10.08.2015 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Milch: Kieler Rohstoffwert auf Rekordtief
Die Verwertungsmöglichkeiten der Milch über Butter und Magermilchpulver haben sich im Juli weiter verschlechtert und den daraus theoretisch abgeleiteten Milchpreis in den Keller geschickt.

Gemäss aktuellen Berechnungen des Kieler Informationsund Forschungszentrums für Ernährungswirtschaft (ife), lag der Rohstoffwert für ein Kilogramm Standardmilch ab Hof mit 4,0% Fett und 3,4% Eiweiß im Juli 2015 nur noch bei 23,7 Cent (25,4 Rp./kg). Damit wurde das bisherige historische Tief von 23,9 Cent/kg im Mai 2012 unterboten. Im Vergleich zum Vormonat verringerte sich der kalkulierte Milchwert um 0,8 Cent/kg oder 3,3%. Das Vorjahresniveau wurde um 13,0 Cent/kg (13,9 Rp./kg) beziehungsweise 35,4% verfehlt.

Verantwortlich für das jüngste Nachgeben des Rohstoffwerts war einerseits der Preisrückgang am Milchpulvermarkt: Für 100 kg Magermilchpulver erhielten die Hersteller im Juli durchschnittlich 167,10 Euro (178,80 Fr.). Das waren 6,30 Euro (6,75 Fr.) oder 3,6% weniger als im Vormonat. Umgerechnet auf die in der Pulverherstellung eingesetzte Milch ergab sich damit eine um 0,6 Cent/kg auf 12,6 Cent/kg (13,5 Rp./kg) verschlechterte Rohstoffverwertung.

Gleichzeitig hat auch das Milchfett weiter an Wert verloren: Die durchschnittliche Butternotierung belief sich im Juli auf 288,80 Euro/100kg (309 Fr./100 kg). Das waren 3,20 Euro oder 1,1% weniger als im Juni. Dadurch verschlechterte sich die Verwertung der eingesetzten Rohmilch über die Fettkomponente binnen Monatsfrist um 0,3 Cent/kg auf 12,3 Cent/kg. Werden beide Wertkomponenten zusammengefasst, belief sich der Milchwert frei Rampe Molkerei im Juli auf 25,1 Cent/kg (26,8 Rp./kg). Nach Abzug der unterstellten Erfassungskosten von 1,4 Cent/kg hatte die Milch auf Produzentenstufe theoretisch einen Wert von 23,7 Cent/kg (25,4 Rp./kg).

Da jedoch beispielsweise Käse und Frischmilchprodukte in der Kalkulation nicht enthalten sind und zudem längerfristige Lieferkontrakte mit festen Preisvereinbarungen zwischen Herstellern und Abnehmern oder tatsächliche Exportpreise ebenso unberücksichtigt bleiben wie Investitionen oder andere Produktionskosten, entspricht der Rohstoffwert laut ife nicht dem gegenwärtigen Auszahlungspreis einer Molkerei. Er ist aber den Marktexperten zufolge ein starker Indikator für die zukünftige Milchpreisentwicklung.

Umrechnungskurs: 1 Euro = 1,07 CHF (10-8-15)

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