5.06.2016 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchkrise
Milchkrise: Iren weisen Schuld von sich
Die irischen Milchbauern haben nach eigener Überzeugung keine Schuld an der aktuellen Milchpreiskrise. Nach Ansicht des Präsidenten des irischen Milchbauernverbandes (ICMSA), John Comer, sahen sich die Bauern vielmehr gezwungen, mehr Milch zu produzieren, um weiterhin Einkommen zu erzielen.

Comer reagierte mit dieser Feststellung in der vergangenen Woche auf die Forderung von EU-Agrarkommissar Phil Hogan, dass die Landwirte ihrer Mitverantwortung bei der Schaffung eines Gleichgewichtes am Milchmarkt gerecht werden müssten.

Der ICMSA-Präsident wies darauf hin, dass die Produzentenmilchpreise seit Anfang 2014 um 40 % gesunken seien, während sich die Milchprodukte für die Verbraucher nur um 2 % verbilligt hätten. „Die Gewinnmarge der Landwirte ist von den stärkeren Gliedern in der Vermarktungskette aufgefressen worden“, beklagte Comer gegenüber der Tageszeitung „Irish Independent“. Er geht davon aus, dass die Erzeugerpreise auch den Rest des Jahres unter den Produktionskosten von 28 Cent (30,8 Rp.) pro Liter Milch liegen werden.

Deshalb forderte der Milchbauernpräsident Landwirtschaftsminister Michael Creed erneut dazu auf, ein freiwilliges Angebotssenkungsprogramm zu unterstützen. In dessen Rahmen sollten die Landwirte für jeden Liter nicht erzeugte Milch bezogen auf die betriebsindividuelle Produktionsmenge im Basisjahr 2015 etwa 10 Cent erhalten. Nach vorläufigen Ergebnissen der Betriebsstrukturerhebung 2015 des irischen Agrarforschungsinstituts Teagasc haben die Landwirte ihre Erzeugung im Durchschnitt um 20% erhöht, um ihr Einkommensniveau des Vorjahres ungefähr halten zu können.

Nur jeder Fünfte der irischen Milcherzeuger habe die Produktion im ersten Jahr nach dem Ende der EU-Milchquote zurückgefahren. Angesichts der negativen Milchpreisentwicklung im ersten Quartal 2016 prognostiziert das Institut für 2016 jetzt einen durchschnittlichen Einkommensrückgang um 20 bis 25 Prozent auf 50'400 Euro (55'440 Fr.) bis 47'300 Euro (52'030 Fr.) je Milchviehbetrieb.

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