12.06.2017 16:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Milch: Befürworten Sie «gezielte Aktionen»?
Die Milchbauern müssen mit Produzentenpreise vorliebnehmen, die ihre Kosten kaum decken. Deshalb hat der Schweizer Bauernverband vergangene Woche die Verarbeiter und Händler aufgefordert, ab Ende Monat einen Richtpreise ohne Abzüge zu entrichten. Werden die Forderungen nicht erfüllt, sollen «gezielte Aktionen» erfolgen. Was halten die von diese «Aktionen»? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Die finanzielle Lage von Milchbauern, die Molkereimilch produzieren, ist äusserst angespannt. Mit Produzentenpreisen zwischen 50 und knapp 60 Rappen können sie ihre Kosten kaum decken. In Anbetracht der schwierigen Lage auf den Bauernbetrieben seien die höheren Preise für Milch zwingend und mehr als gerechtfertigt, sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter vergangene Woche anlässlich einer Pressekonferenz in Bern.

Richtpreis ohne Abzüge

Seit Monaten könne er nicht kostendeckend Milch produzieren, doppelte SBV-Vizepräsident Hans Frei nach. Denn Milchbauern legten drauf: Die Vollkosten der Milchproduktion lägen im Tal bei mindestens 65 Rappen, «ohne Entschädigung der eigenen Arbeit und ohne Verzinsung des Eigenkapitals».

Gegenüber den Verarbeitern und Händler stellte Ritter eine unmissverständliche Forderung: Sie sollen den Bauern den Richtpreis von 65 Rappen je Kilo Milch im A-Segment (geschützter Inlandmarkt) ausbezahlen. Ungerechtfertigte Abzüge respektive nicht ausgewiesene Abzüge (Frankenstärke, Butterabräumung) darf es aus seiner Sicht ab dem 1. Juli nicht mehr geben. Protest-Aktion bei grösseren Unternehmen seien durchaus denkbar, sagte Ritter gegenüber schweizerbauer.ch vergangene Woche.

Nicht Milch auskippen

Sollten Verarbeiter und Händler dieser Forderung nicht nachkommen, will der Bauernverband «gezielte» Aktionen bei jenen Abnehmern durchführen, die den Milchbauern ihren Anteil an der Wertschöpfung weiter «verweigern». Dies teilte der Verband am Freitag mit.

Ritter machte in einem Interview mit schweizerbauer.ch aber deutlich, dass beispielsweise keine Milch ausgekippt werden soll. Dazu sei die Milch ein zu wertvolles Lebensmittel. Ziel sei es, dass die Konsumenten verstünden, weshalb die Bauern solche Aktionen durchführen würden. Die Aktionen werden gemäss Verband derzeit vorbereitet. Details will der SBV später kommunizieren.

77 Rappen wären nötig

65 Rappen pro Kilo machen gemäss der Vollkostenrechnung der landwirtschaftlichen Schule Hohenrain im Durchschnitt von 158 Milchwirtschaftsbetrieben im Talgebiet alleine die Fremdkosten aus. Die Arbeit der Bauernfamilien sei damit noch nicht bezahlt, schreibt der Bauernverband. Rechnet man einen Arbeitsverdienst von 28 Franken pro Stunde und die Direktzahlungen mit ein, dann müssten die Milchproduzenten rund 77 Rappen für den Liter Milch erhalten. Die Lage ist also bereits dramatisch, warnt der SBV.

Emmi wird an Abzügen festhalten

Der Bauernverband fordert einen Milchpreis ohne ungerechtfertigte Abzüge. Darunter zählt er Abzüge wegen der Frankenstärke oder der Butterabräumung. Der grösste Schweizer Milchverarbeiter wird dieser Forderung nicht nachkommen. «Wir behalten alle Abzüge bei», sagt Sprecherin Sibylle Umiker gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Der Produzentenpreis sei ein Durchschnitt aus drei unterschiedlichen Richtpreisen. «Wir benötigen teilweise niedrigere Milchpreise, um Marktanteile zu halten und um die dahinterstehenden Milchmengen absetzen zu können», sagte Umiker gegenüber Schweizer Bauer.

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