.  

Der Bauernverband verlangte derweil im Mai, dass die Händler und Verarbeiter den Bauern den Richtpreis von 65 Rappen je Kilo Milch im A-Segment (geschützter Inlandmarkt) ausbezahlen. Auf ungerechtfertigte Abzüge respektive nicht ausgewiesene Abzüge (Frankenstärke, Butterabräumung) sei ab dem 1. Juli zu verzichten. Anfang Juli gab der Verband bekannt, welche Produzentenpreise die vier grössten Verarbeiter ausrichten. An der Spitze liegt die Migros-Tochter Elsa mit 59 Rp./kg, auf Rang 2 und 3 folgen Hochdorf und Emmi (rund 55 Rp.). Das Tabellenende ziert die Freiburger Cremo mit  

Nun geht Discounter Aldi in die Offensive. Ende Juli will das Unternehmen den Milchbauern einen Preis von 70 Rappen pro Kilogramm Milch garantieren – also 5 Rappen mehr als der Richtpreis für Molkereimilch vorsieht. Die Milch muss aber aus speziell tiergerechter Haltung stammen, welche die gesetzlichen Vorschriften übertrifft. Welche genau das sind, geht aus der Vorabmeldung der „Handelszeitung“ nicht hervor.

Erfreut ist der Schweizer Bauernverband. Man begrüsse die Pläne des Discounters sehr, erklärt eine Sprecherin. Die übrige Milchbranche müsse sich nun ebenfalls Gedanken über Fairness bei den Produzentenpreisen machen.

Coop will 3 Rappen mehr bezahlen

"Coop bekennt sich zu einem fairen Milchpreis und bezahlt ihren Milchbauern ab 1. Juli 2017 3 Rappen mehr", schrieb Coop in einer Mitteilung im Nachgang an den Entscheid der BOM, den Richtpreis für A-Milch nicht zu erhöhen. Von der verarbeitenden Industrie erwartet Coop, dass diese den Mehrbetrag vollumfänglich an die Bauern weitergibt. Coop kaufe keine Milch direkt ein und sei deshalb darauf angewiesen, dass die Molkereien eine Preiserhöhung auch effektiv an die Bauern weiter geben, teilte die Detailhändlerin Ende Mai mit.

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