2.03.2013 09:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Heidy Beyeler
Milchmarkt
Milchbauern verlangen einen Neuanfang
An der Kreisversammlung fielen klare Worte. Nachdem die Verbandsspitze der Schweizer Milchproduzenten (SMP) Anfang Februar ihren Rücktritt bekannt gab, fordert die Basis einen Neuanfang statt einen Umbau.

Hanspeter Kern, Präsident der Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost VMMO, eröffnete die Kreisversammlung und informierte über das vergangene Jahr. Milchmenge, Milchpreis und die Agrarpolitik standen im Mittelpunkt. Kern präsentierte Statistiken, die in etwa den Vorjahren entsprachen. Das Einkommen der Milchbauern ging weiter zurück und liegt im Durchschnitt bei etwa 42'000 Franken.

Milchbauern geschwächt

Der Verlust der tierbezogenen Beiträge, wie dies vom Parlament für die AP 2014-17 beschlossen wurde, würde die Milchwirtschaft weiter schwächen, hiess es. «Die ökologische Ausrichtung wird verstärkt. Damit wird auf Leistungsabgeltung statt auf Einkommenssicherung gesetzt», kritisiert Kern.

Im Anschluss an die Informationen zur Milchmarktsituation von Markus Berner ging Kurt Nüesch, Vizepräsident SMP, auf die Veränderungen an der Verbandsspitze ein. Das Rennen um die frei werdenden Posten im Präsidium und in der Geschäftsleitung sei nun lanciert. Dabei stellte Nüesch die provokative Frage: «Braucht es die SMP noch? Wenn ja, welche Aufgaben soll sie wahrnehmen?» Für ihn gebe es vier Positionen, die für den Verband infrage kämen: Politik und Gesellschaft; Basismarketing für Milch und Milchprodukte; Informationen und Dienstleistung für die Milchproduzenten – und der Milchmarkt? Beim Stichwort Milchmarkt meinte Nüesch: «Da soll sich die SMP raushalten.»

Weisse Linie öffnen

Unverständnis wurde in Bezug auf die Öffnung der Grenzen für die weisse Linie (Milch und Milchprodukte ohne Käse) zur EU geäussert, die von der Cremo gefordert wurde. Es sei unglaublich, dass ausgerechnet ein Milchverarbeitungsunternehmen, das im Besitze der Bauern sei, mit diesem Ansinnen den Milchbauern in den Rücken falle, wurde kritisiert. Das sei doch Beweis genug dafür, dass die Milchbranche nicht zusammenhalte.

Hanspeter Kern bestätigte gegenüber den Mitgliedern seine Kandidatur als SMP-Präsident. «Ja, ich bin bereit, mich zur Verfügung zu stellen», bekräftigt er. Aus dem Publikum gab es klare Kritiken gegenüber den SMP. «Eigentlich wären die SMP die Vertreter von uns Milchproduzenten, da frage ich mich, was haben die Milchverarbeiter im Verband zu tun? Ich fühle mich jedenfalls vom Verband nicht vertreten.»

Angeregte Diskussion

Es müsse einen Neuanfang geben, wurde gefordert. Kern ist ebenfalls dieser Meinung und sagt: «Wir brauchen neue Formen in der SMP.» Ein Votant präzisierte: «Wir brauchen einen kompletten Neuanfang, es reicht nicht, dass der Verband besser werden will.» Da gelte es aber zuerst einmal, eine Einheit unter den Produzenten herzustellen.

«Wir müssen zusammenhalten und ehrlich sein miteinander, sonst kommen wir nicht vom negativen Image weg», sagt Hanspeter Kern und warnt: «Wir sind bald an dem Punkt angelangt, an dem die Industrie erkennt, dass sie langsam zu den Bauern Sorge tragen muss, damit diese auch in Zukunft noch genügend Milch abliefern können.»

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