14.03.2018 09:08
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Milchbauern kritisieren «Verschleuderung»
Das European Milk Board (EMB) hat der Europäischen Kommission die „Verschleuderung“ der Interventionsbestände an Magermilchpulver zu Niedrigstpreisen vorgeworfen. Das EMB wies vergangene Woche darauf hin, dass die EU-Behörde Ende Februar über 4'300 t Magermilchpulver zu einem festgelegten Minimumpreis von 110 Euro/dt (129 Fr.) verkauft habe.

Dies sei bis jetzt der niedrigste Verkaufspreis sowie die höchste Menge an verkauftem Magermilchpulver seit Beginn der Ausschreibungen. Zudem werde damit die Forderung, Interventionsbestände marktunschädlich abzubauen und Magermilchpulver nicht unter Wert zu verkaufen, konterkariert.

EMB-Präsident Romuald Schaber zeigte sich empört über die Vorgehensweise der EU-Kommission. Man bekomme den Eindruck, dass EU-Agrarkommissar Phil Hogan versuche die Lagerbestände loszuwerden, „ohne nach rechts und links zu schauen“, so seine Kritik. Schaber monierte ausserdem, dass das Verschleudern von Milchpulver in der aktuellen Marktsituation brandgefährlich sei und die Bedingungen für die Milchbauern verschärfe. Nach Angaben des
EMB wurden seit Dezember 2016 in 17 Ausschreibungsrunden insgesamt 6'421 t Magermilchpulver verkauft. Nach wie vor lagerten jedoch noch rund 380'000 t in der europäischen Intervention.

Der aktuelle Marktpreis sei bereits auf 137 Euro/dt (160 Fr.) gesunken. Laut Schaber entspricht schon der im Dezember 2016 fixierte Minimumpreis von 215,10 Euro/dt (251 Fr.) nicht dem eigentlichen Produktionswert. Mit der kontinuierlichen Absenkung des Verkaufspreises auf nun 110 Euro/dt (129 Fr.)setze die Politik weiterhin die falschen Signale, beklagte der EMB-Präsident. Dem Verband zufolge befinden sich die Milchpreise nach einer kurzen Erholungsphase bereits wieder in einem Abwärtstrend.

Mit der sich abzeichnenden Produktionssteigerung in den nächsten Monaten steuerten Europas Milcherzeuger sehenden Auges der nächsten Krise entgegen. Die Vizepräsidentin des EMB, Sieta van Keimpema, erinnerte Agrarkommissar Hogan daran, seine Zusage umzusetzen und ein erneutes Mengenreduktionsprogramm inklusive Deckelung der Produktionsmengen, wie es im Marktverantwortungsprogramm des EMB vorgeschlagen sei, einzuführen.

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