29.04.2015 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Milchbauern sind in viel zu hohen Kosten gefangen»
Die Branchenorganisation Milch (BOM) traf sich am Dienstag in Bern zur Delegiertenversammlung. Ein Thema waren die hohen Kosten.

BOM-Präsident Markus Zemp erstaunt es, dass die öffentliche Diskussion sich wieder stark um die Kosten dreht. Das eigentliche Problem sei, so Zemp an der DV, dass es trotz hohem Strukturwandel nicht genügend gelinge, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die Diagnose von Zemp lautet: «Die Milchwirtschaft ist gefangen in viel zu hohen Kosten in den Bereichen Bauen, Maschinen, Einrichtungen, Hilfsstoffen, Landfläche usw.»

Höhere Kosten

Laut Zemp wäre hier die Politik gefordert. Im Anschluss an die DV war folgendes Beispiel zu hören: Der genau gleiche Melkroboter kostet in Deutschland 120'000 Euro, in der Schweiz aber 190'000 Fr. Wer den Roboter direkt in die Schweiz importiere, dem werde aber der Service verweigert. Nordostmilch-Präsident Robert Bischofberger machte kürzlich in Salez SG folgendes Beispiel: «In Österreich kostet das Reparieren der Melkmaschine 30 bis 40 Fr. pro Stunde, in der Schweiz sind es 90 bis 110 Fr.»

Richtpreise

«Die Richtpreise sind keine Fantasiepreise», betonte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler. Er belegte dies für 2014 mit  dem A-Richtpreis BOM (71 Rp./kg) und dem laut BLW durchschnittlich tatsächlich ausbezahlten Produzentenpreis für A-Milch (67,04 Rp.). Vom A-Richtpreis müsse man immer die Transportkosten abziehen. Im B-Segment entsprach der vom BLW beobachtete Preis fast dem B-Richtpreis. Markus Zemp forderte zur Einhaltung der Richtpreise auf, am liebsten würde er das befehlen. sal

Segmentierung in der Kritik

BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler verteidigte die Segmentierung. Er wisse aus Gesprächen, dass der Milchpreis für Produkte im A-Segment ohne Segmentierung um einige Rappen tiefer läge als heute. Die Segmentierung erhöhe die Wertschöpfung und schaffe Transparenz, könne aber die grundlegenden Probleme im Milchmarkt nicht lösen.

Lob für Lactofama

In der Tat sei es eine Schwachstelle der Segmentierung der BOM, dass keine C-Milch angegeben werde, wenn die Lactofama nicht aktiv sei. Das gab BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler an der DV zu. Der Markt sei diesbezüglich offensichtlich einfach stärker als das Reglement. BOM-Präsident Markus Zemp äusserte sich verhalten positiv zur Lactofama: «Zur rechten Zeit richtig angewandt, wie etwa im April 2014, verhindert die Lactofama zusätzlichen Preisdruck auf die Segmente A und B.» sal

Prolait-Präsident Marc Benoît widersprach vehement: «Die Segmentierung hat keinerlei Wirkung auf den Milchmarkt. Sie ist nur eine Statistik.» Schoggigesetz und Verkäsungszulage z.B. seien bezüglich Preise viel wirkungsvoller, betonte er. Sichtlich besorgt mahnte Benoît eindringlich: Beim aktuellen Milchpreis würden auch modern eingerichtete Betriebe mit hohen Mengen aufgeben, weil die Kosten nicht gedeckt seien.

85'569 Fr. fehlen

Nicht alle haben seinerzeit 1Rp./kg in den Fonds Marktentlastung einbezahlt. Im Jahr 2014 trieb die BOM-Geschäftsstelle 131'000 Fr. ein. Per Ende 2014 waren aber immer noch Forderungen in der Höhe von 85'569 Fr. offen. Laut Hinweisen an der Delegiertenversammlung sind es etwa bernische Käsereigenossenschaften, welche die Einzahlung verweigern. Remo Siegenthaler, Delegierter der Miba, mahnte, die Forderungen nicht abzuschreiben. Es gehe dabei ums Prinzip. sal

 

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