18.01.2016 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
Milchkonzerne zerstören Kooperativen
Die aktuelle Milchpolitik der Europäischen Union bedroht mittlerweile nicht nur die Existenz vieler Betriebe in ganz Europa, sondern setzt auch die bäuerliche Milchproduktion global unter Druck.

Diese Kritik hat der südindische Milchbauer Kannaiyan Subramaniam geübt, der auf Einladung des Food First Informations- und Aktions-Netzwerks (FIAN) eine Rundreise durch Europa machte, bei der er auch Station in Wien einlegte.

Subramaniam wies dort bei einem Treffen mit Gegnern der EU-Milchpolitik darauf hin, dass der genossenschaftlich organisierte Milchmarkt in Indien durch Aktivitäten aus der EU immer stärker in Schwierigkeiten gerate. Private Molkereien, die es parallel zu den Genossenschaften auch in Indien gebe, würden von grossen europäischen Unternehmen aufgekauft.

Erst kürzlich habe die französische Unternehmensgruppe Lactalis eine grosse private Molkerei aus Andra Pradesh übernommen, teilte der Landwirt mit. Damit werde in seinem Heimatland das System der Kooperativen wissentlich auch von europäischen Konzernen „zerstört“. Nun sei zu befürchten, dass sich dieser Trend durch das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien noch verstärken werde. Vor allem der EU-Dachverband des Milchhandels (Eucolait) dränge vehement auf eine Öffnung des indischen Marktes.

Subramaniam berichtete von einem relativ gut funktionierenden Milchmarkt in Indien, der auf einem Genossenschaftssystem sowie kleinbäuerlicher Produktion aufbaue. Im Schnitt würden fünf Kühe pro Hof gehalten, oftmals in Hinterhöfen. Rund 70% des indischen
Milchmarktes liege in den Händen dieser kleinen Betriebe, die damit etwa 25% des landwirtschaftlichen Bruttosozialprodukts erwirtschafteten.

Der Obmann der österreichischen IG Milch, Ewald Grünzweil, untermauerte die Berichte des indischen Milchbauern. Das Beispiel Indien zeige, dass Exporte die bäuerliche Milchproduktion in anderen Teilen der Welt zerstörten, und den EU-Milchbauern sei mit einer Exportoffensive nach Indien oder China auch nicht geholfen. Gebraucht werde vielmehr der Mut zu einer Mengensteuerung, zur Drosselung der Produktion und zum Aufbau neuer und solidarischer Vermarktungswege.

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