22.08.2018 12:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Milch: Wird der Richtpreis erhöht?
Am Mittwoch tagt der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM). Dieser entscheidet über den Richtpreis der Industriemilch im A-Segment für das 4. Quartal. Dieser liegt derzeit bei 68 Rp./kg. Entscheidbereit ist auch ein einheitlicher Grundstandard für nachhaltige Milch, der oft als «grüner Teppich» bezeichnet wird.

In den vergangenen Monaten hat die Trockenheit der Schweizer Landwirtschaft zugesetzt. Betroffen sind auch die Milchproduzenten. Aufgrund von Futtermangel sind sie gezwungen, Winterfutter zu verfüttern, da auf den Weiden und Wiesen kein Gras mehr wächst. 

Die Bauern könnten Heu zukaufen, doch dieses ist aufgrund der fast europaweiten Trockenheit Mangelware und entsprechend teuer. Durch den Mangel an Futter und dessen minderen Qualität sinken auch die Milcheinlieferungen. Die Milchbauern haben also geringere Erlöse und höhere Kosten. 

Höherer Preis statt Zuschlag

Deshalb fordern der Schweizer Bauernverband (SBV) wie die Organisation BIG-M höhere Preise. Die Notwendigkeit eines höheren Milchpreises zur Abfederung der Mehrkosten für die Fütterung ist aus der Sicht des Bauernverbandes unbestritten. «Der SBV fordert die Branchenorganisation Milch auf, entsprechende Beschlüsse zu fassen», teilte der Verband am Freitag mit.

Vor rund zwei Wochen forderte der SBV noch einen befristeten Solidaritätsbeitrag (bis zum 30. April 2019) von fünf Rappen pro Kilo Industriemilch. Zudem wurde eine Einstellung sämtlicher Abzüge gefordert. Mit diesem Beitrag wollte sich der Verband an die Konsumenten wenden.

Nun ist der Solidaritätszuschlag kein Thema mehr. Der SBV erwarte einen höheren Milchpreis. «Wie dieser Aufschlag umgesetzt wird und wie man diesen Mehrpreis benennt, ist für uns nicht entscheidend», sagt Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte und Ökologie beim Bauernverband, gegenüber schweizerbauer.ch. Zentral sei, dass viele Milchproduzenten rasch profitieren könnten.

Richtpreis soll 10 Rappen steigen

Konkreter wird die Bauernorganisation Big-M. Eine Anhebung um 10 Rappen sei das Gebot der Stunde, schreibt Big-M in ihrem jüngsten Newsletter. Ansonsten würden in einigen Gebieten viele Betriebe das Melken einstellen müssen.

Begründet wird die Forderung nach einem markant höheren Milchpreis mit den sinkenden Einlieferungen, der angespannten finanziellen Situation vieler Bauernbetriebe und höheren Kosten infolge von Futterzukäufen.  Im Talgebiet liegen gemäss Big-M die Produktionskosten bei 97 Rappen pro Kilo, die Bauern erhalten aber nur zwischen 61 und 64 Rappen.

Der Richtpreis für industriell verarbeitete Molkereimilch im A-Segment liegt bei 68 Rappen je Kilo Rampe. Der A-Richtpreis wurde letztmals im 4. Quartal 2017 um 3 Rappen erhöht.

Kommt branchenverbindlicher Grüner Teppich?

Entscheidbereit an der Vorstandssitzung ist auch ein einheitlicher Grundstandard für nachhaltige Milch, der oft als «grüner Teppich» bezeichnet wird. Die Migros-Molkerei Elsa, die dabei vorausging, verlangt ab 2019 die Teilnahme an einem der Tierwohlprogramme BTS und Raus. Spannend wird sein, ob die BOM sich an die Elsa-Kriterien anlehnen wird. Die Migros selbst ist aus der BOM ausgetreten. 

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