12.09.2016 13:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
Milch: Talsohle durchschritten
An den europäischen und den Weltmärkten zeigen die Preiskurven wieder nach oben. Dies hätte teils auch positive Wirkungen auf die Schweiz. Bis es aber soweit ist, dürfte es noch dauern.

Nach monatelanger Talfahrt scheinen sich nun erste Silberstreifen am Horizont der Milchmärkte abzuzeichnen. Zumindest auf internationalem Niveau liest man vermehrt, dass Preise oder Indizes im Steigen begriffen sind. So kam es an dem als Weltmarktpreis-Indikator geltenden Global Dairy Trade (GDT) vergangene Woche zum dritten Mal in Folge zu einem deutlichen Anstieg der Notierungen.

Preiserholung noch verfrüht

Der Gesamtindex, in dem eine Bandbreite von verschiedenen Molkereiprodukten und Kontrakt-Zeiträumen zusammengefasst sind, erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 7,7 Prozent.

Im österreichischen News-Portal «aiz.info» zeigen sich Experten unterschiedlich in der Beurteilung der Lage. Eine weltweit grössere Nachfrage bei knapperem Angebot, vor allem auch in China, sei aber feststellbar. Aber von einer generellen Preiserholung zu sprechen, sei verfrüht.

Das sagt Emmi

International: Ja, wir stellen seit Längerem fest, dass sowohl der Global Dairy Trade Index als auch der IFE-Rohstoffwert ansteigen.

Schweiz: Teilweise ja. Der Molkereimilchpreisindex für A-Milch beinhaltet auch die internationale Preisentwicklungen. Daher werden die steigenden Preise im Ausland den Index positiv beeinflussen. Aktuell liegt der Richtpreis für A-Milch noch deutlich über dem Index. Daher wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis der A-Richtpreis reagiert. rab

Kieler Rohstoffwert steigt

In Europa jedenfalls scheint sich die Situation ebenfalls zu entspannen. Der Kieler Rohstoffwert Milch, ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung bei Molkereiprodukten in Deutschland und Europa, verzeichnet seit einem halben Jahr wieder einen Aufwärtstrend.

Seit dem Tiefstand im März 2016 mit 19,8 Cent/kg (21.6 Rp.) lag er im August wieder bei 27,5 Cent (30 Rp.), wie das Institut für Ernährungswirtschaft mitteilt. Wie beim GDT, so ist auch an der Börse in Kiel (D) insbesondere die derzeit gute Nachfrage nach Butterfett wesentlich für den Preisanstieg mitverantwortlich. In der Folge hoben die ersten namhaften europäischen Verarbeiter ihre Produzentenpreise an.

Das sagt Cremo

International: Wir teilen die Auffassung, wonach auf den internationalen Milchmärkten ein positiver Trend zu beobachten ist. Von einer Trendwende würden wir aber erst dann sprechen, wenn sich diese als nachhaltig erweist, was sich im Laufe der kommenden Monate zeigen wird. Gerade auch mit Blick auf die Jahre 2014/2015 ist es angezeigt, nicht vorschnell von einer Trendwende zu sprechen.

Schweiz: Der zu beobachtende Trend auf den internationalen Märkten dürfte sich aufgrund der teilweise offenen Grenzen in einem bestimmten Masse auch auf die Schweiz übertragen lassen. rab

«Zuerst Nachholbedarf»

Auch in der Schweiz ist von verschiedenen Seiten von Morgenröte oder Trendwende die Rede. Wie aber ist diese positive Entwicklung für die Schweizer Milchproduzenten einzuordnen? Der «Schweizer Bauer» fragte bei den «grossen vier» nach. Emmi, Elsa, Cremo und Hochdorf vereinen zusammen 60 Prozent der Schweizer Milchmenge und sind entsprechend vielseitig auf den Märkten präsent.

Demnach ist man sich einig darin, dass die Talsohle zumindest im internationalen Umfeld durchschritten ist. In der Beurteilung für den Schweizer Markt gehen die vier Molkereien aber auseinander. Sicher scheint aber auch, dass es seine Zeit brauchen wird, bis der Inlandmarkt auf Preisentwicklungen in Europa und in der übrigen Welt reagieren wird.

Teilweise wittern die Verarbeiter nun auch die Gelegenheit, um die Preisdifferenz zwischen der Schweiz und dem Ausland auszugleichen, um so Einkaufstourismus und Billigimporten entgegenwirken zu können.

Das sagt Hochdorf

International: Es scheint tatsächlich so, dass die Talsohle durchschritten ist. Mehrere Preise für Milchprodukte und auch die Rohstoffpreise haben in den letzten Wochen nach oben tendiert. Eine erste Trendwende ist sicher bereits Tatsache. Weil die Lager (v.a. Magermilchpulver der europ. Intervention) aber immer noch gut gefüllt sind, sind wir vorsichtig in der Einschätzung der weiteren Preisentwicklung.

Schweiz: Die internationalen Preiserhöhungen spiegeln sich zunächst einmal im B- und im C-Milch-Preis wider. Die Differenz zum A-Milch-Preis ist nach wie vor sehr gross und der Druck ausländischer Milchprodukte nach wie vor sehr hoch. rab

Das sagt Migros

International: Es gibt Anzeichen dafür, dass die Talsohle auf den internationalen Märkten nicht nur erreicht, sondern auch  durchschritten ist. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, lässt sich aber im Moment noch nicht beurteilen. Zudem bewegen sich die Milchpreise auf den internationalen Märkten nach wie vor auf sehr tiefem Niveau.

Schweiz: Die Preise auf den internationalen Märkten und besonders in der EU wirken sich stark auf den Schweizer Milchmarkt aus. Eine nachhaltige Erholung dieser Preise wird aber in der Schweiz erst mit Verzögerung wirken und nur dann, wenn sie auch substanziell ist. Denn es besteht Nachholbedarf: Der Preisabstand zum umliegenden Ausland muss sich nun zuerst wieder auf einem vernünftigen Niveau einpendeln. Die momentan bestehenden Wettbewerbsnachteile aufgrund der sehr grossen Preisdifferenzen können vor dem Hintergrund des weiterhin starken Einkaufstourismus und des Importdrucks durch günstige Produkte kein Dauerzustand sein. rab

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE