5.02.2014 17:51
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milch
Milch: Produzentenpreis schwankt deutlicher
Im Jahr 2013 war der Produzenten-Milchpreis aussergewöhnlich volatil, nachdem er 2011 und 2012 eher in ruhigen Bahnen verlaufen war. Damit nähert sich die Schweiz bei den Preisschwankungen den Nachbarländern immer mehr an. Bei einer allfälligen Öffnung des Binnenmarktes dürften die Schweizer Bauern stärker noch betroffen sein.

Aufgrund des geringeren Angebots und der grossen Nachfrage habe der Produzentenpreis für Milch im Jahr 2013 eine neue Volatilitätsspitze erklommen, schreibt der Fachbereich Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) im jüngsten Marktbericht Milch. Die Volatilität drückt die Abweichung der Monatspreise vom Jahresdurchschnitt aus.

So hoch wie 2013 war die Volatilität letztmals im Jahr 2008, das von einer weltweiten Rohstoffknappheit geprägt war. 2009 und 2010 bildeten sich die Schwankungen zurück. Im vergangenen Jahr hingegen erhöhten sich die Schwankungen aufgrund des geringeren Angebots und der höheren Nachfrage markant. Zwischen dem Jahr 2000 und 2006 hingegen wurden in der Eidgenossenschaft keine nennenswerten Preisschwankungen beobachtet.

Nachbarländer ein Jahr früher

Auch die Milchpreise in den Nachbarländern der Schweiz zeigten sich im beobachteten Zeitraum volatil. Im Vergleich zur Schweiz wurden die grössten Schwankungen bereits 2007 (CH: 2008) beobachtet. Die Marktexperten führen dies auf das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern zurück. Mit einem Variationskoeffizienten von 17 Prozent fällt Preisvolatilität in Deutschland stärker aus als in den anderen beobachteten Ländern. Wie auch in der Schweiz begannen die Preise 2013 in den beobachteten Ländern wieder stärker zu schwanken.

Methode

In der vorliegenden Analyse wird mit der Volatilität der Ausschlag und die Häufigkeit von Schwankungen des Produzentenpreises für Milch in einem gegebenen Zeitraum gemessen. Die annualisierte Volatilität drückt die Abweichung der Monatspreise vom Jahresdurchschnitt aus. Als Indikator für die Volatilität wird der Variationskoeffizient gewählt, d. h. das Verhältnis zwischen Standardabweichung und Mittelwert, ausgedrückt in Prozent. So weist ein hoher Variationskoeffizient auf eine starke Volatilität hin. Beispiel: Die Volatilität für das Jahr 2008 entspricht den Preisschwankungen über den Zeitraum von Januar bis Dezember 2008. Nach einer Periode ohne nennenswerte Schwankungen (2000 bis 2006) wird zwischen 2007 und 2010 eine ausgeprägtere Volatilität beobachtet.

Butterlagerbestände und Milchpreis

Die BLW-Marktexperten haben zudem auch das Verhältnis von Butterbeständen und Milch in der Schweiz analysiert. Im Berichtszeitraum wird meist eine gegenläufige Tendenz zwischen Butterlagerbeständen und Rohstoffpreis (Rohmilch) beobachtet (siehe Grafik). So werden in Jahren mit geringen Lagerbeständen hohe Milchpreise ausgewiesen, bei grossen Lagerbeständen jedoch tiefe Preise.

Im Jahresmittel wuchsen die Butterlagerbestände zwischen 2008 und 2011 im Vergleich zu den geringen Mengen der beiden Vorjahre deutlich. In den vergangenen zwei Jahren sanken die Lagerbestände massiv und erreichen 2013 den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Der stärkste Anstieg der Lagerbestände seit 2006 wird 2009 verzeichnet (+2419 Tonnen), dem Jahr also, in welchem der grösste Rückgang des Produzentenpreises für Industriemilch beobachtet wurde (–13,78 Rp./kg). Eine Abweichung dieses Trends habe sich nur 2008 ereignet, als Preis und Lagerbestände eine Erhöhung erfuhren, heisst es weiter.

Schwankungen nehmen zu

Wird die Volatilität mittels Abweichungen vom Mittelwert zwischen Januar 2006 und Oktober 2013 beobachtet (nicht annualisiert), sind die Schwankungen in Deutschland am stärksten. Der Schweizer Milchmarkt werde jedoch immer mit stärkeren Schwankungen des Produzentenpreises konfrontiert, heisst es im Bericht.

Mit einem Variationskoeffizienten von 10 Prozent fällt die Volatilität des Schweizer Milchpreises nur wenig schwächer aus als in Österreich und Frankreich. „Mit der zunehmenden Öffnung des Binnen-marktes können sich Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage am Weltmarkt leichter niederschlagen als früher“, betonen die Analysten.

 

 

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