18.01.2019 09:17
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchbauern fordern höhere Preise
Angesichts der sehr schlechten Futterernte und den auch dadurch gestiegenen Produktionskosten haben der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) höhere Milchpreise für die Produzenten gefordert.

Auf Unverständnis stiess bei beiden Organisationen die kürzlich vom Deutschen Bauernverband (DBV) genannte Mindestpreiserwartung an die Molkereien von 33 Cent/kg Milch (37.6 Rp.), an der die Molkereien 2019 „gemessen werden“ sollten.

Preissenkung „skandalös“


Damit sei die Messlatte im Vergleich zu dem am Jahreswechsel ohnehin schon abgesenkten Milchpreis von durchschnittlich rund 35 Cent/kg (39.9 Rp.) noch tiefer gelegt worden, monierte der BDM am vergangene Woche. Dabei würden Experten aufgrund stark gestiegener Futter- und Energiekosten mit einem Anstieg der Produktionskosten um rund 4,5 Cent (5.1 Rp.) pro Kilogramm Rohmilch rechnen. Was die Milchviehhalter also dringend bräuchten, seien deutlich höhere Milcherzeugerpreise, betonte der BDM. Dabei könne auch die dürrebegingt zu erwartende Verringerung der Milchanlieferungen helfen. Dass die Molkereiwirtschaft in dieser Situation die Preise senke, sei „skandalös“. 

Die AbL wies darauf hin, dass der von der Milcherzeugergemeinschaft MEG Milchboard veröffentlichte Milchmarkerindex schon seit Jahren Milcherzeugungskosten vonmehr als 40 Cent/kg ausweise, die fortdauernd über den Erlösen lägen. „Nach zwei Jahren Milchkrise und der Dürre 2018 benötigen wir Milchbauern dringend Gewinne“, betonte auch die stellvertretendeAbL-Bundesvorsitzende Lucia Heigl.

Kritik an Auslagerung

Anders als der Deutsche Bauernverband übte der BDM auch Kritik am Umgang der Europäischen Kommission mit den Interventionsbeständen an Magermilchpulver. Er sprach von einer „verlustreichen Auslagerung“ eines grösseren Teils des in der Milchmarktkrise eingelagerten Pulvers. Diese habe den Milchpreis und damit die Erlöse der Milchbauern unter Druck gesetzt. 

Der Bauernverband hatte dem gegenüber kürzlich anerkannt, dass es der EU-Kommission mit einer aggressiven und erfolgreichen Verkaufspolitik gelungen sei, die Milchpulverbestände im Jahr 2018 um deutlich mehr als 270'000 t zu reduzieren, bei gleichzeitig stabilen bis leicht steigenden Produzentenpreisen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter forderte die Molkereiunternehmen auf, mit Blick auf die aktuelle Marktsituation von bereits angekündigten weiteren Milchpreissenkungen Abstand zu nehmen.

Lidl-Werbung „unverschämt“

Heigl wies darauf hin, dass das Institut für Ernährungswirtschaft (ife) für das Frühjahr 2019 einen Rückgang der Milchmenge von 1% oder mehr als Spätfolgen der letztjährigen Dürre prognostiziert habe. „Dies muss sich doch mit den dürrebedingt hohen Futterkosten im Milchpreis widerspiegeln“, so Heigl. Der Biomilchbauer und AbL-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Bernd Schmitz, kritisierte den Handel. Diesem scheine ein ausreichend hohes Preisniveau völlig egal zu sein. 

Die Werbung des Discounters Lidl auf Großplakaten für hochwertige Biomilch für weniger als 1 Euro (1.14 Fr.) bezeichnete Schmitz als „unverschämt“. Tierwohl, höchste Futterqualitäten und der Schutz der Umwelt bei der Biomilchproduktion erführen so nur Missachtung. Schmitz beklagte, dass „die Konsequenzen nach verdorrten Weiden und notwendigen Futterzukäufen bei einigen Marktpartnern völlig ignoriert werden“. Der richtige Weg wäre, mit höheren Preisen zu werben, damit die Biomilchbauern ihre Qualitäten und das Wohl der Tiere auch honoriert bekämen.

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