25.11.2015 07:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Milchmarkt: „Situation wird vor Sommer kaum besser“
Die Milchbauern machen derzeit schwere Zeiten durch. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) gehen nicht von einer nachhaltigen Verbesserung der Situation bis kommenden Sommer aus. Die Organisation ruft die Bauern deshalb auf, die Reihen zu schliessen.

Die Milchbauern haben in diesem Jahr mit sehr tiefen Preisen zu kämpfen. Grund dafür sind die tiefen Weltmarktpreise, der starke Franken und eine leichte Überversorgung des hiesigen Marktes mit Milch.

Für die Milchbauern verursacht die aktuelle Situation hohe Erlöseinbussen. Zudem geraten auch die Direktzahlungen unter Druck. An den regionalen Informationstagungen diskutierten die SMP mit ihren Mitgliedern über die aktuelle politische Lage und die Marktsituation.

EU-Milchmarkt unter Druck

Die Einschätzung der SMP ist ernüchternd. Der starke Franken führe dazu, dass der Export von Schweizer Milchprodukten erschwert werde, hält die Organisation in einem Dienstag veröffentlichten Communiqué fest. Der Importdruck, also die Einfuhr von Milchprodukten, nehme zu. Dies auch deshalb, weil seit der Aufhebung der Milchkontingentierung in der EU der dortige Milchmarkt aus den Fugen geraten ist. Die Milchpreise tauchten massiv.

Wechselkurs

Der Schweizer Franken hat sich seit Mitte Januar gegenüber dem Euro leicht abgeschwächt (rund – 7 Prozent). Der Wechselkurs Euro/Fr. liegt momentan bei 1,08. Deutlich an Wert gewonnen gegenüber dem Schweizer Franken hat hingegen der US-Dollar. Er legte um rund 15 Prozent zu. Der Wechselkurs USD/Fr. ist mit 1,01 auf dem höchsten Stand seit rund 11 Monaten.

Die SMP gehen aufgrund der aktuellen Gegebenheiten nicht davon aus, dass sich die Situation rasch verbessern wird. Im Gegenteil: „Es muss davon ausgegangen werden, dass die Situation vor Sommer 2016 kaum besser wird“, so die SMP.

Stabiler Richtpreis als Garant

Aus der Sicht der SMP ist es zentral, dass die Milchbauern, trotz teils unterschiedlichen Ansichten, gemeinsam auftreten. Der SMP schielt bereits auf kommenden Donnerstag. Dann wir die Branchenorganisation Milch BOM über den Richtpreis befinden. „Ein stabiler Richtpreis ist der Garant dafür, dass die Preise an der Ladentheke nicht heruntergerissen werden“, sagte SMP-Präsident Hanspeter Kern kürzlich gegenüber „Schweizer Bauer“. Es gäbe keinen Druck der Konsumenten, dass die Milchproduktion billiger werden müsste. „Es will niemand, dass diese um die 5 Rappen billiger wird“, so Kern wörtlich.

Um die Verhandlungen erfolgreich zu gestalten, das heisst aus der Sicht der SMP „Halten des Richtpreises“, müssen die Bauern zusammenhalten. Ein stabiler Richtpreis wäre erneut ein Bekenntnis von Verarbeitern und Detailhändlern zur Milchproduktion in der Schweiz, betonte Kern. Das Zusammenhalten sei auch wichtig, um die Marktstabilisierungsmassnahmen wirkungsvoll umsetzen zu können, heisst es im Communiqué weiter.

Vier Hauptherausforderungen für 2016

Der SMP blickt auch bereits auf das kommende Jahr. Für die Schweizer Milchproduzenten stünden 2016 vier Hauptherausforderungen an:

  • Erhaltung des Grenzschutzes so weit möglich
  • Sicherung der Bundesmittel für das Agrarbudget und das Schoggigesetz auf dem Niveau 2015
  • Ausgewogenen Mittelverteilung bei der Agrarpolitik
  • Vereinfachung der Administration
SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE