13.07.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Milch: «Grüner Teppich» wankt
Die Migros-Molkerei Elsa will den Milchpreis um 2,5 Rp. senken. Sie sagt, Mitbewerber hätten den Preis zuvor schon gesenkt.

Die Migros-Molkerei Elsa hat angekündigt, dass sie den Milchpreis per 1. Juli um 3 Rp./kg senken will. Um diese Senkung abzuwenden, führen der Schweizer Bauernverband, die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und die Elsa-Direktlieferantenorganisationen Gespräche mit den Migros-Verantwortlichen. Immerhin: Laut jüngsten Informationen des «Schweizer Bauer» scheint Elsa den Abschlag im Juli auf 2,5 Rappen reduziert zu haben.

«Wir sitzen auf Nadeln»

Die Preissenkung der Elsa bringt den «Grünen Teppich» der Branchenorganisation Milch (BOM) inklusive Zuschlag von 3 Rp./kg per 1. September 2019 als Ganzes in Gefahr. Das bestätigen verschiedene Gesprächspartner aus der Branche. Zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler letzte Woche: «Wir sitzen hier wie auf Nadeln.»

Denn in der BOM wurde der neue Nachhaltigkeitsstandard immer als Handel zwischen Bauern und Verarbeitern verstanden: Die Bauern erbringen Mehrwerte, die mit einem Nachhaltigkeitszuschlag abgegolten werden. Wenn jetzt Molkereien, die direkte Konkurrenten der Elsa sind, mit Verweis auf die Migros nicht bereit sind, ab 1. September den Nachhaltigkeitszuschlag zu bezahlen, könnten auch die Milchproduzenten aus dem «Grünen Teppich» aussteigen wollen – obwohl damit wohl alle verlieren würden und die Werbekampagnen der SMP zum Beispiel schon ganz auf dieser Schiene fahren.

Kein Zuschlag bei Elsa

Im Kopf haben muss man, dass die Elsa bereits per Anfang Jahr ihren Direktlieferanten einen zusätzlichen Kriterienkatalog für die Nachhaltigkeit auferlegt hat. Die Erfüllung dieses Katalogs hat sie aber mit 0,0 Rappen/kg abgegolten. Offenbar haben die Migros-Verantwortlichen nie im Sinn gehabt, die Erfüllung der neuen Nachhaltigkeit mit einem zusätzlichen Mehrpreis abzugelten.

Vielmehr geht es der Migros darum, mit den kommunizierten und überprüfbaren Mehrwerten Marktanteile zu verteidigen und den gegenüber der EU in der Schweiz höheren Preis halten zu können. Das ist eine andere Herangehensweise, als sie die BOM gewählt hat, die sagt: Die Zusatzleistungen der Bauern gelten die Molkereien mit einem Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rp./kg ab.

Elsa zahlte 7,5 Rp./kg mehr

Aus Sicht der Elsa-Konkurrenten stellt sich ein doppeltes Problem: Elsa hat ein Nachhaltigkeitsprogramm ohne Zuschlag eingeführt und senkt zwei Monate vor der Lancierung des Nachhaltigkeitszuschlags den Basispreis um über 2 Rp. Die Elsa aber hat eine andere Sicht der Dinge. Lukas Barth, Leiter Milchbeschaffung bei der Migros-Molkerei Elsa, betonte vor zwei Wochen gegenüber dem «Schweizer Bauer», dass die Mitbewerber (er denkt dabei wohl an Emmi, Cremo, Züger) den Milchpreis im Frühling stark gesenkt hätten und dass die Elsa den Basispreis wieder erhöhe, wenn die Preise im Herbst wie angekündigt steigen sollten.

Wahrscheinlich ist die Elsa nicht mehr bereit, so viel mehr als ihre direkten Wettbewerber zu bezahlen, wie sie es in den letzten Jahren und Monaten getan hat. Die Elsa sagt, sie habe im Mai 68 Rp. franko Rampe exkl. MwSt. bezahlt. Das BLW aber weist für Mai einen gewichteten Produzentenpreis für Molkereimilch im A-Segment von 58,4 Rp./kg ab Hof inkl. MwSt. aus. Zieht man die MwSt. ab und rechnet 3,6 Rp. für den Transport hinzu (Branchenstandard), kommt man auf 60,5 Rp. franko Rampe. Die Elsa zahlte also im Mai einen Preis, der weit über dem ihrer Mitbewerber lag.

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